Bruck an der Leitha

Erstellt am 13. Juli 2016, 05:52

von Otto Havelka, Josef Rittler und Adalbert Mraz

Abwasser bleibt in der Region. Sieben neue Gemeinden treten dem Abwasserverband Bruck - Neusiedl bei. Es drohen Gebührenerhöhungen.

Die Brucker Kläranlage wird wegen des Beitritts von sieben Gemeinden ausgebaut. privat  |  NOEN, privat

Nach monatelangem Tauziehen werden am 19. Juli offiziell die Verträge unterzeichnet: Fünf burgenländische Gemeinden (Gattendorf, Edelstal, Pama, Neudorf und Kittsee) sowie die niederösterreichischen Gemeinden Berg und Wolfsthal treten dem Abwasserverband Bruck - Neusiedl (AVBN) bei.

Bergs Bürgermeister Georg Hartl (SP): „Beitritt ist wirtschaftlichste Variante.“
 
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Bislang entsorgten die Gemeinden ihre Abwässer in Bratislava in der Slowakei. Der Vertrag läuft im Juli nächsten Jahres aus. Über eine Verlängerung konnte keine Einigung erzielt werden. Gerhard Schödinger, VP-Bürgermeister in Wolfsthal: „Der Grund für den Ausstieg aus Bratislava ist einzig bei den Kosten zu suchen. Der Verbleib hätte nahezu eine Verfünffachung der Kosten verursacht. Im nun angestrebten Abwasserverband ist hingegen eine Kostenerhöhung von ‚nur‘ 100 Prozent zu erwarten.“

Tiefer in die Tasche greifen müssen die Gemeindevertreter allemal. Die Erweiterung des AVBN erfordert die Errichtung von zwei Pumpwerken, eines Pufferbeckens, eines 24 Kilometer langen Ableitungskanals und eines dritten Nachklärbeckens. Finanzieren müssen das die sieben neuen Mitgliedsgemeinden.

Langfristige Sicherung der Kapazitäten

Dazu kommt, dass sich die neuen AVBN-Mitglieder auch anteilsmäßig in die bereits vorhandene Infrastruktur einkaufen müssen. „Betriebs- und volkswirtschaftlich ist es aber die vernünftigste Lösung“, beteuert AVBN-Geschäftsführer Josef Pranger.

AVBN-Geschäftsführer Josef Pranger: „Betriebs- und volkswirtschaftlich die vernünftigste Lösung.“  |  NOEN, AVBN

Insgesamt hat der AVBN künftig die Abwässer von rund 11.000 zusätzlichen Einwohnern zu behandeln. Rechnet man die Betriebe dazu, kommt man auf 26.400 „Einwohner-Werte“. Durch den geplanten Ausbau wird die Kapazität von derzeit 140.000 auf 170.000 „Einwohner-Werte“ ausgebaut. Das entspricht einem „Planungshorizont von 20 Jahren“, erklärt Pranger. Mit Fertigstellung des Ausbaus Ende 2017 soll die Auslastung wie bisher bei 70 bis 80 Prozent liegen, womit mittelfristig ausreichend Reservekapazitäten im bisherigen Ausmaß vorhanden wären.

Das war auch eine der Bedingungen der bisherigen 15 AVBN-Mitglieder, um dem Beitritt der neuen Gemeinden zuzustimmen. Für Bergs SP-Bürgermeister Georg Hartl ist der Beitritt „die wirtschaftlichste Variante“. Erwogen wurde unter anderem eine eigene Kläranlage für Wolfsthal und Berg oder eine gemeinsame Kläranlage für alle Gemeinden, die derzeit noch ihre Abwässer nach Bratislava leiten. „Schlussendlich erwies sich aber der Beitritt als beste Lösung“, erklärt Hartl. Bei den Berechnungen wurde auch das Wachstum der Gemeinden berücksichtigt.

Vertragssituation mit der Slowakei unsicher

So würden sich die Kosten zwar erhöhen, aber im Rahmen bleiben. Ob und in welchem Ausmaß der AVBN-Beitritt in den betroffenen Gemeinden zu Erhöhungen der Kanalgebühren führt, ist derzeit noch unklar. Entsprechende Entscheidungen müssen in den jeweiligen Gemeinderäten getroffen werden. „Mit einer Gebührenerhöhung ist natürlich zu rechnen, aber erst, wenn die ersten Abrechnungen vorliegen“, will sich der Wolfsthaler Ortschef Schödinger noch nicht auf konkrete Zahlen festlegen.

Wolfsthals Bürgermeister Gerhard Schödinger (VP) rechnet mit Gebührenerhöhungen.
 
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Ob die Kanalgebühren erhöht werden, „muss man sich erst anschauen“, übt sich auch der Edelstaler VP-Bürgermeister Gerald Handig in Zurückhaltung. Gattendorfs VP-Bürgermeister Franz Vihanek schließt eine Gebührenerhöhung vorerst aus. Die gemeindeeigene Kläranlage soll vorerst als Ausweichoption erhalten bleiben.

Für Verunsicherung sorgt die Vertragssituation mit der Slowakei. Der geltende Abwasserentsorgungsvertrag läuft im Juli nächsten Jahres aus. Mit einem Anschluss an den AVBN ist aber erst Ende nächsten Jahres zu rechnen.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass dann die Kanäle geschlossen werden“, sagt AVBN-Chef Pranger. Aber in der Übergangszeit bis zum Anschluss an den AVBN wären die Gemeinden seiner Meinung nach dem Preisdiktat der Slowakei praktisch ausgeliefert.