Erstellt am 29. Oktober 2015, 19:27

von Josef Rittler

Carnuntum: Schritte zum Weltkulturerbe. Der Leiter der Ausgrabungen in Carnuntum, Franz Humer, ist von Arbeitsgesprächen in Passau (Bayern) zurück.

Die Ausgrabungen in Carnuntum zählen zu den wichtigsten römischen Fundplätzen nördlich der Alpen. Der besondere Vorteil ist, dass ein Großteil der ehemaligen Donaumetropole später nicht überbaut worden ist. Ebenfalls einzigartig: die wissenschaftlich exakten Rekonstruktionen (im Bild das »Haus des Lucius«).  |  NOEN, Rittler

Die Stätten des römischen Donaulimes in Österreich werden sich gemeinsam mit Bayern um die Aufnahme ins Weltkulturerbe bemühen.

Schon in den 80ern wurde der Hadrianswall in Großbritannien zu Weltkulturerbe erklärt, im Jahr 2005 folgte der obergermanisch-rätische Limes und 2008 der Antoninuswall in Schottland. Alle diese archäologisch bedeutsamen Stätten sind Teil des Weltkulturerbes „Grenzanlagen des Römischen Reichs“. Der nächste Abschnitt soll nun der römische Limes in Bayern und Österreich werden.

Der Leiter der Ausgrabungen in Carnuntum, Franz Humer, war deshalb letzte Woche gemeinsam mit Stellvertreter Eduard Pollhammer nach Passau gefahren. „Wir haben mehrere intensive Arbeitssitzungen absolviert, unter anderem mit dem bayerischen Amt für Denkmalpflege und der deutschen Limeskommission“, berichtet Humer. „Im Februar wird die Republik Österreich unseren Antrag bei der UNESCO einreichen und ich bin zuversichtlich, dass wir den Status 2018 zuerkannt bekommen.“ Für den Antrag müssen die einzelnen archäologischen Stätten, in Österreich sind es 22, sechzehn davon liegen in Niederösterreich, genau beschrieben werden.

„Alles muss im Detail beschrieben werden“

Der Donaulimes unterscheide sich von den bereits als Weltkulturerbe anerkannten Abschnitten dadurch, dass es sich nicht um eine starre Grenze, sondern vielmehr um ein System von Grenzbefestigungen wie Legionslagern, Kastellen und Wachttürmen, gehandelt habe. „Diese müssen alle im Detail beschrieben werden“, so Humer.

Darüber hinaus ist auch die Entwicklungsperspektive, wie die Stätten konserviert und präsentiert werden, von Bedeutung. In Carnuntum wird bekanntlich den interessierten Besuchern vor allem mit den eindrucksvollen, originalgetreuen Rekonstruktionen ein besonderes Erlebnis geboten. Die Ausgrabungsstätte ist daher bereits mit dem Europäischen Kulturerbesiegel ausgezeichnet worden.

Aufschwung für Tourismus

„Der Status ,Weltkulturerbe‘ ist von außerordentlicher Bedeutung, was das Prestige einer Kulturstätte betrifft“, erklärt Humer. Der Tourismus in der Region werde durch die Verleihung des Titels noch einen größeren Aufschwung nehmen. Es gäbe eine bestimmte Gruppe Touristen, die nur Stätten des Weltkulturerbes besuche. „Das ist natürlich auch für die Gemeinden in der Region, namentlich Petronell-Carnuntum und Bad Deutsch Altenburg, eine große Chance.“