Erstellt am 07. Januar 2016, 05:18

von Otto Havelka

Kulturpreis-Träger macht zu viel Lärm. Seit ein paar Monaten hagelt es Anzeigen gegen die renommierte Bar Taro. Lärmschutzmaßnahmen sollen Abhilfe schaffen.

Eingang zur Bar Taro: Bei Konzerten nur noch über die Hintertür?  |  NOEN, Havelka

Das „Taro“ gilt als Brucker Parade-Betrieb. Seit Jahren firmiert die Bar von Gerald Straus als eine der besten Cocktail-Bars des Landes im renommierten Falstaff-Guide. Für insgesamt 50 Kulturveranstaltungen pro Jahr – darunter zahlreiche Erstauftritte junger Musiker, eine Kooperation mit der örtlichen Musikschule und ein monatliches Gastspiel des Brucker Improvisationstheaters „Die Improtagonisten“ – erhielt Straus den Brucker Kulturpreis 2014.

Ausgerechnet dieses Engagement sorgt nun für heftigen Wirbel: In den letzten sechs Monaten war rund zehn Mal die Polizei in der American Bar zu Gast. Der Grund: Anzeigen wegen Lärmbelästigung. Eine (neue) Mieterin im Haus gegenüber in der Wiener Gasse fühlt sich durch den Lärm gestört.
Barinhaber Gerald Straus: „Zehn Jahre lang gab’s keine Probleme. Jetzt auf einmal.“

„Absoluter Höhepunkt“ laut Straus: Auch als ein paar Musikschüler an einem Wochentag um 18 Uhr 30 vor ihren Eltern musizierten, stand die Polizei vor der Tür.
Einen Tag vor Weihnachten wurde in der Wirtschaftskammer unter Beisein von Vertretern der Gemeinde und der Bezirkshauptmannschaft nach Lösungen für das Dilemma gesucht. WK-Obmann Klaus Köpplinger: „Unsere Aufgabe ist, Unternehmen bestmöglich zu unterstützen. Unser Interesse ist, einen vernünftigen Konsens zu finden.“

Gewerbebehörde ist entscheidend 

SP-Bürgermeister Richard Hemmer ist in der Zwickmühle: Er hat „grundsätzlich großes Interesse, den Parade-Betrieb und kulturellen Fixpunkt“ zu erhalten. Als oberste Baubehörde und Ortschef will er aber freilich auch einen „klaglosen Betrieb“.
Ende 2015 hat er mit der Bewilligung von zwei Konzerten im Taro seine Möglichkeiten ausgeschöpft. Denn laut Gesetz kann er „öffentliche Veranstaltungen“ in dem Lokal nur „in geringem Ausmaß“ (sprich: ein bis zwei Mal pro Jahr) genehmigen.

Entscheidend ist die Gewerbebehörde. Noch im Jänner soll ein Lärmschutz-Sachverständiger des Landes einen Lokalaugenschein vornehmen.

Mögliche Lösungen: Bei Konzerten muss man über den Hintereingang (des ehemaligen Stadtheurigen) ins Lokal gehen. Auch neue Schallschutzfenster sind eine Option. Lokalinhaber Straus ist „bereit, erträgliche Auflagen auf mich zu nehmen“.
WK-Obmann Köpplinger ist zuversichtlich, dass Lösungen „ohne großen Kostenaufwand für den Unternehmer“ gefunden werden.