Erstellt am 24. Dezember 2015, 05:33

von Josef Kleinrath und Gerald Burggraf

Tourismus setzt auf Namen „Römerland“. Das Interesse bei Experten hält sich in Grenzen. Mehr Gäste würde die neue Bezeichnung wohl nicht bringen.

Römerland-Geschäftsführer Bernhard Fischer hält einen neuen Bezirksnamen für wichtiger.  |  NOEN, NÖN

Gegen eine Umbenennung des Industrieviertels hätte die Tourismuswirtschaft prinzipiell nichts einzuwenden. Das räumt auch Christoph Madl, Geschäftsführer der NÖ Werbung, auf den Vorstoß des ÖVP-Nationalratsabgeordneten Hans Rädler ein.

Aber er stellt eines klar: „Urlaub im Industrieviertel, damit wirbt ja niemand.“ Deshalb greife das Tourismusargument von Rädler zu kurz. Vielmehr würden ja unter den Destinationen wie Wiener Alpen, Wienerwald oder Donau Niederösterreich auch die Regionsbezeichnungen wie Bucklige Welt, Wechselland, Triestingtal, Thermenregion oder Römerland-Carnuntum mitgenommen.

„Für Tourismus zählt nur Römerland-Carnuntum.“

Dieser Ansicht ist auch Margit Neubauer von Donau NÖ. „Wir haben unsere touristische Vermarktung mit Donau NÖ sowie der Region Römerland Carnuntum-Marchfeld gefunden“, unterstreicht sie. Noch klarer formuliert es Bernhard Fischer, Geschäftsführer von Römerland-Carnuntum: „Für den Tourismus zählt bei uns eh nur das Römerland-Carnuntum.“ Die Vierteln sind für ihn organisatorische Einheiten. „Herzblut“ wolle er nicht in die Diskussion legen. „Für uns zählt es mehr, Römerland-Carnuntum als Bezirksbezeichnung umzusetzen“, spielt er auf die Zusammenlegung der Bezirke Bruck und Schwechat an.

Für eine authentischere Bezeichnung tritt Franz Schodritz, Obmann des Tourismusverbandes Römerland Carnuntum-Marchfeld, ein. „Industrie ist nicht positiv besetzt, außerdem ist die Viertelsbezeichnung mit unserer Region schon lange nicht mehr ident“, erläutert er. Grundsätzlich könne er mit der Diskussion als Touristiker aber nicht viel anfangen.

"Industrieviertel": keine Relevanz

Ebenfalls bedingt interessiert zeigt sich Robert Payr, Präsident der Rubin Carnuntum Weingüter: „Das Wort ‚Industrieviertel‘ nutzt ja niemand, es hat keine Relevanz.“ Die Überlegungen einer Umbenennung hält er demnach für unnötig, „da ist wohl die Fantasie mit einigen Bezirkspolitikern durchgegangen“. Man dürfe nicht vergessen, welche Kosten eine derartige Aktion bedeute. „Da muss alles geändert werden“, so Payr.

Anderer Meinung ist Wolfgang Patzschke, Direktor des Kurzentrums Ludwigstorff in Bad Deutsch Altenburg. Er würde sich über ein „Thermenviertel“ freuen. „Das wäre sinnvoll und für unsere touristische Region schön und passend. Der Vorschlag ist weiter zu verfolgen, aber man wird sehen, ob es sich so einfach realisieren lässt“, zweifelt er an der Umsetzung.

Kein Verständnis für den Vorschlag eines neuen Viertelnamens hat Karl-Heinz Aschbacher, Obmann des Naturparkvereins Wüste: „Neben der Industrie lebt der Tourismus, man sollte alles so belassen.“