Erstellt am 15. September 2015, 15:32

von Susanne Müller

Bruck: Unser Bezirk wird doppelt so groß. Der Brucker Bezirk wird 2017 um zehn Gemeinden und 43.000 Einwohner mehr umfassen als jetzt.

 |  NOEN, zvg

Die ÖVP-Regierungsklausur in Mauerbach brachte in der Vorwoche einen Paukenschlag: Der Bezirk Wien-Umgebung wird aufgelöst. Was schon lange immer wieder andiskutiert worden war, soll nun mit 1. Jänner 2017 Realität werden. Die Aufteilung der Bezirksteile bringt vor allem für den Brucker Bezirk gravierende Veränderungen mit sich. Zehn Gemeinden aus dem Raum Schwechat, darunter auch die Stadt Schwechat, werden künftig zum Bezirk Bruck gehören. Die Einwohnerzahl würde sich damit von jetzt 44.000 auf künftig 87.000 fast verdoppeln. Noch ausständig ist derzeit freilich der entsprechende Landtagsbeschluss.

Von Landeshauptmann Erwin Pröll wurde die Maßnahme als der „größte Reformschritt seit den 70er Jahren“ gepriesen. Ziel der Umstrukturierung seien laut Pröll einerseits kürzere Wege für die Bürger, die durch Bürgerservicestellen erreicht werden sollen und zum anderen Einsparungsmaßnahmen.

Logistisch und geographisch hat Bruck als Bezirkshauptstadt
die ideale Lage, weil es künftig ja wirklich im Zentrum des
Bezirks liegen wird.“ Brucks Bürgermeister Richard Hemmer 

Die restlichen Gemeinden des zerklüfteten Bezirks Wien-Umgebung sollen an andere Bezirke angeschlossen werden. Klosterneuburg, Gablitz und Mauerbach wandern zu Tulln, die Gemeinden Lanzendorf, Leopoldsdorf und Maria Lanzendorf gehören künftig zu Mödling und Gerasdorf zu Gänserndorf. Während es dort zum Teil heftigen Widerstand gegen die Neugliederung gibt, in Gerasdorf wird etwa eine Volksbefragung gefordert, sieht man die Umverteilung im Bezirk Bruck großteils positiv.

Brucks Bürgermeister Richard Hemmer (SPÖ) würde dann zum Stadtchef der Bezirkshauptstadt eines der größten Bezirke in Niederösterreich: „Ich finde die Entscheidung gut. Das bringt gewisse Perspektiven für Bruck mit sich. Dass die Bezirkshauptmannschaft in Bruck bleiben soll, halte ich für absolut richtig. Logistisch und geographisch hat Bruck dafür die ideale Lage, weil es künftig ja wirklich im Zentrum des Bezirks liegen wird.“ Für die Stadt erwarte er sich dadurch mehr Frequenz.

„Das sind ja keine kleinen Gemeinden, die da dazukommen. Wenn die Leute nur fallweise nach Bruck kommen, bedeutet das eine Belebung für die Stadt, was vor allem der Innenstadt guttun kann. Aber wir müssen Strategien entwickeln, um dem auch gerecht zu werden. Es ist Handlungsbedarf gegeben, aber wir werden uns darum kümmern. Zeit haben wir ja“, so Hemmer. Aus derzeitiger Sicht soll Bruck Bezirkshauptstadt bleiben, das wesentlich größere Schwechat soll die BH-Außenstelle behalten.

Schwechat wünscht sich Bezirkshauptstadt

SP-Bürgermeisterin Karin Baier befürworte zwar den Reformschritt, „wir bedauern aber, dass dieser Schritt gesetzt wurde, ohne die betroffenen Gemeinden zeitgerecht zu informieren. Die Entscheidung abzusprechen, hätte Sinn gemacht, um die Akzeptanz bei den Bürgern zu erhöhen.“ Schwechat wünsche sich jedenfalls den Erhalt der BH-Außenstelle und des Gerichtsbezirks Schwechat. „Wir hoffen, dass sich die Stadt Schwechat entsprechend ihrer Größe und Wirtschaftsstärke in der neu gestalteten Bezirkshauptmannschaft örtlich und auch namentlich niederschlägt“, betont Baier. Am Montag wurden weitere Stimmen aus Schwechat laut, die meinten, dass künftig Schwechat Bezirkshauptstadt sein sollte. Auf bruck.NÖN.at können Sie dazu abstimmen: „Welche Stadt soll künftig Bezirkshauptstadt sein? Bruck oder Schwechat?“

Die größten Auswirkungen wird die Strukturreform freilich auf die Bezirksverwaltungsbehörde haben. Wie die Umsetzung konkret aussehen wird, weiß man aber auch in der Bezirkshauptmannschaft noch nicht. „Das ist eine Entscheidung der Politik, die wir so zur Kenntnis zu nehmen haben. Wir werden die rechtlichen Vorgaben natürlich erfüllen“, so Bezirkshauptmann Peter Suchanek. Für Details sei es aber noch zu früh. Als „sehr positiv“ beurteilt es etwa Johann Köck, Obmann des ÖVP-Gemeindevertreterverbands, „wenn der Bezirk größer wird. Ich gehe davon aus, dass auch die Infrastruktur dadurch gestärkt wird.“

Welche Auswirkungen die Zusammenlegung nun für den Gemeindevertreter-Verband haben wird, sei noch nicht ganz klar. „Ich nehme aber schon an, dass die neuen Gemeinden in unsere Gemeindevertreter-Verbände eingegliedert werden“, so Köck. Auch bei den anderen Verbänden werde man über eine Neuorganisation nachdenken müssen, meint Köck, seines Zeichens auch Obmann des Gemeindeverbands für Abfallbehandlung (GABL).