Erstellt am 30. März 2016, 05:04

von Elisabeth Leichtfried und Karin Katona

Ärztemangel: Die Praxis bleibt leer, auch am Wochenende. Mit 31. März geht der Allgemeinmediziner Wolfgang Kammerer in Pension. Seine Stelle ist immer noch unbesetzt.

Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Kammerer hätte seine Praxis gern direkt an einen Nachfolger übergeben.  |  NOEN, Elisabeth Leichtfried

Seit Oktober des vorigen Jahres ist die Arztstelle von Dr. Wolfgang Kammerer ausgeschrieben – bisher vergeblich. Ab 1. April steht der Praxisbetrieb in der Grestner Friedhofgasse still und auch die Wochenenddienste von Dr. Kammerer bleiben vorerst unbesetzt.

"Noch mehr Arbeit für verbleibende Ärzte"

„Die Wochenenddienste sind für Ärzte zwar im Gesamtvertrag vorgesehen, aber wie das jetzt zu regeln ist, wo ein Mediziner ausfällt, wird sich erst zeigen. Die Entscheidung liegt bei der Ärztekammer“, weiß Bezirksärztevertreter Dr. Karl Brandstetter aus Purgstall. Fest stehe:

„Auf die drei verbliebenen Ärzte wird auf alle Fälle noch mehr Arbeit zukommen, wahrscheinlich auch am Wochenende.“ Ein Problem, das seit langem abzusehen gewesen sei: „Man kann sich am Alter der niedergelassenen Ärzte leicht ausrechnen, dass die Lage nicht besser werden wird.“ Die Folgen: „Wenn keine Jungen nachkommen, müssen Ärzte mehr arbeiten, je älter sie werden.“ Dr. Kammerer hat die Hoffnung, dass seine Praxis weitergeführt wird, noch nicht aufgegeben.

Anzahl der Absolventen sinkt

„Die Stelle ist weiterhin ausgeschrieben. Die Ordination bleibt bezugsfertig, auch mein Interieur bleibt, so ist das mit der Gemeinde Gresten, der das Haus gehört, ausgemacht. Für einen möglichen Nachfolger ist also alles vorbereitet“, verspricht Dr. Kammerer. Ihm selbst täte es sehr leid, dass die Praxis vorerst leer bleibe: „Das ist jetzt ein Zustand, mit dem ich sehr unglücklich bin, den ich aber leider nicht beeinflussen kann. Ich habe die Ordination mit großer Liebe und Leidenschaft betrieben und dass es so endet, macht mich traurig.“

Ärztevertreter Dr. Karl Brandstetter warnt vor einem generellen, stetig steigenden Ärztemangel: „Die Anzahl der Absolventen sinkt. Dass der Arztberuf für junge Menschen nicht mehr attraktiv ist, sollte den Verantwortlichen zu denken geben.“