Hainburg a.d. Donau

Erstellt am 11. August 2016, 05:18

von Josef Rittler

„Wir wünschen uns, dass er bleiben kann“. Der armenische Asylwerber Narek Gumbalyan ist seit Juni Mitglied der Feuerwehr Hainburg – jetzt droht die Abschiebung.

V. l.: Der 18-jährige Narek Gumbalyan mit Hainburgs Kommandant Christian Edlinger.    |  NOEN, Rittler

Er hat einen langen Weg hinter sich: Narek Gumbalyan ist gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder aus Armenien nach Österreich geflohen.

Narek stammt aus einer Stadt in der Umgebung von Erewan. Seine Familie war in der Heimat bedroht worden, der ältere Bruder schwer verletzt. Die Täter sollen Kontakte in Regierungskreise haben. Der Vater arbeitete für eine Hilfsorganisation, die Entwicklungsprojekte mit ausländischen Spenden unterstützte. „Er hat gesagt, wir müssen flüchten, wohin ist egal, nur weg von hier“, berichtet der 18-Jährige. In Armenien sei das organisierte Verbrechen allgegenwärtig.

„Ich möchte die HAK-Matura machen“

Schließlich landete die Familie in Traiskirchen und kam von dort nach Hainburg ins Ulrichs-heim. Dort werden bevorzugt besonders behandlungsbedürftige Asylwerber untergebracht. Nareks Bruder, er saß damals im Rollstuhl, kann jetzt wieder auf Krücken gehen. Von Anfang an versuchte Narek, sich in seine neue Umgebung einzufügen. In Armenien hatte er zuletzt die neunte Schulstufe absolviert, in Österreich konnte er Jahr in der Handelsschule in Bruck Deutsch lernen.

Das Lernen macht ihm keine Schwierigkeiten, ab September hätte er einen Platz in der HAK. „Ich möchte die HAK-Matura machen und mich dann auf Informatik spezialisieren“, hat der 18-Jährige schon konkrete Pläne für die Zukunft. Zur Feuerwehr Hainburg kam Narek über eine freiwillige Flüchtlingsbetreuerin, die einen Sohn bei der Jugendfeuerwehr hat. „Es gefällt mir gut bei der Feuerwehr, die Ausrüstung ist interessant und ich will Österreich durch meinen Einsatz etwas zurückgeben“, erläutert der 18-Jährige.

Bescheid schon zugestellt

Kommandant Christian Edlinger ist von Nareks Qualitäten überzeugt: „Er hat sich gut eingegliedert und ist derzeit Probefeuerwehrmann, wir schicken ihn demnächst auf die Truppmann-Ausbildung.“ Die Feuerwehr sei froh über engagierte Freiwillige. Narek arbeitet auch bei den Vorbereitungen für das Feuerwehrfest in zwei Wochen mit.

Nun droht allerdings die Abschiebung, der ablehnende Bescheid wurde schon zugestellt. Er soll bekämpft werden: „Wir wünschen uns, dass er und seine Familie bleiben können“, so Edlinger. Auch Gemeinde und Pfarre unterstützen die Berufung gegen den Bescheid.