Erstellt am 20. Januar 2016, 05:28

von Susanne Müller

Stadtgraben-Projekt liegt für Jahre auf Eis. Das Vorzeigeprojekt hätte heuer fertig werden sollen. Jetzt ist von Umsetzung frühestens in zwei bis drei Jahren die Rede.

Die Pläne, die 2014 präsentiert wurden, sahen vielversprechend aus. Darin war auch ein »Tor ins Zentrum« vorgesehen, das über das ehemalige Schneider-Grundstück einen Durchgang durch die Stadtmauer in die Tegetthoffgasse ermöglicht hätte.  |  NOEN, Visualisierung: »Die Landschaftsplaner.at ZT GmbH«

Es wurde als das innovativste Projekt im ganzen Stadtentwicklungskonzept gefeiert: Der Brucker Stadtgraben sollte dem Stadtkern zu einer neuen Belebung und optischen Aufwertung verhelfen und zum neuen Freizeitareal für alle Generationen werden.

Erarbeitet wurde das Konzept in einem viel gelobten Bürgerbeteiligungsmodell. Die Planung, deren Ergebnis bei der Präsentation im November 2014 regen Zuspruch fand, führte das Ziviltechniker-Büro „Die Landschaftsplaner.at ZT GmbH“ durch.
Und eigentlich hätte das Projekt heuer, im 777-Jubiläumsjahr der Stadt fertig und feierlich eröffnet werden sollen.

Dass sich das nicht ausgehen würde, das war freilich schon länger absehbar. Der Baubeginn, der für das Frühjahr 2015 vorgesehen war, verzögerte sich zuerst wegen langwieriger Verhandlungen mit dem Bundesdenkmalamt (die NÖN berichtete). Doch auch als es da letztendlich eine Kompromiss-Lösung gab, tat sich im Stadtgraben nichts.

Heuer definitiv keine Umsetzung des Projekts

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Heuer wird definitiv nicht mit der Umsetzung des Stadtgraben-Projekts begonnen. Das bestätigte nun SP-Bürgermeister Richard Hemmer auf NÖN-Anfrage. War das Projekt 2015 noch im Budget vorgesehen, so ist es dort für heuer nicht mehr aufgelistet.
Von der ÖVP wurde die Umsetzung schon geraume Zeit infrage gestellt. Bei deren Neujahrsempfang bezeichnete VP-Sprecher Alex Petznek das Projekt gar als „teuren Luxus-Stadtgraben“, dem es gelte, andere, wichtigere Vorhaben vorzuziehen.

Stadtchef Hemmer begründet die Planänderung jedoch weniger mit Finanzierungsproblemen. „Solange wir die Container bei der Neuen Mittelschule stehen haben, nutzt die Schule den Stadtgraben als Ersatz für deren eingeschränkte Freifläche“, so Hemmer. Dafür gebe es eine grundsätzliche Vereinbarung bis 2020. Wenn nun nächstes Jahr tatsächlich die geplanten Umbauten an der Musikschule vorgenommen werden, dann würden die Container als Ausweichquartier für die Musikschule benötigt werden. „Dann brauchen wir die Container noch zwei bis drei Jahre und erst danach können wir mit dem Stadtgraben beginnen“, so Hemmer.

Zum Projekt

 Der Stadtgraben sollte eines der drei Hauptprojekte der Stadterneuerung bilden (neben der Kooperation mit Bruckneudorf und dem E-Government).
 Die Kosten für die Umsetzung waren mit 1,2 Millionen Euro veranschlagt. Die Umsetzung hätte über zwei Jahre erfolgen sollen.