Erstellt am 14. Oktober 2015, 05:12

von Susanne Müller

Flüchtlinge: Netz der Helfer ist stark. Römerland Carnuntum lud die freiwilligen Helfer aus der ganzen Region zu seinem Erfahrungsaustausch ein.

Bernhard Fischer sagt Unterstützung von Römerland Carnuntum auf allen Ebenen zu.  |  NOEN, Foto: Müller

Während Bundesregierung und Europäische Union noch immer zögern, in der Flüchtlingskrise eine klare Linie einzuschlagen, haben in den Gemeinden die freiwilligen Helfer längst das Zepter in die Hand genommen. Das wurde beim Vernetzungstreffen, zu dem Römerland Carnuntum die Helfer in der Vorwoche eingeladen hatte, deutlicher denn je. Aus zahlreichen Gemeinden des Brucker und des Schwechater Bezirks waren Vertreter ins Haus Römerland Carnuntum nach Bruck gekommen, um von der Situation der Flüchtlinge in ihrer Gemeinde zu berichten. Und es zeigte sich schnell, dass ein gegenseitiger Informationsaustausch für alle Beteiligten von Nutzen sein kann.

Helga Longin machte den Anfang und stellte die bisherigen Aktivitäten von „Unser Bruck hilft“ vor. Aus der Arbeitsgruppe hat sich mittlerweile ein Verein gebildet. „Derzeit sind etwa 120 Ehrenamtliche aktiv“, erzählte Longin. Sprachkurse etwa werden hier bereits in mehreren Gruppen, sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene, angeboten.

Hilfe funktioniert dank vieler Freiwilliger

Neben den Asylwerber-Quartieren in der Ölmühle und beim Roten Kreuz gibt es nämlich mittlerweile auch drei weitere Unterkünfte, in denen insgesamt 22 Personen leben. Unterkunftgeber ist der ehemalige SP-Kulturstadtrat Norbert Payr, der dafür eine eigene Gesellschaft gegründet und einen Vertrag mit dem Land abgeschlossen hat. „Unser Konzept ist, Quartiere für möglichst kleine Gruppen anzubieten. Die Wohnungen hatten wir binnen drei Tagen eingerichtet. Wir sind noch auf der Suche nach weiteren Quartieren zum Anmieten“, so Payr. Bei den bisherigen Wohnungen habe es keine Probleme gegeben. „Bisher sind selbst die anfänglich schärfsten Kritiker binnen einer Woche mit Spenden gekommen“, so Payr.

Weniger erfreulich klangen etwa die Berichte aus Schwechat. Dort haben die Helfer derzeit 350 Personen in Betreuung, darunter auch jene im Quartier am Flughafen. „20 Prozent davon sind schulpflichtig. Der Transport nach Schwechat war nicht möglich. Derzeit findet der Unterricht vor Ort statt, das ist suboptimal“ erzählte einer der Flüchtlingskoordinatoren der Stadt Schwechat. Die Hilfe an sich funktioniere dank der vielen Freiwilligen gut. Was nach wie vor dringend benötigt werde, seien weitere Unterkünfte.

Ein absolutes Positiv-Beispiel hatte die Gemeinde Hof vorzuweisen. „Wir sind ein kleiner Ort und haben derzeit 20 Asylwerber. Es funktioniert sehr gut“, erzählte einer der Vertreter von „Willkommen am Leithaberg“. Wie viele seiner Mitstreiter sah aber auch er ein Problem, das sich wohl erst in Zukunft auftun wird: „Wer einen positiven Asylbescheid bekommt, muss sich innerhalb von vier Monaten einen Job und eine Wohnung suchen. Viele haben eine gute Ausbildung, aber niemand weiß, was er tun muss, um diese hier anerkannt zu bekommen.“

„Ich glaube, eine Internet-Plattform auf regionaler
Ebene kann ich gleich hier und jetzt zusagen.“
Bernhard Fischer, Geschäftsführer Römerland Carnuntum

Dass die Hilfe auch dann funktioniert, wenn die Unterstützung der Gemeinde fehlt, davon berichtete ein Himberger Helfer: „Himberg hilft“ zähle etwa 90 Ehrenamtliche. Und das bei derzeit 80 Asylwerbern. „Die Unterstützung der Bevölkerung ist großartig“, so Robert Sack. Kritik äußerte er daran, dass die Helfer nicht wüssten, wozu der Quartierbetreiber vertraglich verpflichtet ist. „Wir wünschen uns klare Verhältnisse“, so Sack, der darin einhellige Zustimmung aller Anwesenden erntete.

Sehr engagiert zeigten sich auch die Helfer aus Hainburg, die Deutschkurse und Freizeita-ktivitäten für bislang 40 Asylwerber mit Behinderung oder Krankheit im Ulrichsheim organisieren. „Alles hat gut funktioniert. Bis in der Vorwoche überfallsartig 70 zusätzliche Flüchtlinge einquartiert wurden“, erzählte Brunhilde Puhl. Darauf sei niemand vorbereitet gewesen, entsprechend überfordert sei nun das Personal vor Ort.

Eines der großen Themen des Abends war auch die Kommunikation der Helfer. Hierzu präsentierte Peter Windholz in groben Zügen die Homepage, die er für „Unser Bruck hilft“ gestaltet hat. Um diese allerdings für die gesamte Region nutzbar zu machen, bedürfe es technischer und finanzieller Ressourcen.

Beides sagte Römerland Carnuntum-Geschäftsführer Bernhard Fischer am Ende des Treffens kurzerhand von Seiten des Regionalentwicklungsvereins zu. Darüber hinaus bot er an, zu vermitteln, wo immer es dafür Bedarf gebe. „Sie können sich mit Problemen an uns wenden“, so Fischer. Der Regionalentwicklungsverein könne sowohl mit dem Land als auch mit den Betreiber-Firmen Kontakt aufnehmen und versuchen, Lösungen herbeizuführen. Darüber hinaus sollen auch hilfreiche Informationen und Kontaktdaten vom Verein an die Helfer verteilt werden.