Erstellt am 16. Juni 2016, 13:29

von Stefan Jedlicka

Wohnungen statt "Hotel Caruso"? Projekt auf Eis!. Widerstand gegen Neubau in der Badener Trostgasse. Umwidmung vorerst verschoben.

Bild: Das ehemalige Hotel Caruso in der Badener Trostgasse. An seiner Stelle soll ein Wohnbauprojekt entstehen.  |  NOEN, NÖN
Eine große Überraschung und viel Aufregung brachte die Sitzung des Bauausschusses der Stadt am Dienstagabend. Die Überraschung: Das Areal des ehemaligen Hotels Caruso in der Trostgasse bleibt vorerst unverändert. Die beabsichtigte Umwidmung, um dort ein Wohnbauprojekt zu ermöglichen, wurde abgelehnt. Die Aufregung: auch die Mandatare der ÖVP stimmten gegen den Ausschuss-Vorsitzenden, ihren Klubobmann Rudolf Gehrer.
 
Zum Hintergrund: Auf dem Grundstück des früheren Hotels Caruso möchte die Wiener Gerstner Gruppe, der auch das Hotel Schloss Weikersdorf gehört, ein Wohnbauprojekt realisieren. Im Gegenzug würde man sich dazu bereit erklären, das Hotel Weikersdorf zu sanieren und um einen Zubau zu erweitern. Ein Deal, den Bürgermeister Kurt Staska (ÖVP) grundsätzlich befürwortet, weil dadurch zusätzliche Hotelbetten in Baden entstehen würden.

Zahlreiche Einsprüche eingegangen

Gegen das Projekt in der Trostgasse hatte sich jedoch bereits in den vergangenen Wochen Widerstand formiert. Zahlreiche Einsprüche dagegen waren bei der Stadtgemeinde eingegangen. Dennoch hätte die Umwidmung von Bauland-Sondergebiet-Fremdenverkehr“ in „Bauland Wohngebiet“ im Gemeinderat am 21. Juni beschlossen werden sollen. Doch es kam anders. Denn nicht nur die Vertreter von SPÖ und Bürgerliste „wir badener“ lehnten im Bauausschuss unter Vorsitz von VP-Stadtrat Rudolf Gehrer die vorgelegten Pläne und die Umwidmung ab. Sondern auch die Vertreter der ÖVP.
 
Große Aufregung war die Folge. Ein VP-Insider zur NÖN: „Ich glaube, so etwas hat es in der Zweiten Republik noch nicht gegeben, dass die eigenen Leute gegen den Ausschuss-Vorsitzenden stimmen.“ Zur Klärung der Situation berief ÖVP-Obmann Staska noch am Mittwoch eine außerordentliche Sitzung des Parteivorstandes ein. Dort ließen sich die Wogen glätten. Fakt bleibt: die beabsichtigte Umwidmung muss warten. Der Punkt findet sich nicht auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung.

Klärung von Detailfragen abwarten

Am Donnerstag ging die ÖVP in einer Aussendung in die Offensive. In der Trostgasse müsse Wohnbau möglich sein, betont man darin. Aber auch: „Es darf nur eine Form und Dimension der Bebauung gewählt werden, die dem Charakter des angrenzenden Villenviertels entspricht.“ Dies sei beim vorliegenden Projekt nicht der Fall, ist offenbar einhellige Meinung des Bauausschusses.

Die ÖVP verweist auf Badens Bewerbung als Weltkulturerbe der UNESCO und die zentrale Rolle, die ein geschlossener Villengürtel für den Verbleib als „einziger Bewerber Österreichs im Rahmen der elf größten Kurstädte Europas“ gespielt habe. Die vorliegenden Pläne des Grundeigentümers seien „lediglich Potentialanalysen“, es sei „jedoch kein konkretes Einreichprojekt vorgelegt“. Daher habe man die Änderungen des Bebauungsplanes „bis zur Klärung von Detailfragen“ zurückgestellt.