Erstellt am 24. September 2015, 06:47

von Otto Havelka

Die Leidenschaft der sephardischen Lieder. Timna Brauer und das Elias Meiri Ensemble begeisterten mit „Flamenco Judaico“ das Publikum in der Kulturfabrik.

Elias Meiri komponiert und improvisiert zu traditionellen »Ladino«-Liedern.  |  NOEN, Havelka

Kloster“ mussten kurzfristig Stühle ausgeborgt werden, um den anstürmenden Besuchern in der Kulturfabrik einen Platz anbieten zu können. Der Grund für den Besucherandrang: Im Rahmen der Konzertserie der Hainburger Haydngesellschaft präsentierte Timna Brauer mit dem Elias Meiri Ensemble ihr Programm „Flamenco Judaico“. – Eine Mischung aus andalusischen, hebräischen und arabischen Klangwelten, basierend auf traditionellen sephardischen Liedern, angereichert mit jazzigen Improvisationen.

Timna Brauer, Tochter des Wiener Surrealisten Arik Brauer, besticht nicht nur stimmlich (sie hat sowohl klassischen wie auch indischen und Jazz-Gesang studiert), sondern auch mit ihrer Bühnenpräsenz. Unaufdringlich, aber grazil vermittelt sie dem Publikum mit ihrer Gestik Feinfühligkeit und Leidenschaft der sephardischen Diaspora.

Ein Großteil der Arrangements und Kompositionen stammt von Brauers Ehemann, dem Israeli Elias Meiri. Der Jazz-erfahrene Pianist (er spielte zum Beispiel auch mit Dizzie Gillespie und Dave Liebmann) steuert einen Großteil der Kompositionen bei. Manche Improvisationen haben etwas Kaugummiartiges an sich, aber es gibt ja auch Kaugummis, die stundenlang nach etwas schmecken. Und das Erzählen war schon immer eine Kunst des Orients – auch musikalisch.