Erstellt am 02. April 2016, 13:24

von Jutta Hahslinger

Todeslenker schweigt nach dem Geständnis. 30-Jähriger gibt zu, die Liebe seines Lebens getötet zu haben. Wie es im Detail dazu gekommen ist, darüber will er aber nicht reden.

 |  NOEN, NÖN

Es lässt sich nur erahnen, was im Innersten des Todeslenkers Emanuel S. vor sich geht. Beim Prozess gewährt der 30-Jährige keinen Einblick in seinen Gefühlszustand, nachdem er Mordermittlungen und Untersuchungshaft durchlebt hatte.

Sichtlich angespannt, aber emotionslos bekennt er sich der fahrlässigen Tötung seiner Lebensgefährtin Stephanie S. (32) schuldig, dann sagt er nichts mehr. Er nimmt das Recht zu schweigen in Anspruch. Damit kommen Fragen zum Sachverhalt, etwa warum die Lebensgefährtin das Fest verließ oder warum sie auf dem Feldweg lag, erst gar nicht auf. Die Hintergründe bleiben im Dunkeln.

Die Verteidigerstrategie von Rudolf Mayer – nur den Unfall zur Sprache zu bringen – geht auf: Flott und sachlich geht es zu jenem tragischen Augenblick am 5. Juli vergangenen Jahres, als der 30-Jährige das Dorffest in Wolfsthal verlassen, sich mit rund zwei Promille im Blut auf die Heimfahrt gemacht und auf dem Zufahrtsweg des damals gemeinsam bewohnten Hauses seine Lebensgefährtin überfahren und ganze 23 Meter weit mitgeschleift hat. Die 32-Jährige erlitt ein Bauchtrauma sowie Verletzungen am Rumpf und an der Wirbelsäule. Sie starb nach Einblutungen in den Herzbeutel an einem Herz- und Kreislaufversagen.

Gutachter: „Angeklagter war zurechnungsfähig“

Die Sachverständigen kommen zu Wort. Mit stoischem Gesichtsausdruck vernimmt S., dass seine Alkoholisierung nicht als Vollrausch, sondern als mittelschwer eingestuft und er zum Tatzeitpunkt für zurechnungsfähig befunden wird.

Er habe als „Promillelenker“ einfach zu spät und falsch reagiert, bringt es Anklägerin Elisabeth Böhm-Gratzl auf den Punkt. Sie wertet zwar die Schuldeinsicht und Unbescholtenheit von S. als mildernd, sie verweist auch auf die Umstände des tödlichen Unfalls – die ebenfalls alkoholisierte Frau lag auf dem Weg, wo durch die Sonneneinstrahlung Licht und Schatten wechselten und die Sichtverhältnisse erschwerten –, die Anklägerin merkt aber kritisch an, dass sie noch kein Wort des Bedauerns vom Beschuldigten vernommen habe und kein reumütiges Geständnis sehe.

S. findet schließlich doch noch einige Worte: „Ich hätte auf sie aufpassen müssen. Es ist meine Schuld und ich nehme die Strafe auf mich.“ Er akzeptiert sofort die teilbedingte Freiheitsstrafe wegen grob fahrlässiger Tötung: Zwölf Monate, davon muss er drei Monate hinter Gittern absitzen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig – die Anklägerin überlegt noch, ob die Strafe ausreichend ist.