Erstellt am 07. Oktober 2015, 05:27

von Otto Havelka

Gegenwind für den geplanten Windpark. Zwei burgenländische Gemeinden machen gegen Windräder im Bezirk Bruck mobil. Der Erfolg ist fraglich.

Vier neue Anlagen sollen im Windpark „Dürnkrut-Götzendorf II“ entstehen.  |  NOEN, Symbol/Archiv

AU | Eigentlich sollte es „a g’mahte Wiesn“ sein: Laut den Gutachten der zuständigen Sachverständigen, die am vergangenen Dienstag bei der UVP-Verhandlung im Gasthaus Richter vorgelegt wurden, steht der Errichtung von fünf Windkrafträdern auf Aurer Gemeindegebiet nichts mehr im Wege.

Doch ausgerechnet aus dem benachbarten Burgenland weht heftiger Gegenwind. Die Gemeinden Leithaprodersdorf und Loretto warteten mit neuen Einsprüchen auf. Martin Radatz, VP-Bürgermeister in der Nachbargemeinde Leithaprodersdorf, will „alle Möglichkeiten ausschöpfen“, um das Projekt zu Fall zu bringen. Er kritisiert vor allem, dass „unsere Parteienstellung missachtet wurde. Wir wurden nicht von dem Projekt oder von der Einleitung des UVP-Verfahrens verständigt.“ Dabei habe er schwerwiegende Argumente gegen die Windräder. „Loretto und Leithaprodersdorf sind Teil der Natur- und Kulturregion Leithaland. Die Windräder würden das Landschaftsbild erheblich stören.“

Serin Amtskollege aus Loretto, VP-Bürgermeister Markus Nitzky beruft sich auf den Schutz der Basilika Maria Loretto. Laut Gesetz müssten bei der Errichtung von Windrädern „besondere Denkmäler im Umkreis von fünf Kilometer berücksichtigt werden“, moniert er. Und außerdem gebe es überhaupt keinen Bedarf an neuen Windrädern, berufen sich beiden auf eine Aussage von NÖ-Landesrat Stephan Pernkopf (ÖVP), wonach der Energiebedarf Niederösterreichs bereits zu 100 Prozent abgedeckt sei.

Weiteres Geld erst mit Baubeginn

Ob die Einwendungen der beiden burgenländischen Gemeinden bei den NÖ-Behörden fruchten, ist fraglich. Einen Großteil ihrer Argumente haben sie schon vor einem Jahr erfolglos vorgetragen (die NÖN berichtete).
Herbert Mihaly, Bürgermeister von Au (Zukunftsbündnis Mihaly) steht den Einsprüchen seiner Amtskollegen ziemlich gelassen gegenüber: „Die Sachverständigen haben alles genau geprüft. Auch vonseiten des Umweltschutzes gibt es keine Bedenken.“ Ironische Anmerkung: „Es ist schon seltsam, dass bei der UVP-Verhandlung über Windräder in Au mehr Burgenländer anwesend sind als Auer.“

Auch EVN-Pressesprecher Stefan Zach ist „zuversichtlich, dass das Projekt bald realisiert werden kann.“ Er räumt aber ein, dass sich der Baubeginn aufgrund der neuen Einsprüche „um ein bis zwei Jahre hinziehen kann.“
Die Verzögerung hätte für die Gemeinde Au zumindest finanzielle Folgen. Bislang kassierte Au für den Windpark eine Vorauszahlung von 200.000 Euro. Weiteres Geld gibt es laut Zach aber erst mit Baubeginn – und dieser lässt aufgrund des Gegenwindes auf sich warten.