Erstellt am 06. Oktober 2015, 13:26

von Karin Maria Heigl

370 Flüchtlinge nächtigten in Transitquartier. In der Nacht von Montag auf Dienstag waren 370 Flüchtlinge im Transitquartier in den Wieselburger Messhallen untergebracht - darunter auch wieder sehr viele Kinder.

 |  NOEN, Karin Maria Heigl
Die Flüchtlinge waren erst kurz vor Mitternacht eingetroffen. Um 10 Uhr vormittags wurden sie von den Bussen abgeholt, die sie in Richtung Deutschland bringen.
 
Erstmals waren einige Asylsuchende dabei, die nicht mit diesen Bussen weiterfuhren. Ein junger Mann fragte nach einer Möglichkeit, nach Linz zu kommen. Eine aus Aleppo stammende Familie wollte nach Wien und ist nach dem Zwischenstopp in Wieselburg schließlich mit dem Zug weitergefahren.



Weitere sprachen von Holland oder Schweden. Nach der Abfahrt der Busse hatten alle, die nicht eingestiegen waren, noch eine halbe Stunde Zeit um im Transit-Flüchtlingsquartier zu bleiben. Danach endete die Versorgung und das Lager wurde geschlossen.
 
Die vorübergehende Betreuung der Flüchtlinge verlief auch dieses Mal ohne Zwischenfälle. Ob das Lager am Abend wieder gebraucht wird, ist derzeit noch unklar. Das kurzfristige Eintreffen der Flüchtlingsbusse ist auch für die freiwilligen Helfer eine große Herausforderung: „Wir haben viele Leute, aber wir brauchen jetzt vor allem Freiwillige, die in der Nähe wohnen und spontan helfen können“, sagte der Einsatzleiter der Caritas, die die Sachspendenausgabe organisiert, im Gespräch mit der NÖN.

NÖN.at berichtete laufend:

Chronologie der ersten Woche:

Bereits fast 1.000 Flüchtlinge wurden in den letzten Tagen in Wieselburg versorgt. Bestes Zusammenspiel der Einsatzkräfte und Freiwilligen.
  • Montag, 28. September: Die Hallen 12 und 13 werden für das Transitlager adaptiert. Vier mobile Heizungen sorgen für angenehme Temperaturen in den nicht wärmegedämmten Hallen. Zwei WC-Container werden aufgestellt und weitere Vorkehrungen für die Einrichtung des Lagers getroffen. Die Caritas eröffnet am Firmenareal der Abfallwirtschaft Ötscherland (AWÖ) im Gewerbepark Haag ihr Sachspenden-Abgabelager.

  • Dienstag, 29. September: Mitarbeiter der Messe, des Roten Kreuzes und 50 Soldaten des Jägerbataillons Amstetten stellen über 300 Feldbetten auf, richten Schlafkojen ein und stellen Tische und Bänke in der Versorgungshalle auf. Gleichzeitig wird von der Stabskompanie der Melker Pioniere die Feldküche aufgebaut und mit Essensvorräten ausgestattet. Die Caritas-Mitarbeiter füllen den Sachspendenbereich mit den ersten Spenden, die in der Zwischenzeit abgegeben worden sind. Knapp nach 17.30 Uhr treffen die ersten sechs Busse aus Nickelsdorf mit insgesamt 349 Flüchtlingen aus Syrien, Irak, Iran und Afghanistan ein – eine bunt gemischte Menge: Männer, Familien und viele Kinder. Die Erstversorgung mit Essen klappt reibungslos. Kleinere organisatorische Anfangsprobleme werden rasch aus der Welt geschafft. Die erste Nacht verläuft ohne irgendwelche Vorkommnisse – so wie auch alle anderen Nächte bislang.

  • Mittwoch, 30. September: Bereits zeitig in der Früh heißt es für die Flüchtlinge aufstehen und frühstücken. Denn schon kurz vor 9 Uhr geht es für sie in den Bussen weiter zur deutschen Grenze. Was sie dort erwartet, wissen die wenigsten. Dennoch sind sie sehr dankbar für die Hilfe, die ihnen in Wieselburg widerfahren ist. „Thank you“ sind jene Worte, die man vor dem Einsteigen in die Busse am öftesten zu hören bekommt. Für die Einsatzkräfte ist kurz danach zusammenräumen angesagt. Denn schon am Abend werden die nächsten Flüchtlinge erwartet. Unterstützung kommt dabei einmal mehr vom Bundesheer. Und tatsächlich treffen kurz nach 18 Uhr die nächsten sechs Busse mit 308 Flüchtlingen in Wieselburg ein und verbringen die Nacht im Transitlager. Wieder läuft alles sehr geordnet ab. Flüchtlinge und Helfer verbringen eine den Umständen entsprechende ruhige Nacht.

  • Donnerstag/Freitag, 1./2. Oktober: Um 8.30 Uhr ging es am Donnerstag für die Flüchtlinge weiter Richtung Salzburg. Für alle Beteiligten wiederholte sich das Prozedere vom Vortag. Danach hieß es wieder warten. Allerdings am Donnerstag und Freitag blieb das Transitlager in Wieselburg leer. Dafür wurde die Infrastruktur weiter verbessert. Zwei Duschcontainer mit Warmwasser wurden aufgestellt und eine WLAN-Verbindung eingerichtet, ist das Handy doch für viele Flüchtlinge die einzige Möglichkeit mit ihrer Familie, ihren Verwandten oder Bekannten Kontakt aufzunehmen. Inzwischen hatte sich das Caritas-Spendenlager schon so gut gefüllt, dass man seit Freitagnachmittag vorerst keine Spenden mehr annahm.

  • Samstag, 3. Oktober: Während in Wieselburg und auch am Messegelände am Nachmittag der 30. Wieselburger Stadtlauf über die Bühne ging und abends in der Europahalle auch beim Maturaball des BORG Scheibbs ausgelassen gefeiert wurde, hieß es für die Einsatzkräfte und Freiwillige lange warten, bis klar war, dass Samstagnacht doch noch Flüchtlinge kommen werden. „Wir erhielten erst um 21 Uhr die Meldung seitens der Landeszentrale. Um 22 Uhr alarmierte ich alle Einsatzkräfte und Freiwilligen und um knapp vor 24 Uhr waren wir bereit. Kurz nach 1 Uhr früh sind dann 313 Flüchtlinge bei uns eingetroffen, wurden noch verpflegt, konnten sich bei der Caritas noch mit frischer Kleidung ausstatten, danach erstmals auch duschen und gingen dann zu Bett. Dass praktisch direkt daneben ein Ball stattfand, bekamen die Flüchtlinge genauso wenig mit, wie die Ballbesucher, dass wir Flüchtlinge empfangen hatten“, berichtet Franz Aspalter.

  • Sonntag, 4. Oktober: Etwas später als in den Tagen zuvor wurden die Flüchtlinge am Sonntag von Wieselburg abgeholt. „So hatten sie vorher noch etwas Zeit für Körperpflege oder unser Spendenlager vor Ort aufzusuchen“, berichtet Walter Reiterlehner, der für die Caritas das Spendenlager in Wieselburg organisiert und leitet. Dabei war es sowohl für manche Flüchtlinge als auch für einige Helfer eine sehr kurze Nacht. „Wir hatten unser Lager bis 4 Uhr früh offen und um 6 Uhr bereits wieder aufgesperrt. Aber die Bereitschaft, hier zu helfen, ist groß und die Zusammenarbeit aller Beteiligten großartig“, berichtet Reiterlehner.

  • Montag, 5. Oktober: Eine ruhige Nacht, die für Sonntag angekündigten Busse blieben aus. Allerdings Montagabend (nach Redaktionsschluss) rechnet Franz Aspalter mit der nächsten Schar: „Wir sind alle bereit.“