Erstellt am 03. Mai 2016, 05:34

von Thomas Lenger

Weinernte: Hubschrauber gegen Frost. Winzer legten Feuer im Weingarten, um Temperaturen zu heben und orderten Hubschrauber, um kalte Luft zu verwirbeln. Aber die Hälfte der Ernte ist verloren.

Feuer im Weingarten sollten Temperaturen heben.  |  NOEN, Thomas Lenger

Die Tattendorfer Winzer kämpften mit allen Mitteln gegen die Serie von Frostnächten in der vergangenen Woche. Um die 40 Weinbauern und Helfer standen fünf Nächte fast ununterbrochen im Einsatz. „An Schlaf ist derzeit nicht zu denken“, erzählte Günther Dopler erschöpft.

„Es geht um unsere Existenzgrundlage“

„Die Wetterstationen und Temperaturen werden stets im Auge behalten“, so Dopler. Deshalb beratschlagte er bereits um den 16. April mit Johannes Reinisch. Man beschloss, die Hubschrauber zu informieren und bereit zu machen. In der Nacht zum 21. April gab es den ersten Einsatz. Das Prinzip dabei: Wärmere Luft aus der Höhe wird durch den Rotor in die eisige Kälte am Boden gewirbelt, um die Schäden zu minimieren.

Auch Feuer wurden entfacht („Reifheizen“), um eine schützende Rauchschicht über die Weingärten zu ziehen. Um fünf Uhr früh stiegen dann fünf Hubschrauber auf, um mit ihren Rotorbewegungen den Rauch über den Weingärten zu halten. Die ersten drei Tage brachte das einen guten Erfolg. Doch in der Nacht auf Freitag spitzte sich die Lage dramatisch zu. „Die Gärten, wo wir bewässern konnten, sehen noch relativ gut aus“, erklärt der Winzer. „Wenn sich über den Rebstöcken eine Eisschicht bildet, ist das wie ein Schutz für diese.

„Wir haben noch Glück gehabt“

Wichtig ist nur, dass bei Sonnenaufgang nur langsam diese Eisschicht schmilzt. Wir haben aber ungefähr 60 Prozent unserer Ernte verloren“, erzählt ein sichtlich gezeichneter Johannes Reinisch. Wären die Hubschrauber nicht noch einmal aufgestiegen, wäre auch der Rest dahin, ist er überzeugt.

Dankbar sind die Winzer für das Verständnis von Gemeindeführung und Bevölkerung: „Der Lärm und der Gestank sind eine starke Belastung.“ Man sei täglich 20 Stunden im Einsatz. „Es geht ja um unsere Existenzgrundlage“, sagt Dopler.

„Wir haben noch Glück gehabt. In Oberwaltersdorf und Trumau, oder im Neusiedlerseegebiet sind die Ausfälle noch viel dramatischer“, so Reinisch. „Wir haben aber aus den Ereignissen viel gelernt und wissen für die Zukunft, wie wir es besser machen“, zieht er Bilanz. So habe man die Auswirkungen des Windes unterschätzt und müsse künftig schon früher mit Gegenmaßnahmen beginnen, wenn Frost droht. Auch die Qualität der meteorologischen Vorhersagen sei entscheidend.