Erstellt am 03. Februar 2016, 05:58

von Susanne Müller

ÖBB reagiert auf Proteste. Seit der Inbetriebnahme des Hauptbahnhofs ist der Unmut bei vielen Bahnfahrern groß. ÖBB versprechen Nachbesserungen, die ab Mitte Februar greifen sollen.

 |  NOEN, GLEISS

Die Umstellung auf den neuen ÖBB-Fahrplan wurde wie immer Mitte Dezember vollzogen. Dieses Mal handelte es sich aber nicht nur um jährliche Anpassungen, mit dem neuen Hauptbahnhof kam auch eine der größten Fahrplanänderungen, die es jemals gegeben hat.

Bei den Pendlern hatte sich zum Teil schon vorab der Unmut geregt. Fast zwei Monate später ist noch immer keine Ruhe eingekehrt.

„Die letzte Fahrplanänderung hat es aber in sich“

„Ich habe auch schon einige Fahrplanänderungen in den letzten Jahren mitgemacht“, schildert etwa der Brucker Anton Chmelar der NÖN. Immerhin pendle er seit vielen Jahren von Bruck nach Wien. Doch: „Die letzte Fahrplanänderung hat es aber in sich“, beklagt Chmelar vor allem massiv überfüllte Züge auf der Strecke zwischen Bruck und Wien.

Und das sei auch kein Wunder. In den Spitzenzeiten zwischen 16.30 und 17.30 Uhr seien früher von Wien nach Bruck fünf REX- und zwei S60-Züge unterwegs gewesen. „Mit dem neuen Fahrplan sind es jetzt nur noch zwei REX und zwei S60. Die Zuggarnituren sind so voll, dass man Mühe hat, einen sicheren Stehplatz zu finden“, so Chmelar.

Ähnlich dramatisch sei es am Freitagnachmittag am Heimweg. Hier werde eine Einfachgarnitur eingesetzt. „Wenn ich in der Grillgasse einsteigen möchte, habe ich Probleme, überhaupt in den Zug zu kommen“, beklagt der Pendler. Nach 16 Uhr würden dort auch weniger Züge als bisher halten. „Ich zahle immerhin eine Jahreskarte und habe wohl ein Anrecht auf eine menschenwürdige Beförderung und nicht, dass die Fahrgäste in übervolle Züge hineingepfercht werden“, so Chmelar.

Vermehrte Verspätungen

Bekrittelt werden außerdem vermehrte Verspätungen. Darüber hinaus bringe „die neue Drehscheibe Hauptbahnhof“ auch bei der weiteren Anbindung in Wien Probleme mit sich. Die U1 sei als einzige U-Bahn-Anbindung zu Stoßzeiten hoffnungslos überlastet.

ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif relativiert auf Anfrage der NÖN: „Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2015 haben die ÖBB eine der größten Systemumstellungen im Personenverkehr durchgeführt.“ Mit Hochdruck sei bis zuletzt an allen Details gefeilt worden.

Verbesserungen sollen umgesetzt werden

Alle Neuerungen seien „in enger Abstimmung mit dem Verkehrsverbund Ostregion unter dem Gesichtspunkt des größtmöglichen Nutzens für unsere Fahrgäste erarbeitet“ worden. Für die große Mehrheit der Fahrgäste bringe der neue Fahrplan eine merkbare Verbesserung. „Für manche Berufspendler bringt der neue Fahrplan aber zweifellos auch unangenehme Veränderungen mit sich, die ein Abweichen vom bisher gewohnten Rhythmus notwendig machen“, weiß Seif.

Alle Beschwerden würden derzeit geprüft. „Soweit es machbar ist, werden Verbesserungen in Abstimmung mit dem Verkehrsverbund Ostregion umgesetzt“, verspricht Seif. Bereits ab 8. Februar 2016 soll eine Reihe von entsprechenden Maßnahmen umgesetzt werden.

Im Dezember und Jänner hätten eine Reihe von technischen Gebrechen zusätzliche Probleme verursacht. „Auf der S7 war geplant, die Züge doppelt zu führen“, so Seif. Wegen Reparaturarbeiten sei es aber teils zu „Engpässen bei der Sitzplatzkapazität und zu sehr vollen Zügen“ gekommen. Auch die Pünktlichkeit habe darunter gelitten. Man habe mit Hochdruck an der Behebung gearbeitet. Ab Mitte Februar soll demnach auch hier eine deutliche Verbesserung merkbar werden.