Erstellt am 27. November 2015, 05:58

von Otto Havelka

Warum Menschen fliehen. Der junge Fotograf Hakeem gab in einer Fotoausstellung und Filmpräsentation tiefe Einblicke in das Leben in Syrien vor und während des Krieges und in seine Flucht.

Auf der Flucht: Erschöpfung auf dem Weg ins Ungewisse.  |  NOEN, Hakeem

Hakeem ist einer von rund 110 Asylwerbern, die seit ein paar Monaten in Bruck leben. Im Rahmen einer Fotoausstellung und Filmpräsentation, die am vergangenen Donnerstag in der Erbsenfabrik stattfand, gab der junge Flüchtling tiefe Einblicke in das Leben in Syrien vor und während des Krieges und in seine Flucht, die ihn nach Bruck führte.

„Letters from Al Yarmouk“ lautet der Titel des knapp einstündigen Films, an dem auch Hakeem mit ein paar Freunden mitwirkte. Ein paar junge Fotografen schicken Fotos und Videoclips aus dem „inoffiziellen“ Flüchtlingslager Yarmouk Camp in Syrien an die „Außenwelt“, um auf die dramatischen sozialen Probleme im Camp aufmerksam zu machen.

Der Film, der zur Gänze aus authentischen Aufnahmen besteht und ohne Schauspieler auskommt, zeichnet ein unpathetisches und umso erschütternderes Bild vom Leben im Camp und schafft damit ein neues Bewusstsein über die Hintergründe der Flüchtlingswelle.

Fotoausstellung dokumentiert Leben

Yarmouk Camp ist ein 2,11 km2 großes Gebiet in Damaskus, in dem palästinensische Flüchtlinge und Syrer leben. Nach Beginn der syrischen Revolution wurde das Camp Ort intensiver Kämpfe und schließlich von der Versorgung abgeschnitten. Das Resultat waren Hunger, Krankheiten und eine hohe Sterblichkeitsrate. 2002 lebten ungefähr 150.000 Menschen im Camp, Ende 2014 sank die Einwohnerzahl auf 20.000.
„Letters from Al Yarmouk“ wurde auf internationalen Festivals in Dubai, Kairo, Berlin, Oslo, Malmö und kürzlich anlässlich eines UNO-Meetings in Genf gezeigt.

Einige Freunde Hakeems sind mittlerweile tot oder inhaftiert. Ihm gelang es, zu fliehen. In der begleitenden Fotoausstellung dokumentiert er sein Leben in Yarmouk und die Flucht.

Vor unerwartet viel und tief beeindrucktem Publikum bekannten sich die SP-Bürgermeister Gerhard Dreiszker (Bruckneudorf) und Richard Hemmer (Bruck) gegenüber den Asylwerbern zur Flüchtlingshilfe: „Ihr seid unsere Freunde“, so Hemmer. Hakeem, der die Besucher in einwandfreiem Deutsch begrüßte, hofft nun, dass die vom Verein „Unser Bruck hilft“ unterstützte Ausstellung „auch in anderen Städten gezeigt werden kann“.