Erstellt am 25. Januar 2018, 04:21

von NÖN Redaktion

Die Wahl: Fünf Kandidaten – fünf Fragen – 25 Antworten.

Anton Erber (49), Spitzenkandidat der ÖVP, aus Purgstall.  Renate Gruber (50), Spitzenkandidatin der SPÖ, aus Gaming. Reinhard Teufel (38), Spitzenkandidat der FPÖ, aus Lackenhof.  Christian Müller (35), Spitzenkandidat der Grünen, aus Purgstall. Ulrich Mayer (31), Spitzenkandidat NEOS, aus Michelbach (Bezirk St. Pölten-Land)
 
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Der Scheibbser Bezirk hat die niedrigste Arbeitslosigkeit in NÖ. Aber jeder dritte Arbeitslose im Bezirk ist über 50 Jahre alt. Sollte die öffentliche Hand diese Personen bei der Arbeitssuche unterstützen? Und wenn ja, wie?

Anton Erber: Selbstverständlich und zwar mit Beiträgen zu den Lohnnebenkosten, damit ein Anreiz für die Unternehmen gegeben ist, Ältere einzustellen. Außerdem müssen die Menschen, die gesundheitlich nicht mehr können, wieder in die Invaliditätspension gehen können.

Renate Gruber: Wir wollen die Fortführung der Aktion 20.000, die von der ÖVP/FPÖ-Bundesregierung gestoppt wurde. NÖ muss nun einspringen. Denn mit dieser Initiative können Jobs für langzeitarbeitslose Menschen ab 50 Jahren geschaffen werden!

Reinhard Teufel: Arbeitslosigkeit ist nicht nur ein soziales Problem, sie gefährdet auch die körperliche und seelische Gesundheit der Betroffenen. Daher ist eine Unterstützung gerade von Personen im Alter 50+ auch im öffentlichen Interesse. Allerdings sollten keine Pseudoarbeitsplätze im geschützten Bereich kreiert werden.

Christian Müller: Ja. Unsere Arbeitswelt wird sich in den nächsten zehn Jahren massiv ändern. Jeder Mensch hat eine Begabung. Die Herausforderung ist, diese zu entdecken und zu fördern. Aus- und Weiterbildung müssen für uns höchste Priorität haben. Lebenslanges Lernen darf nicht nur ein Schlagwort sein. Dies gilt für mich für alle Altersgruppen.

Ulrich Mayer: Gerade bei diesen Menschen muss man bei der Qualifizierung ansetzen. Es kann nicht sein, dass Unternehmen händeringend nach Personal suchen und nichts unternommen wird, um Menschen die Möglichkeit zu bieten, nachgefragte Qualifizierungen zu erlernen. Dazu haben wir das Bildungskonto LELA 5000 vorgeschlagen.

Die Menschen werden immer älter, der Wohn- und Pflegebedarf immer höher. Soll die öffentliche Hand mehr Augenmerk auf Heimplätze legen und dort mehr Geld investieren oder soll man Projekte wie betreutes Wohnen oder die 24-Stunden-Pflege stärker fördern?

Anton Erber: Die Erhöhung der Förderung für 24-Stunden-Betreuung sowie des Pflegegeldes sind Kernforderungen von mir. 80 Prozent der alten Menschen werden zu Hause versorgt. Dabei müssen wir die Familien unterstützen. Weiters möchte ich ein echtes „Betreutes Wohnen“ in den Ortszentren. Gleichzeitig werden im Scheibbser Pflegeheim zehn Millionen Euro investiert.

Renate Gruber: Betreute Wohneinheiten in jeder Gemeinde ab 1.000 Einwohner sind unser Ziel – so können ältere Menschen selbstbestimmt, aber nicht einsam in den eigenen vier Wänden leben.

Reinhard Teufel: In Umsetzung des Regierungsprogramms, das unter dem Kapitel Soziales und Konsumentenschutz eine nachhaltige Qualitätssteigerung bei Pflege und Betreuung vorsieht, ist auch eine entsprechende Reform der 24-Stunden-Betreuung vorgesehen. Konkrete Maßnahmen werden im Rahmen eines Diskussionsprozesses auszuarbeiten sein.

Christian Müller: Beides. Grundsätzlich sollte die Pflege, wenn gesundheitlich und organisatorisch möglich, im heimischen Umfeld stattfinden. Wir sollten alle Pflegesituationen gleich behandeln und entsprechend fördern. Die sich ändernden Pflegebedürfnisse stellen mit Sicherheit eine der größten Herausforderungen dar. Sowohl mit Geldmitteln als auch organisatorisch.

Ulrich Mayer: Bei der Pflege braucht es ein Umdenken: Seit der Abschaffung des Pflegeregresses kostet die Pflege in einem Heim die Familie zwar nichts mehr. Doch der Wunsch der Betroffenen ist ein anderer: Ältere Menschen wollen meist möglichst lange daheim bleiben. Deswegen müssen wir die Pflege daheim ausbauen und auch mehr auf mobile Pflege setzen.

Digitalisierung ist in aller Munde. Ist sie eine Chance für die ländliche Region oder ein Hemmschuh, weil der flächendeckende Breitbandausbau zu teuer kommt?

Anton Erber: Schnelles Internet ist die Voraussetzung für viele Menschen, ob sie hier weiter leben können und wollen. Inzwischen sind alle auf funktionierendes Internet angewiesen. In spätestens drei Jahren muss jeder dazu den Zugang haben.

Renate Gruber: Die digitale Infrastruktur muss unbedingt ausgebaut werden – auch um Telearbeit zu forcieren! Das spart an manchen Tagen das Pendeln und bringt mehr Lebensqualität!

Reinhard Teufel: Der Aufbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur ist sehr teuer. Dennoch bedeutet er gerade für ländliche Regionen ungeahnte Chancen. Die Bundesregierung hat sich zu einer flächendeckenden Breitbandversorgung bekannt.

Christian Müller: Als Softwareentwickler und Vater von zwei Kindern bin ich überzeugt, dass der Ausbau des Breitbandinternets ein entscheidender Faktor für wirtschaftlichen Erfolg der Regionen sein wird. Wer hier investiert, investiert in die Zukunft.

Ulrich Mayer: Wir wollen, dass die Daten pendeln und nicht die Menschen. Deswegen müssen wir eine echte Breitbandoffensive im ganzen Land starten. Für NEOS ist das eine große Chance gegen die Landflucht.

Mit dem Snowboard-Event in Lackenhof gab es eine gelungene Weltcup-Premiere in der Region. Soll sich das Land – auch in Hinblick auf den Wackelkandidaten Semmering – verstärkt für Weltcup-Events in der Region einsetzen und dafür Geld in die Hand nehmen. Und warum?

Anton Erber: Die Pläne für Ski-Weltcuprennen liegen auf dem Tisch, die Förderzusage vom Land NÖ auch. Jetzt liegt es an der Gesamtfinanzierung, dann können wir noch 2018 weltcupfit sein. Der Süden unserer Region lebt neben der Landwirtschaft vom Tourismus, da brauchen wir nicht nachdenken, sondern müssen die Chance ergreifen.

Renate Gruber: Wir haben in Lackenhof beziehungsweise in der Region bewiesen, dass wir gut zusammenarbeiten. Wir sind gemeinsam in der Lage, große Events zu veranstalten. Die Wertschöpfung und die Werbung für unsere Gemeinden, unsere Region und unser Land ist unbezahlbar und enorm wichtig.

Reinhard Teufel: Nicht nur als naturverbundener und sportbegeisterter Lokalpatriot bin ich für die verstärkte Austragung von Weltcup-Events in unserer Region, sondern auch als Politiker, der die Interessen der Bevölkerung zu wahren hat. Solche Großsportereignisse beleben den Tourismus und sorgen für eine hohe Umwegrentabilität.

Christian Müller: Nein. Das Geld soll man in der Region für sinnvolle und nachhaltige Projekte einsetzen. Wenn man sich die die klimatischen Veränderungen in unserer Region ansieht, bin ich mir nicht sicher, ob wir uns in zehn Jahren noch über Schnee freuen dürfen.

Ulrich Mayer: Nachhaltige Investitionen in die Wirtschaft und den Tourismus in der Region sind grundsätzlich natürlich erfreulich! Es braucht aber Transparenz bei den Förderungen und eine ordentliche Bewertung, ob der Bezirk davon wirklich auf Dauer profitiert. Das Beispiel Semmering zeigt das Gegenteil.

Welches Ergebnis sowohl auf Landes- als auch auf Bezirksebene ist für Ihre Partei und vor allem für Sie persönlich am kommenden Sonntag ein Erfolg?

Anton Erber: Unser Bezirk braucht am Sonntag vor allem Vorzugstimmen für Anton Erber, weil wir sonst keine Vertretung mehr im Landtag haben. Die Ziele sind, dass der Bezirk im Landtag bleibt und im Land Klarheit herrscht.

Renate Gruber: Unser Wahlziel ist es, die Absolute der ÖVP zu brechen und als SPÖ stärker zu werden. Wiedereinzug in den Landtag ist mein persönliches Wahlziel!

Reinhard Teufel: Ziel von uns ist es, die absolute Mehrheit der ÖVP zu brechen, um so zur demokratiepolitischen Normalität zurückzukehren. Das setzt einen deutlichen Stimmengewinn der FPÖ voraus. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir dieses Ziel erreichen.

Christian Müller: Wenn die Grünen den Einzug in den Landtag schaffen, wir als Bezirk und ich als Person einen Beitrag dazu leisten konnten. Es wird Arsch knapp. Diese Wahl wird für die Grünen eine Richtungsentscheidung.

Ulrich Mayer: Mit einem möglichst starken Ergebnis im Bezirk möchte ich dazu beitragen, dass wir NEOS zum ersten Mal in den Landtag einziehen!