Wasenbruck

Erstellt am 19. August 2016, 02:42

von Nicole Frisch

Asylquartier lässt die Wogen hochgehen. In einem Wohnhaus könnten bis zu 20 Flüchtlinge untergebracht werden. Bürgermeister David lehnt Gespräche mit den Betreibern ab.

Rund 200 Wasenbrucker versammelten sich vergangene Woche vor dem Wohnhaus, in dem Flüchtlinge untergebracht werden sollen, um ihre Unzufriedenheit auszudrücken.  |  noen, Nicole Frisch

Fakten zur geplanten Flüchtlingsunterkunft in einem Wohnhaus in der Hauptstraße sind kaum bekannt. Niemand kann genau sagen, wie viele Flüchtlinge wann kommen – von 20 Personen war in einer E-Mail an die Gemeinde die Rede.

Für die Wasenbrucker steht allerdings jetzt schon fest: „Die Flüchtlinge würden unsere Multi-Kulti-Gesellschaft zerstören“, betont Wasenbrucks VP-Obmann Günther Eschler. Rund 34 Prozent der Bewohner des 766-Seelen-Dorfs haben Migrationshintergrund.

„Kein Mensch in Wasenbruck will Flüchtlinge"

Für die Stadtgemeinde ist das Grund genug, keine Flüchtlinge aufnehmen zu wollen. SP-Stadtchef Gerhard David hat daher ein Schreiben an Landeshauptmann Erwin Pröll gerichtet. „Ich möchte Sie daher eindringlich ersuchen, für Wasenbruck keine Zuteilung von AsylantInnen (...) zu genehmigen und hoffe auf Ihre Unterstützung“, heißt es darin. Das Schreiben wurde von Vertretern aller Fraktionen unterschrieben, nur Johann Kopf, LIM-Obmann, weigerte sich.

Aus dem von David auf Facebook veröffentlichten Mail-Verkehr zwischen ihm und Asylcare Höllinger&Riegler, jener Firma, die das Quartier betreiben wird, geht hervor, dass Asylcare bereits am 18. Juli Kontakt mit der Gemeinde aufgenommen und um ein Gespräch gebeten hat. „Kein Mensch in Wasenbruck will Flüchtlinge. Das habe ich sofort gesagt. Dafür brauche ich kein persönliches Gespräch“, unterstreicht David.


LIM wirft David vor, nicht reagiert zu haben.

Die Fraktionschefs wurden darüber erst Anfang August informiert. Von Kopf wird dieses Vorgehen stark kritisiert. „Wir werfen David nicht vor, dass er zu spät reagiert hat, sondern dass er gar nicht reagiert hat oder zumindest nicht adäquat“, betont Kopf.

Wenig begeistert von der Vorgehensweise des Bürgermeisters ist auch VP-Obfrau Katharina Neuhauser-Welker. Sie hat sich zunächst auch geweigert, den Brief zu unterschreiben. „Ich bin der Meinung, dass jeder Asylwerber unterstützt werden muss. Ich habe aber mit den Wasenbruckern gesprochen und die haben Angst. Daher habe ich doch unterschrieben“, so Neuhauser-Welker.

Asylcare-Chef Thomas Riegler zeigt sich nach wie vor zu „konstruktiven Gesprächen“ bereit. Nähere Auskunft will er aber nicht geben. Auch vonseiten des Landes war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten.

Schule liegt in der Nähe

Während im Stadtamt in Mannersdorf Briefe geschrieben werden, gehen die Wasenbrucker auf die Straße. Gegenüber dem Wohnhaus haben sich vergangene Woche an die 200 Personen versammelt, um ihre Ablehnung offen zu zeigen. „Im Umkreis von 50 Metern befinden sich Greißler, Wirtshaus, Kindergarten und das Veranstaltungszentrum. Und genau dahinein wollen sie die Flüchtlinge setzen“, beschwert sich VP-Obmann Eschler.

David erhofft sich eine Antwort des Landeshauptmanns. „Die Politik kann uns schon helfen, wenn sie will“, hält er fest. Neuhauser-Welker zeigt sich realistischer: „Da es ein privater Quartiergeber ist, gibt es rechtlich keine Möglichkeiten. Der Brief macht darauf aufmerksam, dass es Sorgen gibt.“