Erstellt am 01. Dezember 2015, 05:03

von Franz Putz

Proteststurm gegen neuen Windpark. Öffentliche Verhandlung zurUmweltverträglichkeitsprüfung sorgt für Empörung der Anrainer.

Sie trugen Ihre Befürchtungen zur geplanten Errichtung der Windkraftanlage im Rahmen der Verhandlung vor. Gabriele Grech, Christian Lenz, Gregor Guttmann, Kerstin Pfeifenberger  |  NOEN, Markus Putz

Die Emotionen gingen hoch in der Feuerwehrscheune. Am Mittwoch stand die mündliche Verhandlung zur Umweltverträglichkeitsprüfung für die geplante Windkraftanlage Ebreichsdorf auf dem Programm. Urteile von Sachverständigen zu den technischen Komponenten und zum Bau der Anlage sollten auf Antrag der Wien Energie AG als Errichter diskutiert werden. Eingeladen hatte die NÖ Landesregierung.

Die technischen Sachverhalte wurden von den Experten in überschaubare Themengebiete wie Verkehrsbelastung, Feuerschutz, Flugverkehr und so weiter gegliedert und von den Sachverständigen erörtert. Fast alles werde seitens der Erbauer laut Planung erfüllt. Kritik gab es an der Protokollführung bei der Verhandlung.

Anträge zur zeitgleichen Erfassung der Einwendungen wurden abgelehnt, somit mussten die anwesenden Bürger ihre Wortmeldungen im Anschluss gesondert und selbst einer Sekretärin diktieren, während die Verhandlung weiterlief. „Bei so einem wichtigen Verfahren mitschreiben zu lassen, statt die EDV für eine professionelle Protokollführung zu nützen ist steinzeitlich und eine Diskriminierung der Einwender“, monierte Christian Lenz als Sprecher der Bürgerinitiative Gegenwind.

Verfahrenseinstellung: Anträge abgelehnt

Rechtsanwalt Böhmdorfer beantragte für seine Mandanten die Zeugenaussage von Bürgermeister Wolfgang Kocevar (SPÖ). Böhmdorfer sprach von angeblichen jährlichen Zahlungen an Gemeinde und Landwirte. Ein Antrag auf Einstellung des Verfahrens wegen zweier „nicht ausreichend sach- und fachkundig belegter Gutachten“ wurde nicht zur Kenntnis genommen.

Ebenso der Antrag, das Projekt durch den Projektwerber Wien Energie AG, zugunsten eines allgemein gleichen Informationsstandes kurz zu präsentieren. „Wir werden die Gutachten der heutigen Verhandlung von unabhängigen Gutachtern prüfen, beziehungsweise neue erstellen lassen“, kündigen Lenz und seine Mitstreiter weiteren Gegenwind an: „Denn 13 Rotorentürme mit 200 Metern Höhe so nahe am Wohngebiet sind in Österreich noch nicht erprobt.“

Landtagsabgeordnete Helga Krismer (Grüne) steht weiterhin klar hinter dem Projekt. „Man muss sachlich bleiben und darf trotz des Konfliktpotenzials das Ziel der Energiewende nicht aus den Augen verlieren“, plädiert sie.

Das Gebiet sei in einem langwierigen Verfahren als geeignet für Windkraftanlagen definiert worden. „Wir können mit besorgten Anrainern Exkursionen zu bestehenden Anlagen organisieren, um Ängste zu zerstreuen. Man kann über kleinere oder weniger Windräder reden. Aber am Projekt an sich darf nicht gerüttelt werden.“


ZITIERT

„Nachdem wir den Bürgermeister als Zeuge namhaft machen wollen, soll er die Verhandlung verlassen, um nicht beeinflusst zu werden.“
Rechtsantwalt Dieter Böhmdorfer

„Da die Beweiswürdigung der von ihr selbst beauftragten Gutachter ausschließlich der Behörde obliegt, setzen wir in die Ergebnisse der Ermittlungen kein Vertrauen“.
Christian Lenz, Sprecher der Bürgerinitiative

„Sie können Anträge stellen. Ob
die behandelt werden, entscheidet allerdings die Behörde.“
Vorsitzender

„Wir haben in einem langen Prozess in Niederösterreich Windkraft-Zonen definiert. Ich bin sehr froh, dass es im Bezirk Baden mehrere solche Zonen gibt.“
Landtagsabgeordnete Helga Krismer (Grüne)


NÖN-Community für Windpark

Klares Votum auf NÖN online für den Windpark in Ebreichsdorf. Die Umfrage der Vorwoche: 68 Prozent befürworten das Projekt, 32 Prozent sind dagegen.