Erstellt am 11. Januar 2012, 00:00

US-Archäologen zählen Carnuntum zu den Top 10. ARCHÄOLOGIEPARK / Die Entdeckung der Gladiatorenschule im letzten Jahr erfährt auch international große Anerkennung.

Die Gladaitorenschule in der Rekonstruktion.7REASONS  |  NOEN
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VON JOSEF RITTLER

PETRONELL / Was haben eines der ältesten Gebäude der Welt in Jordanien, das prunkvoll ausgestattete Grab einer Mayafürstin in Guatemala, eine Schiffsbestattung der Wikinger in Schottland und die in Carnuntum entdeckte Gladiatorenschule gemeinsam?

Alle vier wurden vom „Archäologischen Institut von Amerika“ zu den zehn bedeutendsten Entdeckungen des letzten Jahres gerechnet. Einem internationalen Team vom Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie („LBI-ArchPro“ ) war es durch den Einsatz modernster Bodenradargeräte gelungen, die Reste einer in ihrer Vollständigkeit und Größe einzigartigen Gladiatorenschule aufzuspüren.

„Was einst eine pulsierende Metropole mit 50.000 Einwohnern war, ist heute ein immenser Archäologiepark. Die Gladiatorenschule ist die viertgrößte der antiken Welt, die bisher gefunden wurde“, so der Bericht des Instituts. Was den Amerikanern noch positiv auffiel, ist der Umstand, dass der mächtige Gebäudekomplex anhand digitaler Rekonstruktionen jetzt schon im Computer quasi „besichtigt“ werden kann, bevor noch die Archäologen den Spaten angesetzt haben.

Im Frühjahr 2012 soll  weiter geforscht werden

„Die Aufnahme in die Liste der ,Top Ten‘ zeigt einmal mehr die Bedeutung, die Carnuntum über den Lauf mehrerer Jahrhunderte im römischen Imperium besaß“, erläutert der wissenschaftliche Leiter des Freilichtmuseums, Mag. Franz Humer. „Nicht ohne Grund haben wir für Carnuntum die Bezeichnung ,wiedergeborene Stadt der Kaiser‘ gewählt. Entsprechend groß ist der Gebäudekomplex dimensioniert: Ohne Gräberfeld erstreckt er sich über mehr als 12.000 Quadratmeter.“

Nachdem im Herbst bereits weitere geoelektrische Messungen vorgenommen worden waren, soll im Frühjahr eine archäologische Begehung des Geländes (der englische Fachausdruck lautet „survey“) neue Erkenntnisse bringen.