Erstellt am 18. November 2015, 12:23

Studium – und dann die Lehre zur Fitnessbetreuerin. Sie feiert demnächst ihren 24. Geburtstag und ist voller Tatendrang! Die Rede ist von Viktoria Hildner aus Schönau an der Triesting.

Absolviert derzeit in Brunn am Gebirge eine Lehre zur Fitnessbetreuerin: Viktoria Hildner.  |  NOEN, zVg

Wie nennt sich Ihre Berufsbezeichnung bzw. die Lehre?
Hildner: Fitnessbetreuerin. Ich persönlich nenne es auch Personal Trainer, klingt irgendwie besser. Und die meisten können sich mehr darunter vorstellen.

Was war die Motivation hinter der Entscheidung, nach der Matura eine Lehre zu machen?
Nach meiner Matura kam zuerst mein dreijähriges Bachelorstudium zur Volksschullehrerin, anschließend war meine Motivation sehr groß, eine zweite Ausbildung zu absolvieren. Mein Hintergedanke war ein zweites Standbein für meine Zukunft. So habe ich zwei fertige Ausbildungen, die ich gut kombinieren kann.

Wie war für Sie der Übergang von Matura zur Lehre? Wie haben Sie die Kollegen aufgenommen?
Der Übergang von Matura zum Studium war einfach, dann kam aber der Übergang vom Studium zur Lehre. Es war anfangs schwierig, da man nach dem Studium darauf eingestellt ist: Jetzt kommt die eigentliche Berufswelt. In meinem Fall Volksschullehrerin mit einer eigenen Klasse und ab jetzt verdient man viel Geld. Tja, das kam dann aber ganz anders. Ich entschied ich mich für die Lehre im Fitnessstudio. Ich dachte mir: Jetzt bin ich noch jung. Wenn nicht jetzt, wann dann? Als ich dann direkt nach meinem Studium die Lehre im Fitnesscenter begann, war ich 22 Jahre alt. Meinen Kollegen war schnell klar, dass ich nicht wie ein „Lehrmädl“ bin, sondern eher wie eine normale Kollegin. Sie haben mich herzlich aufgenommen und mir aufgrund meines Alters sehr schnell eine hohe Selbstständigkeit am Arbeitsplatz zugesprochen und Verantwortung übergeben.

"Geld ist dabei ein eher schwieriges Thema"

Wie leistbar ist es (im weiteren Bildungsweg), eine Lehre zu machen?
Geld ist dabei ein eher schwieriges Thema. Man verdient während der Lehre nicht sehr viel. Aber wenn man es sich gut einteilt, ist das Nötigste leistbar. Ich persönlich hätte es mit der gemeinsamen Wohnung meines Freundes und mir, dem Haushalt und meinem Auto ohne Unterstützung nicht geschafft.

Gibt es Förderungen? Wer hat Sie unterstützt?
Für die Unterstützung meiner Eltern und meines Freundes bin ich sehr dankbar, sonst wären mir einige Dinge während meiner Lehrzeit nicht möglich gewesen.

Hatten Sie bereits eine Jobzusage?
Eine fixe Zusage hatte ich noch nicht. Aber während meiner Lehre hätten sich zwei, drei mögliche Anstellungen als Lehrerin ergeben, die ich aber dankend abgelehnt hatte, da ich meine Lehre als Fitnessbetreuerin fertig machen und nicht abbrechen wollte.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert?
Mein Umfeld hat sehr positiv reagiert. Und meine Familie war stolz, dass ich mich weiterbilden wollte. Außerdem kann ein zweites Standbein nie schaden.

"Meine ganze Lehre ist eine prägende Erfahrung."

Wie haben Sie „durchgehalten“? Motivationstricks? Lerntipps?
Durchzuhalten fällt mir nicht sehr schwer, wenn man etwas gerne macht, dann macht man es auch gut. Mein Motivationstrick ist: Ich schließe meine Augen und stelle mir vor, wie es in zehn Jahren sein wird. Dann sehe ich eine erfolgreiche Frau, die engagiert ist und ihren Job gerne macht. Man muss das
Beste aus sich herausholen und auch an einem schlechten Tag etwas Positives finden.

Welche Erfahrungen haben Sie während der Lehre am meisten geprägt?
Meine ganze Lehre ist eine prägende Erfahrung.

Was raten Sie Personen, die sich eine Lehre überlegen? Worüber sollen sie sich im Klaren sein?
Eine Lehre ist eine gute Möglichkeit, in der Praxis einen Job auszuüben und nebenbei viele neue Dinge zu erfahren. Mir gefällt die Mischung aus täglicher Arbeit und einer Ausbildung, in der man viel über den Beruf lernt. Worüber man sich im Klaren sein sollte ist, dass das Lehrlingsgehalt nicht allzu üppig ausfällt. Außerdem muss man für ein paar Monate wieder die Schulbank drücken. Ein großer Vorteil, den ich durch meine Matura hatte, ist die verkürzte Lehrzeit. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass meine Lehre statt drei nur zwei Jahre dauert. Auch in der Berufsschule ist man in vielen Fächern befreit, die man bereits
in vorherigen Schulen erfolgreich abgeschlossen hat. Ein großer Unterschied zur Schule oder dem Studium ist, dass man sich im Arbeitsleben beweisen und in der Berufsschule viel theoretisches Wissen aneignen kann.