Erstellt am 02. März 2016, 05:04

von Susanne Müller

15 Millionen für Algen-Reaktor in Bruck. Im Herbst soll in Bruck der Baustart für die größte Algenproduktionsanlage Europas erfolgen.

Die Ecoduna-Geschäftsführer Franz Emminger, Silvia Fluch und Johann Mörwald mit verschiedenen Algenprodukten. Diese Woche ist Silvia Fluch täglich um 8.55 Uhr auf Ö1 zum Thema Algen zu hören.  |  NOEN, Fotos: Müller

Es ist ein geradezu raketenhafter Aufstieg, den das junge Unternehmen „Ecoduna“ bereits hinter sich hat. Sechs Jahre nach der Gründung und vier Jahre nach der Errichtung des ersten Forschungsreaktors in Bruck, ist die Mikroalgen-Zucht so weit entwickelt, dass „wir bereit sind für eine Anlage im großen Stil“, freut sich Gründer Franz Emminger.

Konkret soll auf dem Eco-Plus-Gelände in Bruck ein etwa ein Hektar großer Bio-Photoreaktor entstehen. „Wir haben mit Eco Plus einen Optionsvertrag. Wenn alle Mittel aufgebracht sind, können wir zu bauen beginnen“, so Geschäftsführer Johann Mörwald. Und dabei geht es immerhin um die stattliche Summe von rund 15 Millionen Euro.

„Algen können viel. Sie sind ein Superfood“

„Ein Drittel davon soll Eigenkapital sein, dafür suchen wir noch Aktionäre“, so Mörwald, der davon ausgeht, dass der Baubeginn noch diesen Herbst stattfinden wird. „Geplant ist, ab 2017 Biomasse im großen Stil zu produzieren“, so Mörwald. Die Zahl der Mitarbeiter soll sich von derzeit 20 im Vollbetrieb auf 40 verdoppeln.

Der große Vorteil, den Ecoduna dabei gegenüber jedem anderen Betrieb hat: Die Mikroalgen-Produktion erzeugt weder Lärm noch Geruch, noch sonstige negative Nebenerscheinungen. Als „Abfallprodukt“ entsteht dabei Sauerstoff. Außerdem weiß man mittlerweile immer mehr über die vielen Vorzüge der Algen.

„Algen können viel. Sie sind ein Superfood. Gleichzeitig sind sie auch für die Verwendung in Cremen und Pharmazeutika im Kommen. Die Forschung in diesem Bereich boomt gerade“, erklärt die Biologin Silvia Fluch, dass etwa ein Farbstoff in den Algen in der Krebstherapie zum Einsatz kommt und Algenbestandteile auch für die Entwicklung eines HIV-Impfstoffs herangezogen werden.

Die Algen-Expertin ist vor etwa einem Jahr ins Führungsteam von Ecoduna eingestiegen und hat einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des Produktionsablaufs geleistet. An die Stelle der ursprünglichen Kunststoff-Platten traten im Vorjahr Glasröhren.

Neues Trocknungsverfahren entwickelt

„Damit gelang es uns, praktisch artenrein zu produzieren. Sonst waren die Algen meist mit anderen Algenarten vermischt, jetzt können wir beispielsweise gezielt nur jene Arten züchten, die eine bestimmte Fettsäurekette produzieren. Das hat natürlich ein extrem hohes Potenzial“, so Emminger, der betont: „Es war nicht einfach, eine gute Idee sterben zu lassen, weil wir eine bessere hatten.“ Die physikalischen Prinzipien sind dabei dieselben – und somit auch von den Patenten abgedeckt, die Ecoduna für das Verfahren mittlerweile in 150 Ländern der Welt eingereicht und durchgebracht hat.

Schon jetzt produziert Ecoduna ausreichend Algen, um auch das wertvolle Omega 3 bzw -6 fettsäurehaltige Öl aus ihnen extrahieren zu lassen. Die Fachleute hierfür sitzen in Niederösterreich bei der Firma Natex in Ternitz, wo derzeit das erste Öl aus Bruck aus den Algen geholt wird. Anders als alle anderen Algenzüchter weltweit schafft es Ecoduna nämlich, das ganze Jahr über zu produzieren. „Wir schaffen die Saisonen ab“, so Geschäftsführer Johann Mörwald stolz.

Um die Algen verkaufsfertig abfüllen zu können, entwickelte Ecoduna ein völlig neuartiges Trocknungsverfahren. „Es gab bisher Zentrifugen und Sprühtrockner, aber beide brauchen extrem viel Energie“, so Emminger, der Techniker im Führungsteam. Der „Solarbandtrockner“ hat diesen Nachteil nicht. „Er ist auch sehr schonend für das Produkt. Alle Wertstoffe bleiben in der Biomasse erhalten“, so Emminger. Und davon produzieren Algen sechs- bis zehnmal so viel wie jedes andere Produkt.

Einzig das Image der Algen muss in Österreich noch etwas aufpoliert werden. Mit Partnern der Region arbeitet Ecoduna daher an der gesunden Aufwertung von Lebensmitteln. Versucht hat man sich etwa schon an Schokolade oder Brot mit Algen.

Zum Thema

• Das Unternehmen wurde 2010 von Franz Emminger und Martin Mohr nach 5-jähriger Vorlaufzeit für Forschung und Entwicklung in Bruck gegründet.

• 2012 wurde die Demonstrations- und Forschungsanlage in Bruck fertiggestellt. Gleichzeitig wurden zwei Projekte in Deutschland und Dänemark realisiert.

• Ecoduna ist derzeit die weltweit erste kontinuierlich produzierende Zuchtanlage für Mikroalgen.

• Mittlerweile ist Ecoduna eine Aktiengesellschaft mit rund 180 Aktionären, viele davon aus Bruck.

• Algen: Es gibt mehrere hunderttausend Arten, etwa 20.000 davon sind beschrieben, nur zwei sind als Nahrungsergänzungsmittel bekannt. Jene Algen, die besonders wertvolle Inhaltsstoffe haben, können bei E

• Infos: www.ecoduna.com