Erstellt am 19. April 2016, 16:16

24-Jährige aus Scheibbs berichtet aus Katastrophengebiet. Katharina Hofmarcher aus Wolfpassing berichtet, wie sie das Erdbeben „hautnah“ miterlebte.

Katharina Hofmarcher  |  NOEN, VOLONTARIAT bewegt
Zwei österreichische Volontärinnen, die  24-jährige Katharina Hofmarcher aus Wolfpassing/Scheibbs und die 19-jährige Michaela Meindl aus Graz befinden sich momentan über „VOLONTARIAT bewegt“ – einer Initiative von Jugend Eine Welt und der Salesianer Don Boscos - auf Auslandseinsatz in Ecuador. Als am Samstag die Erde bebte, waren sie mitten im Katastrophengebiet – beide blieben glücklicherweise unverletzt.

Katharina und Michaela sind in einem Don Bosco Hilfsprojekt für benachteiligte Kinder in Ambato im Einsatz – in einer Region, die vom Erdbeben nicht betroffen war. Doch am vergangenen Wochenende waren sie in das kleine Dorf Canoa an der Küste gefahren und gerieten mitten ins Erdbeben.

Hier ein Bericht von Katharina Hofmarcher

„Zuallererst: Uns geht es gut. Wir sind Montag Abend wieder wohlbehalten in unserem Don Bosco Projekt in Ambato angekommen. Gemeinsam mit Michaela aus Graz und Kateh, einer Volontärin aus den Niederlanden, war ich am Freitag in das Küstendorf Canoa gefahren, um dort ein entspanntes Wochenende am Meer zu verbringen. Am Samstagabend saßen wir gerade gemütlich am Strand und genossen den Sonnenuntergang, als das Erdbeben begann.

Am Anfang kannten wir uns überhaupt nicht aus. Alles schaukelte wie auf einem Schiff bei rauem Seegang. Erst als das erste – stärkste - Beben vorbei war, bemerkten wir, dass Häuser eingestürzt und Strommäste umgefallen waren und dass sich teilweise riesige Risse in der Straße aufgetan hatten. Alle Menschen flüchteten aus dem Dorf, um sich auf den umliegenden Hügeln vor einem möglichen Tsunami in Sicherheit zu bringen.

So auch wir – und natürlich genauso wie wir waren: ohne Schuhe und im Strandoutfit, ich in Bikini und Sommerkleid. Wir waren die meiste Zeit mit einer Gruppe deutscher VolontärInnen unterwegs, die uns sogar Schuhe borgten. Die Nacht verbrachten wir auf einer Anhöhe, von der aus man das Dorf sehen konnte. Ein Haus hatte Feuer gefangen und es gab immer wieder kleinere schwache Nachbeben.

Gemeinschaft war schön

Die Gemeinschaft auf dem Hügel war trotz der angespannten Stimmung wirklich schön: Es wurden Lagerfeuer gemacht, ein Unterschlupf für die Kinder gebaut als es zu regnen begann, die Leute teilten mit uns ihre Jacken, Decken und ihr Wasser und ein Mann ging mit einer Packung Süßigkeiten durch und bot sie jedem an.

Die Nacht dauerte ewig, denn so wirklich schlafen konnten wir nicht. Der Tsunami blieb aber zum Glück aus und so konnten wir am nächsten Morgen unsere Sachen aus dem Hostel holen, das glücklicherweise nicht beschädigt worden war. Bei Tageslicht sahen wir erst, wie viele Häuser in Canoa eingestürzt waren. So viele Familien hatten ihr gesamtes Hab und Gut verloren und teilweise auch ihre Familienmitglieder.

Am Sonntagvormittag gelang es uns, mit dem Bus ins zwei Kilometer entfernte Tosagua zu gelangen, wo es aufgrund des Erdbebens keinen Strom und kein fließendes Wasser gab und wo wir eine Nacht im Hotel verbringen mussten, denn alle Straßen in die Sierra (Hochebene) waren gesperrt. Am nächsten Tag ging es mit einigen Verzögerungen weiter und am Montag Abend kamen wir wohlbehalten in Ambato an. Dort hatte man das Erdbeben zwar gespürt, aber die Stadt war glücklicherweise unversehrt geblieben.“