Scheibbs

Erstellt am 11. April 2017, 05:01

von Karin Katona

„Welt ohne Spinnen wäre undenkbar“. Christian Komposch, Spinnenforscher vom ÖKOTEAM- Institut für Tierökologie und Naturraumplanung, Graz, im Interview.

Diese Spinne kennt jeder: Die Gartenkreuzspinne ist eine in unseren Breiten weit verbreitete Spinnenart. Hubert Rausch (Naturwissenschaftliche Gesellschaft Mostviertel), Spinnenforscher Christian Komposch und Johann Gepp, Präsident des Naturschutzbunds Steiermark, beim Vortrag am Freitagabend in Scheibbs.  |  Shutterstock

Arachnologe Christian Komposch aus Graz hielt einen Vortrag in Scheibbs und sprach mit der NÖN über Mythos und Wahrheit in punkto Giftspinnen.

NÖN: Gibt es wirklich Giftspinnen in Österreich?

Komposch: Ja, die Dornfingerspinne, von der es einige Unterarten gibt, und die Falsche Schwarze Witwe. Weil die Dornfingerspinne auch in der Nähe der Menschen vorkommt und in die Häuser geht, kommt man eher mit ihr in Berührung als mit der Falschen Schwarzen Witwe, die versteckt in Blumenwiesen und Trockenrasen lebt.

Muss man sich vor diesen Spinnen fürchten?

Es kommt wohl ab und zu vor, dass jemand gebissen wird, aber die Wahrscheinlichkeit, von einer Biene gestochen zu werden, ist etwa 1.000 Mal höher. Kein Grund zur Panik also. Trotzdem wird die Dornfingerspinne ab und zu unfreiwillig zum Medienstar, wenn jemand gebissen wird und eine Hysterie ausbricht. Manchmal werden Spinnen auch zu Unrecht beschuldigt, weil kein „Täter“ gefunden wurde.

Was sind die Auswirkungen eines Giftspinnen-Bisses?

Das kommt darauf an, wieviel Gift die Spinne abgibt. Wenn es die volle Dosis ist, die sie hat, kann es sein, dass man sich zwei oder drei Tage schlecht fühlt, Gliederschmerzen hat, vielleicht Fieber. Aber der Biss ist nicht gefährlich, auch nicht für Kinder oder ältere Menschen. Und es sind auch keine Allergien bekannt.

Hubert Rausch (Naturwissenschaftliche Gesellschaft Mostviertel), Spinnenforscher Christian Komposch und Johann Gepp, Präsident des Naturschutzbunds Steiermark, beim Vortrag am Freitagabend in Scheibbs.  |  Katona

Wie gut sind die heimischen Giftspinnen erforscht?

Man weiß relativ wenig über sie. Die wissenschaftliche Literatur wurde über Generationen hinweg nur abgeschrieben. Auch über die Wirkungen des Gifts war längere Zeit nur wenig bekannt, weil man es nicht im Tierversuch testen kann – Tiere reagieren völlig anders als Menschen. Ein Kollege hat dann tatsächlich einen Selbstversuch gemacht.

Sind Sie selbst schon einmal gebissen worden?

Ja, ich wollte eine Dornfingerspinne hochheben und sie hat mich erwischt. Aber als Spinnen-Fan habe ich es interessant gefunden, das einmal am eigenen Leib zu erfahren.

Was ist das Wichtigste, das Sie über Spinnen vermitteln wollen?

Eine Welt ohne Spinnen wäre nicht denkbar. Sie sind die wichtigsten Insektenvernichter überhaupt. Alle Spinnen auf der Welt fressen im Jahr zusammen zwischen 400 und 800 Millionen Tonnen Insekten und andere Kleinsttiere. Die Menschen verzehren 400 Millionen Fleisch und Fisch im Jahr.

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