Erstellt am 19. Februar 2016, 08:53

von Susanne Müller

Abfallservice statt Heurigen: Neuwirth sperrt zu. Winzer Franz Neuwirth wechselt die Branche: Er steigt bei seiner Nichte Gaby Jüly Vollzeit im Betrieb ein.

Wechsel in der Führungsebene von Abfallservice Jüly: Geschäftsführerin Gabriele Jüly mit ihrem neuen Betriebsleiter Franz Neuwirth, der in die Fußstapfen von Annemarie Jüly tritt, die 30 Jahre lang die Firma geleitet hat und mit Jahreswechsel in Pension ging.  |  NOEN, Müller

Der Heurigen der Familie Neuwirth ist sicher einer der beliebtesten in der Region. Gewesen, muss man jetzt schon sagen, denn aus dem nächsten geplanten Aussteck-Termin im März wird nichts: Der Heurigen „beim Getreidespeicher“ bleibt nach nunmehr 26 Jahren geschlossen – und das wohl für immer.

Der Grund dafür liegt nicht wie vielerorts bei der Registrierkassen-Pflicht, wenngleich Neuwirth einräumt, dass es für die Heurigenwirte durch die Verschärfungen der Auflagen insgesamt immer schwieriger wird. Der Winzer und Heurigenwirt wechselt aus anderen Gründen die Branche: Nachdem seine Schwester Annemarie Jüly sich in die Pension verabschiedet hat, übernimmt er ihre Agenden im Betrieb von Nichte Gabriele Jüly.

Er wird Prokurist und Betriebsleiter bei Abfallservice Jüly, übernimmt dort die Themen Kanal und Gemeinden. Schon seit 2012 hat Neuwirth Teilzeit in der Firma mitgearbeitet, nun tauscht er die Landwirtschaft endgültig gegen die Abfallwirtschaft ein. „Ich kann also wirklich beruhigt in Pension gehen, weil ich weiß, dass mein Bruder Gaby unterstützt“, betont Annemarie Jüly und auch bei Firmenchefin Gaby Jüly ist die Freude groß über die neue „rechte Hand“ im Betrieb.

„Der Abschied ist schon schwer"

„Wir hatten schon die letzten drei Jahre nicht mehr 60 Tage pro Jahr, sondern nur noch 25 ausg‘steckt. Aber auch das wird nun nicht mehr gehen. Immerhin geht es ja nicht nur um die Heurigentermine, es ist ja immer etwas zu tun im Weinbau“, so Neuwirth. Geplant ist daher, die Weingärten zu verpachten und das Heurigenlokal künftig für private Zwecke umzugestalten. Die legendären Open Air-Konzerte des Vereins Freiraum, der unter anderem schon Roland Neuwirth, Harry Stojka und Ernst Molden nach Höflein in den Getreidespeicher gebracht hatte, werden demnach ebenfalls eine neue Location brauchen.

Etwas Wehmut klingt bei Neuwirth schon mit: „Der Abschied ist schon schwer. Wir würden uns gerne bei allen unseren liebgewonnenen Gästen herzlich bedanken. Es waren wunderschöne Jahre“, so Neuwirth, der sich jetzt trotzdem auf den neuen Lebensabschnitt freut: „Der Heurigen stand früher immer über allem. Jetzt werden wir endlich auch ein Privatleben haben.“