Erstellt am 18. Januar 2016, 09:37

von Stefan Jedlicka

Viel Aufregung um Flüchtlingsquartier. Pfarren unterstützen „Paul Weiland Haus“-Projekt der Diakonie in der Wiener Straße. Kritik von FPÖ und in sozialen Medien.

Das ehemalige Landespflegeheim in der Wiener Straße wird von der Diakonie derzeit umgebaut. In wenigen Wochen sollen hier rund 200 Flüchtlinge einziehen. Vor allem Familien, unbegleitete Minderjährige und Asylsuchende mit erhöhtem medizinischem Betreuungsbedarf. Foto: NÖN  |  NOEN, NÖN

Die geplante Einrichtung eines Quartiers für rund 200 Flüchtlinge im ehemaligen Landespflegeheim in der Wiener Straße (

) sorgt für Aufregung. Während Badener Pfarren das Projekt unterstützen, gibt es Gegenwind aus der Bevölkerung.

Auf Facebook gingen die Wogen in der „Baden bei Wien“-Gruppe hoch. Kritische, teilweise auch untergriffige Kommentare. Wenig Zustimmung. Und eine Bürgerinitiative macht gegen das Projekt mobil. Sogar eine Unterschriftenaktion ist geplant.

Auch die FPÖ Traiskirchen meldete sich zu Wort: „Unfassbar, ein weiteres Flüchtlingsquartier in unmittelbarer Nähe zum Erstaufnahmezentrum“, meint FPÖ-Obmann Anton Lojowski.

„Aufnahmestopp für den Bezirk Baden“

Das neue „Asyllager“ befinde sich in „der Einkaufsstraße und in unmittelbarer Nähe zu Lebenmittelgroßmärkten wo tausende Bürger aus Baden und den Nachbargemeinden ihren täglichen Einkauf tätigen“. Viele Traiskirchner würden ihre Heimatstadt für den Einkauf auf Grund negativer Erfahrungen mit Asylwerbern meiden, meint die FPÖ. „Wo sollen unsere Frauen und Kinder in Zukunft unbesorgt einkaufen gehen können?“

FP-Bezirksobmann Peter Gerstner meint: „Das Maß ist voll. Der Bezirk Baden hat 141.000 Einwohner und schon alleine durch die Belegung des Lagers Traiskirchen über 3.000 Asylanten sowie zusätzlich rund 400 Asylanten in Quartieren wie der Cholerakappelle, in Leobersdorf und weiteren privaten Einrichtungen.“ Er fürchte um die Sicherheit der Bevölkerung und fordert daher „einen Aufnahmestopp von Asylanten für den Bezirk Baden und eine Personalerhöhung in den Polizeidienststellen im ganzen Bezirk.“

Keinen Zweifel an der Unterstützung des Projektes lässt hingegen Wieland Curdt, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Baden. „Wir setzen uns nicht nur für die Flüchtlinge ein, weil man das eben so tut. Helfen gehört zu den Kernaufgaben des Christentums“, betont er.

Und sein katholischer Amtskollege Leopold Steyrer von der Pfarre St. Josef in Leesdorf meint: „Wir Christen stehen vor einer großen Herausforderung. Wir sind gefordert, im Sinne Jesu zu handeln.“ In St. Josef wurde bereits eine syrische Familie aufgenommen. Ein eigener Arbeitskreis soll sich mit weiteren Möglichkeiten zu helfen befassen.

Diakonie freut sich über jede helfende Hand

Helfen können aber alle Badener. Ob beim Aufbau von Möblen, bei Arbeiten am Haus oder im Garten oder bei der Betreuung der Flüchtlinge im Helenenheim. Die Diakonie freut sich über jede helfende Hand unter 0664/8421117 oder freiwillige.paulweilandhaus@diakonie.at.

Vizebürgermeisterin Helga Krismer (Grüne) hält Baden aufgrund des Quartiers im Helenenheim gar für „einen Leuchtturm für die Republik“. Begründung: „Während sich noch immer viele Gemeinden gegen die Erfüllung der gesetzlichen Quote von 1,5 Prozent für die Aufnahme von Flüchtlingen wehren, hat Baden mit Februar die Quote übererfüllt.“

Und sie macht klar: „Angesichts der schrecklichen Bilder aus überfüllten Lagern trat die Stadtregierung an das Land Niederösterreich heran. Die Landesregierung willigte ein, das leerstehende Objekt als Asylquartier für vier Jahre zur Verfügung zu stellen. Die Bedingung seitens der Stadtregierung war, dass nur eine kompetente Organisation, nämlich die Diakonie, als Vertragspartnerin in Frage kommt.“

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