Erstellt am 29. März 2016, 12:34

von Tina Jedlicka

„Waren nur im Casino“. Auf frischer Tat ertappt oder zur falschen Zeit am falschen Ort? Schöffensenat sprach ungarische Angeklagte im Zweifel frei.

 |  NOEN, Symbolbild

Zwei Einbruchsversuche und einen „erfolgreichen“ Beutezug in Baden warf die Staatsanwaltschaft vier jungen Ungarn vor, die vergangene Woche am Landesgericht Wiener Neustadt auf der Anklagebank saßen. Schmuck im Wert von 20.000 Euro hätten sie bei ihrem Einbruch ergattert.

„Nicht schuldig“, lautete jedoch die Verantwortung der vier Männer unisono. „Ich wollte meine Freunde damit überraschen, dass wir ins Casino fahren. Zur Erinnerung an meinen Bruder, der dort einen Herzinfarkt erlitten hat und später an den Folgen verstorben ist“, lautete die Version eines Beschuldigten. „Die vier Männer waren nur im Casino und in Baden einkaufen und am Adventmarkt. Sonst nichts“, beteuerte ihre Rechtsanwältin.

„Vier Roma, die in der Nähe des Tatorts waren“

Außerdem plädierte sie weiter: „Es gibt keinen Beweis, dass sie die Täter waren. Als sie aufgehalten wurden, fand man bei ihnen auch keine Beute. Sie sind vier Roma, die in der Nähe des Tatorts waren. Das ist alles. Sie sind unschuldig.“ Sie seien lediglich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gesichtet worden. Einer der Angeklagten begann lang und breit davon zu erzählen, wie er seine kranke Mutter pflegte.

Richter Hans Barwitzius unterbrach ihn jedoch und kehrte wieder zu den eigentlichen Vorwürfen zurück. Im Wagen der Männer befand sich nämlich ursprünglich auch eine Brechstange, die sie jedoch in Baden ins Gebüsch warfen.

"Mit Brecheisen unterwegs sein, sieht schlecht aus"

„Wir dachten, das schaut blöd aus, wenn man mit so etwas durch die Gegend fährt“, meinten die vier Ungarn, die sich bis zum Prozess in Untersuchungshaft befanden. Die Anwältin bot an, überprüfen zu lassen, wo die vier zu den Tatzeitpunkten mit ihren Handys eingeloggt waren.

Die Staatsanwaltschaft wies darauf hin, dass Einbruchsspuren an den Tatorten mit dem Werkzeug, das in dem Wagen der Angeklagten gefunden wurde, übereinstimme. Der Schöffensenat sprach die Männer dennoch im Zweifel frei.