Erstellt am 16. Dezember 2015, 05:33

von Gerald Burggraf

Hartl: „Wie wäre es mit Energieviertel?“. Vorstoß für eine Umbenennung des Industrieviertels stößt nur bedingt auf positive Resonanz. Interesse aber vorhanden.

SP-GVV-Chef Georg Hartl kann der Diskussion etwas abgewinnen.  |  NOEN, Fotos: NÖN

Der Vorstoß des Bad Erlacher ÖVP-Nationalrates Hans Rädler aus dem Bezirk Wiener Neustadt für eine Umbenennung des Industrieviertels findet im Brucker Bezirk nur bedingt Anklang. Die Meinungen sind geteilt. Auch die NÖN-Community ist sich nicht wirklich einig: Bei der Online-Umfrage votierten 59 Prozent gegen eine Namensänderung, 41 Prozent sind dafür.

Zu den Befürwortern zählt sich Georg Hartl, SPÖ-Bürgermeister in Berg und Bezirksvorsitzender des Gemeindevertreterverbandes (GVV) der Sozialdemokraten: „Ich finde den Vorstoß nicht unbegründet. Ich kann mit der Diskussion gut leben, auch wenn es derzeit sicher nicht das Thema Nummer 1 ist.“ Wichtig sei ihm aber, dass letztendlich ein „gescheiter Name“ herauskomme. „Mir kommt da immer wieder ‚Energieviertel‘ in den Kopf. Das würde passen“, glaubt Hartl.

Sein politisches Gegenüber, der Prellenkirchner ÖVP-Ortschef und Obmann des christlichsozialen Gemeindevertreterverbandes, Johann Köck, steht der Thematik hingegen sehr kritisch gegenüber. „Ich sehe überhaupt keinen Bedarf für eine derartige Diskussion“, unterstreicht er. Das Wort „Industrie“ stehe für ihn heutzutage nicht mehr für stinkende, rauchende Schlote. „Heute haben wir eine andere Industrie, eine saubere und eine, die Arbeitsplätze schafft“, betont er. Für ihn sei Industrieviertel nicht negativ besetzt, zudem sei die Region das Römerland-Carnuntum – „das ist uns wichtig.“

Zeitpunkt für Grüne eher ungeeignet

Grünen-Bezirkssprecher Roman Kral spricht sich für eine „grundsätzliche Diskussion“ über das Thema aus. „Es gibt keine Sprech- und Denkverbote“, erläutert er. Allerdings sei der Zeitpunkt für ihn vollkommen ungeeignet. „Derzeit halte ich die Debatte für entbehrlich“, meint er. Im Vordergrund stünden mit der Flüchtlingskrise, der bevorstehenden Klimakatastrophe oder der boomenden Arbeitslosigkeit weit dringendere Themenfelder als eine Umbenennung des Industrieviertels.

Etwas mehr Verständnis bringt FPÖ-Bundesrat und Bezirksparteichef Werner Herbert auf. „Man kann sich natürlich Gedanken über eine neue Namensgebung machen. Allerdings gab es da schon in der Vergangenheit einige Vorstöße, geworden ist daraus nie etwas“, erläutert er. Aus Herberts Sicht scheitert es damals wie heute an der Vielfältigkeit des Viertels: „Was bei uns identitätsbildend ist, interessiert in Wiener Neustadt niemanden.“ Er findet die Diskussion zwar nicht schlecht, zweifelt jedoch massiv an der Umsetzung.