Erstellt am 09. März 2016, 05:59

von Josef Rittler

Kein Nachfolger für Hainburgs Kinderarzt. Facharzt Christoph Proksch geht mit Ende März in Pension. Interessenten für den Kassenvertrag derzeit nicht in Sicht.

Hainburg als Standort eines Landesklinikums (im Bild) wird mit Anfang April keinen eigenen Kinderarzt mehr haben.  |  NOEN, Rittler

Einmal im Quartal finden die Vorstellungstermine der Bewerber für Kassenplanstellen statt, so auch Mitte März. Die Vertreter von NÖ Ärztekammer und Gebietskrankenkasse können sich diesmal aber auf einen kurzen Termin einstellen.

„Für vierzehn Kassenverträge gab es nicht einen einzigen Interessenten. Vorausgesetzt keiner der Bewerber springt noch ab, könnten damit gerade einmal elf von 25 Arztstellen mit Kassenvertrag neu besetzt werden“, zeigt sich der Präsident der NÖ Ärztekammer, Christoph Reisner, besorgt.

Geringes Interesse stimmt nachdenklich

Besonders Kassenstellen für Psychiatrie und Kinder- und Jugendheilkunde seien laut dem Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte und Vizepräsident der NÖ Ärztekammer, Dietmar Baumgartner, schwer nachzubesetzen. Als Kinderarzt mit Kassenvertrag stimmt ihn das geringe Interesse an den Kinderarztstellen nachdenklich: „In Hainburg und Groß-Enzersdorf werden mit 1. April beide Kinderarztstellen unbesetzt sein. Gerade wenn unsere jüngsten Patienten krank sind, ist es besonders mühsam, lange Wege in Kauf zu nehmen, um eine fachärztliche Behandlung zu erhalten“, so Baumgartner zur APA.

Der Hainburger Kinderarzt Christoph Proksch wird mit Ende März in den Ruhestand treten. Er praktiziert seit August 1987 in Hainburg und untersucht und behandelt auch neugeborene Kinder im Landesklinikum. „Es würde mich sehr freuen, wenn sich jemand findet“, so Proksch, der immer schon Kinderarzt werden wollte.

Problem sei gesamtösterreichisches Phänomen

Das Problem sei aber nicht der spezifische Standort in Hainburg oder in der Region, es handle sich vielmehr um ein gesamtösterreichisches Phänomen. Dass die jungen Kollegen nicht mehr gerne aufs Land gehen wollen, sei eine Ernte, die vor Jahrzehnten gelegt worden sei. „Ich konnte mir in Österreich noch aussuchen, wohin ich gehen wollte, ein Neffe von mir konnte das nicht mehr – er ist jetzt Oberarzt in Deutschland“, berichtet Proksch.

Das Landesklinikum Hainburg verfügt über keine eigene Abteilung für Kinderheilkunde. Die Neugeborenen werden daher von externen Ärzten untersucht und behandelt. Dass die Kassenstelle in Hainburg nicht nachbesetzt wird, sei für das Klinikum aber von untergeordneter Bedeutung. „Wir setzen schon seit Längerem auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Klinikum in Mistelbach, dessen Spezialisten regelmäßig bei uns tätig sind“, so der kaufmännische Direktor Wolfgang Palatinus.

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