Erstellt am 25. Mai 2016, 05:14

von Gerald Burggraf, Susanne Müller und Otto Havelka

„Jetzt gilt: Hand ausstrecken“. Mehr Anspannung als Partystimmung am Wahlabend. Nach dem Endergebnis am Montag erste versöhnliche Töne.

Die Grünen im Schwechater Parteilokal feierten bereits nach der zweiten Wahlprognose am Sonntagabend »ihren« Kandidaten, Alexander Van der Bellen.  |  NOEN, Foto: privat

Am Sonntagabend lag sowohl im Bezirk Bruck als auch im Teilbezirk Schwechat ein vorläufiges Ergebnis vor, das nicht erahnen ließ, dass das Rennen auf Bundesebene dermaßen knapp verlief. In der Region hatte nämlich der FP-Kandidat Norbert Hofer deutlich die Nase vorne.

Von wirklicher Feierstimmung war am Wahlabend aber weder bei den Van der Bellen-Unterstützern noch bei den Freiheitlichen etwas zu spüren. Zu groß war die Ungewissheit, zu groß die Anspannung, die das Warten auf die Wahlkarten-Ergebnisse mit sich brachte.

„Politische Botschaften werden im urbanen
Bereich anders aufgenommen als am Land.“
FP-Bezirksobmann Werner Herbert 

Der Brucker FP-Bezirksobmann Werner Herbert ahnte offensichtlich schon bei der dennoch obligaten Wahlfeier in der Stadthalle, dass Hofer den Kürzeren ziehen könnte. „Gewonnen ist noch nichts“, kommentierte er das Wahlergebnis am Sonntagabend. Zwar sei es in jedem Fall ein großer Erfolg, dass ein FP-Kandidat bei der Präsidentenwahl bis zum Schluss im Rennen sei, und auch mit rund 60 Prozent der Stimmen im Bezirk für Hofer sei er „sehr zufrieden“.

Dennoch hatte er schon die nächste Aufgabe für Wahlstrategen parat: „Für künftige Wahlkämpfe wird man sich was einfallen lassen müssen. Politische Botschaften werden im urbanen Bereich anders aufgenommen als am Land.“

Bei Brucks Bezirkssprecher der Grünen, Roman Kral, überwog am Sonntag noch die Spannung. „Ich war so gespannt, wie noch nie, dabei bin ich schon seit über 30 Jahren bei irgendwelchen Wahlkämpfen im Einsatz. Am Sonntag konnte ich nicht einmal auf die Wahlparty fahren, weil die Ungewissheit einfach zu groß war.“
Umso größer war freilich am Montag der Jubel, als endlich das Wahlergebnis feststand, das Alexander Van der Bellen knapp mit 50,3 Prozent als Sieger ausweist: „Ich freue mich über jede Stimme und möchte mich besonders für die breite Unterstützung in der Region bedanken“, so Kral, für den das „Commitment quer durch alle Lager zuletzt das schönste Zeichen war“.

Entstandene Gräben schließen

Die Botschaft, die jetzt wichtig sei: „Jetzt gilt: Ruhig Blut und die Hand ausstrecken. Ich bin überzeugt davon, dass Van der Bellen hält, was er versprochen hat: Er wird ein Präsident, der verbindet“, so Kral angesichts der Tatsache, dass der Wahlkampf polarisiert hatte, wie selten einer zuvor.

Seine Schwechater Amtskollegin Brigitte Krenn ist ebenfalls überzeugt, dass der neue Bundespräsident es schaffen wird, entstandene Gräben zu schließen. Dass es derart knapp werden würde, hatte die Vizebürgermeisterin der Braustadt bereits Sonntagmittag vermutet. In ihrer Heimatgemeinde Schwechat konnte sich Van der Bellen nur in drei Sprengeln durchsetzen, gesamt gesehen lag Hofer klar vorne. Genauso wie im Teilbezirk. „Das müssen wir uns anschauen. Ich habe auch immer wieder das Gefühl, dass den Menschen Informationen darüber fehlen, wie Politik funktioniert“, erläutert Krenn.

Im Gegensatz zu den Grünen kann Schwechats FP-Bezirksparteiobmann Wolfgang Zistler mit dem Ergebnis im Teilbezirk gut leben. „In allen Gemeinden außer Leopoldsdorf war der blaue Kandidat Norbert Hofer teilweise deutlich vorne. Alles in allem zeigt diese Wahl, wohin der Trend in Zukunft gehen wird“, bilanziert er. Aus seiner Sicht hätten viele Österreicher es satt den Gefahren von rot/grünen Träumereien ausgesetzt zu werden. Grundsätzlich glaubt Zistler auch nicht an Wahlmanipulationen, wie sie von FP-Seite bereits geäußert wurden. „Dieses Wahlergebnis ist so zu akzeptieren“, unterstreicht er.