Erstellt am 06. Oktober 2015, 06:42

von Stefan Jedlicka

Viele Fragezeichen rund um die „Löwenbrücke“. Totaler Neubau wäre sinnvollste Lösung. Denkmalschutz würde dies jedoch verhindern. Unterschutzstellungs-Verfahren läuft. Kosten unklar.

Lokalaugeschein auf der Baustelle Löwenbrücke. Von links: Baustadtrat Rudolf Gehrer (VP) mit den Gemeinderäten Tobias Perschon (Grüne), Marcus Meszaros-Bartak (SPÖ), Stadtrat Jowi Trenner und Wolfgang Trenner (Bürgerliste), Stadtamtsdirektor Roland Enzersdorfer, Gemeinderat Wolfgang Pristou (Bürgerliste), Stadträtin Andrea Kinzer (Grüne), Baudirektor Michael Madreiter und Roman Riesner vom Bauamt Baden.  |  NOEN, Foto: Pohl
Nur eines ist fix: Die Sanierung der baufälligen „Löwenbrücke“ zwischen Vöslauerstraße und Josefsplatz wird deutlich teurer ausfallen, als ursprünglich angenommen. Wie teuer, das steht derzeit noch in den Sternen. Auch welche Art der Sanierung gewählt wird. Die sinnvollste und kostengünstigste Variante – ein Neubau – scheint allerdings ausgeschlossen. Denn das Bundesdenkmalamt hat der Stadtgemeinde bereits angekündigt, das offiziell Franz-Josefs-Brücke genannte Bauwerk unter Schutz stellen zu wollen. Dies schließt einen Abriss und Neubau definitiv aus.

Noch steht die Brücke nicht unter Schutz. Das Verfahren läuft aber bereits. Und Bürgermeister Kurt Staska (VP) ist nach einem Telefongespräch mit Verantwortlichen des Bundesdenkmalamtes überzeugt: „Wir werden dagegen nichts mehr unternehmen können.“ Dennoch hat er sich schriftlich gegen die Unter-Schutz-Stellung ausgesprochen. Denn ein Neubau würde zwar kaum billiger kommen als eine Sanierung der Brücke, er würde deren Lebenserwartung aber deutlich erhöhen und die Erhaltungskosten senken.

Löwenbrücke als „Baudenkmal“? 

250.000 Euro wurden bislang bereits für die Baustelle ausgegeben. Weitere 65.000 segnete der Gemeinderat am Dienstag ab. Als Honorar für ein Ziviltechnikerbüro, das die weitere Vorgangsweise klären soll. Rund 850.000 Euro könnte die Sanierung laut ersten Schätzungen noch kosten. Gemeinderat Wolfgang Pristou (Bürgerliste) plädierte für einen sofortigen Stopp aller Ausgaben, bis zur Klärung der weiteren Schritte und die zwischenzeitige Öffnung der Brücke in beide Fahrtrichtungen. Dies würde seitens des statischen Sachverständigen jedoch nicht erlaubt, entgegnete Baudirektor Michael Madreiter.

Pristou schlug auch eine Verlegung der Brücke als „Baudenkmal“ an eine andere Stelle vor, um sie nur noch als Fußgänger- oder Fahrradquerung über die Schwechat zu nutzen und an ihrer Stelle ein völlig neues Bauwerk zu errichten.
Kritik an der Informationspolitik der Stadtgemeinde übte Stadträtin Christine Witty (Bürgerliste). Dass Bürgermeister Staska von einer bereits erfolgten Unterschutzstellung der Brücke durch das Denkmalamt sprach, diese aber noch nicht definitiv ausgesprochen wurde, sei „bewusste Falschinformation“, so Witty. Sie fürchte massive Umsatzeinbußen für die Wirtschaft durch die Sperre.

Stadtrat Jowi Trenner (Bürgerliste) beantragte erneut eine Öffnung der Einbahn am Kaiser Franz Josef-Ring während der einspurigen Sperre der Brücke. Mit Ausnahme der Bürgerliste sprach sich der Gemeinderat dagegen aus. Die Öffnung würde „mehr Probleme bringen, als lösen“, warnte VP-Gemeinderat Leopold Habres. Sie würde zu Rückstaus in Braitnerstraße und am Josefsplatz führen.