Erstellt am 06. Januar 2016, 05:53

von Susanne Müller, Otto Havelka und Gerald Burggraf

Au und Enzersdorf verlieren letzte Bank. Ende Jänner sperren zwei Sparkassen im Bezirk zu. Mitarbeiter werden in Nachbar-Gemeinden übernommen.

Die Sparkasse reduziert die Anzahl ihrer Filialen.  |  NOEN, Müller

Das Bankenwesen ist im Umbruch und dieser macht offenbar auch vor der Sparkasse Hainburg-Bruck-Neusiedl nicht Halt. Die Bank reagiert auf den Strukturwandel mit der Schließung von vier Filialen in den Bezirken Bruck und Neusiedl mit 31. Jänner 2016. Konkret betroffen sind im Brucker Bezirk die Filialen in Au und Enzersdorf. In Neusiedl sind es die Filialen Winden und Halbturn.

Mitunter ein Grund sei, dass die „klassische Universalbank“, wie es die Sparkasse ist, mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert sei, wie Josef Preschitz, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hainburg-Bruck-Neusiedl AG, argumentiert. Intelligente Bankautomaten sowie die immer stärkere Nutzung von Bankkarten oder anderen technischen Lösungen hätten das Bild einer klassischen Filiale stark verändert. Demnach sehe das neue Filialkonzept eine Straffung des Filialnetzes vor.

Kunden und Mitarbeiter der Filiale in Au am Leithaberge werden künftig in die Filiale Mannersdorf „übersiedelt“, jene von Enzersdorf nach Fischamend. In den Filialen, die geschlossen werden, sind derzeit jeweils maximal zwei Mitarbeiter tätig. Mit dieser personellen Situation werde es immer schwieriger, den Anforderungen im Kundenservice qualitativ gerecht zu werden. Durch den Standortwechsel könne man diese besser gewährleisten.

Vielleicht kann Bankomat gehalten werden

Für die betroffenen Gemeinden bedeutet die geplante Schließung, dass sie die letzte Bank im Ort verlieren. Gerade die ältere Generation stellt dies vor Probleme. Die Obfrau des Seniorenbundes in Au, Christine Weigl, ist „empört“. „Viele ältere Leute haben kein Fahrzeug und auch kein Telebanking“, weiß sie. Dass mit der Sparkasse auch der einzige Bankomat im Ort verschwindet, sei besonders ärgerlich: „Müssen wir uns das Geld jetzt wieder von der Post bringen lassen?“ Weigl, selbst Sparkasse-Kundin, will nicht zur Bank nach Mannersdorf pilgern. „Wenn´s leicht geht, wechsle ich zur Raika“. Deren nächste Filiale ist in Hof auf halbem Weg nach Mannersdorf.

Als „bedauerlich“ bezeichnet Enzersdorfs Vizebürgermeister Christoph Jüly (Pro Margarethen) die Schließung. Immerhin musste man bereits vor zwei Jahren das Aus der Raiffeisen-Niederlassung hinnehmen. „Wir können da aber als Gemeinde nicht viel dagegenhalten“, seufzt er. Bürgermeister Markus Plöchl (ÖVP) sei aber mit der Bank in Gesprächen, zumindest den Bankomaten halten zu können. Auf NÖN-Nachfrage erklärt Sprecherin Andrea Glatzer jedoch, dass dies definitiv nicht geplant ist. Noch nicht feststeht hingegen, was mit dem Gebäude passiert, welches im Besitz der Sparkasse ist.