Erstellt am 29. Februar 2016, 09:29

von Stefan Jedlicka

Zimmermädchen als Küchenhilfe bezahlt. Gastgewerbe als Sorgenkind für Rechtsberatung der Arbeiterkammer. Drei Millionen Euro 2015 im Bezirk eingefordert.

Karin Matzinger, Danja Wanner und Vizepräsident Horst Pammer präsentieren die AK-jahresbilanz für den Bezirk Baden.  |  NOEN, Erwin Schuh

Gerade im Gastgewerbe hat die Rechtsberatung der Arbeiterkammer NÖ immer wieder mit gravierenden Missständen zu kämpfen. Beispiel: Die Küchenhilfe in einem Hotel in Bad Vöslau, die nach zwei Monaten als Zimmermädchen beschäftigt war. Ihr Lohn wurde allerdings nicht angepasst.

Bei der Auflösung des Dienstverhältnisses nach drei Jahren ließ die Frau ihre Abrechnung in der Arbeiterkammer-Bezirksstelle Baden überprüfen. Dabei stellte sich heraus, dass die Frau über die gesamte Zeit hinweg weiterhin als Küchenhilfe bezahlt worden. Eine monatliche Differenz von 50 Euro zu ihrem Nachteil. Zusätzlich waren 214 Überstunden nicht ausbezahlt worden.

 Kammer reicht Klage ein

„Normalerweise verfallen die Ansprüche auf Überstunden im Gastgewerbe vier Monate nach Lohnabrechnung, sofern sie nicht von der Dienstnehmerin schriftlich geltend gemacht werden“, warnt Bezirksstellenleiterin Danja Wanner. Im konkreten Fall führte das Hotel jedoch ein Zeitkonto.

„Damit verfallen die Überstunden erst vier Monate nach Ende des Durchrechnungszeitraums, weshalb die gesamten offenen Überstunden eingefordert werden konnten“, sagt Wanner. Weil sich der Dienstgeber trotz Intervention der Arbeiterkammer weigerte, die offenen Beträge zu bezahlen, reichte die Kammer Klage vor dem Arbeits-und Sozialgericht ein. Ergebnis: Knapp 4.000 Euro für die Dienstnehmerin, die ihr nachgezahlt werden müssen.

2015 forderte die AK Baden für 525 Arbeitnehmer ausstehende Löhne und Gehälter ein. 605.050 Euro an Nachzahlungen konnten erreicht werden. Weiters wurden 2.398.094 Euro für 289 Arbeitnehmer aus 30 insolventen Betrieben gesichert.

Jahresbilanz 2015 im Bezirk Baden
Arbeits- und sozialrechtliche Beratungstätigkeit:
Persönliche Beratungen: 1.974
Telefonische und schriftliche Beratungen: 3.631
Interventionen für Dienstnehmer beim Arbeitgeber: 334
Kostenloser Rechtsschutz: 191
Außergerichtlich eingebracht: 191.583 Euro
Gerichtlich eingebracht: 413.467 Euro