Bruck an der Leitha

Erstellt am 10. August 2016, 05:13

von Susanne Müller

Martinskirche: Streit um Standort eskaliert. Die Reste des ältesten Gebäudes sollen öffentlich zugänglich gemacht werden. Nur wo, darüber scheiden sich die Geister.

Der Stich von Salomon Kleiner zeigt die Martinskirche mit Friedhof um 1740. Dahinter der Blick in die Altstadt mit Mariensäule und dem ehemaligen Fischer-Bräu.  |  NOEN, Archiv digifoto helmreich

Die Ausgrabungen am Nova-Gelände in der Lagerstraße haben wie berichtet erstaunlich gut erhaltene Reste der Martinskirche zum Vorschein gebracht. Nachdem ein erster Vorschlag von Museumsvereins-Obmann Kurt Helmreich, die Relikte im Stadtgraben für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, auf Ablehnung der Gemeindeführung gestoßen war, sorgte der Vorstoß der Gemeinde für einen Standort im Bruckmühlpark nun für heftige Diskussionen. Die Debatten fanden zum Teil auf Facebook und in einem regen Schriftwechsel der Beteiligten per E-Mail ihren Niederschlag.

„Ich war ziemlich sauer“, kommentierte Helmreich im Gespräch mit der NÖN seine eigenen Beiträge zum Standort-Streit. „Wenn man ohne nähere Information und ohne Fachleute einzubinden eine Idee gleich abwürgt und eine Entscheidung trifft, sehe ich das nicht ein. Deshalb habe ich mich aus dem Projekt zurückgezogen. Der Ball liegt jetzt beim Bürgermeister“, so Helmreich, der betont, dass er die Debatten nicht „weiter anheizen“ wolle. 

Ich habe mich aus dem Projekt zurückgezogen. Der Ball liegt jetzt beim Bürgermeister.“

Kurt Helmreich, Obmann des Museumsvereins

SP-Bürgermeister Richard Hemmer betont hingegen, dass man sehr wohl für Vorschläge offen sei. Man wolle das Projekt auch weiterverfolgen. Und: „Ohne Bundesdenkmalamt geht natürlich gar nichts“, betont Hemmer. In Richtung Helmreich meint er aber: „Wenn er vernünftig mit uns das Gespräch gesucht hätte, wäre die Sache anders gelaufen. Aber stattdessen ist er gleich an die Medien gegangen und hat seinen Vorschlag auf Facebook gepusht“, so Hemmer, der nun auf einen neuen Vorschlag vom ehemaligen Obmann des Museumsvereins, Wolfgang Gruber, verweist.

Dieser hatte am Montag angeregt, über die Wiesenfläche im Bereich Mühlgasse als möglichen Standort für die Martinskirche nachzudenken. Das Areal sei ungenutzt, „bietet aber wie der Stadtgraben eine gute Sicht vom erhöhten Standort des Brückengehsteiges“, so Gruber. Ein Vorschlag, dem man laut Hemmer nun ebenfalls nachgehen werde. Bei ÖVP und Grünen tritt man indes ebenfalls für eine Beruhigung der Gemüter ein. VP-Sprecher Alex Petznek würde „grundsätzlich gerne eine Projektierung sehen“, in der Kosten, Sicht des Denkmalamts und Standortfrage erörtert werden. Er plädiert dafür, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und die Angelegenheit in aller Sachlichkeit zu diskutieren.

Bruckmühlpark als Favoriten

Und Grüne-Sprecher Roman Kral betont: „Wir könnten auch eine Diskussion führen, ob die Relikte überhaupt an einen neuen Standort müssen. Vielleicht könnte man auch das Bauvorhaben adaptieren. Es ist schade, dass durch das vergiftete Klima jetzt all diese Diskussionen nicht mehr möglich und alle nur noch auf Konfrontationskurs sind“, so Kral.

Das Online-Voting auf NÖN.at, bei dem auch Mehrfachabstimmungen möglich waren, brachte jedenfalls den Bruckmühlpark als Favoriten hervor. 55,9 Prozent der Teilnehmer votierten auf die Frage „Welcher Ort wäre für die Martinskirche ideal?“ für den vom Bürgermeister vorgeschlagenen Park. Für den Stadtgraben sprachen sich 29,9 Prozent aus. 14,3 Prozent wären für einen anderen Ort.