Hainburg a.d. Donau

Erstellt am 15. Oktober 2016, 03:23

von Jutta Hahslinger

Beschuldigter stürmt wütend aus Gericht. Familienvater läuft nach turbulentem Gerichtsauftritt während des Prozesses einfach davon: Er wird in Abwesenheit verurteilt.

Richter Manfred Hohenecker ließ sich durch das provokante Benehmen des Beschuldigten nicht aus der Ruhe bringen.  |  NÖN

Verspätet und mit einem Kleinkind im Arm betritt der in Hainburg wohnhafte Slowake (44) den Verhandlungssaal und verkündet lautstark in Richtung seiner Verfahrenshelferin: „Sie ist nicht meine Verteidigerin. Ich will diese Frau nicht.“

Dann packt er unbeeindruckt von der Frage von Richter Manfred Hohenecker, ob er denn niemanden zur Kinderbetreuung gefunden habe, Windeln und Cremen aus.

Dafür habe er keine Zeit gehabt, kommt es unwirsch. Er habe auch keine Zeit zur Prozessvorbereitung gehabt, lamentiert er und geht auf den Vorwurf, dass er am 7. Juli dieses Jahres mit Schlägen und Tritten Polizisten an einer Amtshandlung (Klärung häuslicher Turbulenzen) hindern wollte, nicht ein. „Keine Zeit zur Vorbereitung, also auch keine Verantwortung“, erklärt er rüde und lässt das Kleinkind im Saal herumtapsen.

Kinder als Schutzschild

Der Strafrichter ruft den Beschuldigten zur Ordnung: „Bitte nehmen Sie das Kind in Ihre Obhut.“ Der Mann schnappt sich sein Kind und eilt aufgebracht aus dem Gerichtssaal, als er erfährt, dass der Prozess trotz seiner Verweigerung mit dem Beweisverfahren fortgesetzt wird.

Die Polizisten treten in den Zeugenstand und schildern: „Die Kinder schrien, er tobte und war sehr aggressiv. Er wollte uns die Treppen runterstoßen, attackierte uns und schlug wild um sich. Er ließ sich nicht beruhigen. Erschütternd, dass er sich dann hinter den Kindern versteckte und diese sogar als Schutzschild benutzte.“

In Abwesenheit wird der Slowake zu acht Monaten, davon muss er zwei hinter Gittern absitzen, verurteilt.