Erstellt am 24. November 2014, 14:18

von Andrea Panzenböck und Christian Eplinger

Eine Gemeinde ohne SPÖ. Die SPÖ Ortsorganisation Steinakirchen wurde überraschend stillgelegt. Die bisher im Gemeinderat vertretenen Mandatare treten nun als „Liste unabhängiges Steinakirchen“ an.

Der ehemalige SPÖ-Obmann Wolfgang Zuser tritt für die »Liste unabhängiges Steinakirchen« an.  |  NOEN, Archiv
Paukenschlag in der Gemeinde Steinakirchen, zehn Wochen vor den Wahlen: Bei der Mitgliederversammlung am Freitag hat sich die SPÖ-Ortsgruppe Steinakirchen-Wolfpassing de facto aufgelöst.

Bezirksorganisation ist natürlich „not amused“

„Die anwesenden Mitglieder haben den gesamten Vorstand einstimmig entlastet und von seinen Pflichten entbunden. Da sich für eine Neuwahl der Vorstandsfunktionen keinerlei Kandidaten zur Verfügung stellten, entschieden wir uns, die SPÖ Ortsorganisation Steinakirchen stillzulegen“, erläutert der bisherige SPÖ-Obmann Wolfgang Zuser gegenüber der NÖN. Genaue Gründe für diesen Schritt wollte Zuser derzeit nicht nennen.

Die Betreuung der verbleibenden Mitglieder liegt ab nun in der Verantwortung der Bezirksorganisation. Dort zeigt man sich „not amused“ über diese Entwicklung.

„Wir haben einige Gespräche im Vorfeld geführt, doch ohne Ergebnis, und müssen diesen Schritt nun akzeptieren, auch wenn er für uns sehr bitter ist“, betont Bezirksparteivorsitzende Renate Gruber. Sie unterstreicht aber, dass sich die Bezirksorganisation um die verbleibenden Mitglieder sehr bemühen werde.

Bisherige SPÖ'ler nun auf unabhängiger Liste

Damit scheint fix zu sein, dass es in Steinakirchen nach dem Jänner 2015 als erste Gemeinde im Bezirk keine SPÖ-Mandatare geben wird. Zwar werde Gruber noch versuchen, eventuelle Kandidaten namhaft zu machen, doch dies auf die Schnelle zu bewerkstelligen – die Listen und Kandidaten müssen bis 17. Dezember feststehen –, wird schwierig. In Wolfpassing wird man laut Gruber allerdings als SPÖ kandidieren.

Die bisher im Gemeinderat vertretenen SPÖ-Mandatare Wolfgang Zuser, Sepp Ginner, Laurin Ginner sowie Helga Baumann werden sich jedoch auch im Jänner 2015 auf einer Kandidatenliste finden. Mit der „Liste unabhängiges Steinakirchen“ gründeten sie eine neue Wahlliste, die in Zukunft vor allem von parteilosen Kandidaten getragen werden soll.

Mehrere unabhängige Kandidaten konnten bereits für das erstmalige Antreten der Bürgerliste gefunden werden. Die öffentliche Bekanntgabe erfolgt jedoch erst Mitte Dezember, da die Kandidatensuche noch nicht abgeschlossen ist. „Interessierte Gemeindebürger können sich jederzeit melden“, sagt Zuser.

ÖVP setzt wieder auf Vorzugsstimmenmodell

Die Stilllegung der SPÖ kam auch für ÖVP-Bürgermeister Wolfgang Pöhacker sehr überraschend. „Es wurde zwar schon ein wenig gemunkelt, aber das hätte ich nicht erwartet.“

Welche Auswirkungen dies auf die Wahl habe, könne man allerdings jetzt noch nicht sagen. „Das kommt sicher auch auf die neuen Kandidaten an“, weiß Pöhacker, der selbst die ÖVP erstmals als Spitzenkandidat ins Rennen führen wird.

Dabei setzt die Volkspartei auf das 2010 bewährte Vorzugsstimmenmodell mit alphabetischer Reihung. Anders als 2010 ist Pöhacker eindeutig deklarierter Spitzenkandidat, muss aber, wie schon sein Vorgänger Johann Schagerl, der das 2010 erfolgreich praktiziert hat, um Vorzugsstimmen laufen. „Der Bevölkerung hat dieses Modell sehr gut gefallen, deshalb wählten wir es wieder“, bestätigt Pöhacker.

Nach zehn Jahren auch wieder eine FPÖ-Liste

Von den zwölf bisherigen ÖVP-Gemeinderäten werden fünf aus privaten respektive beruflichen Gründen nicht mehr kandidieren: Leopold Höhlmüller, Eva Bruckner, Johann Gschwandegger, Andreas Hauß und Johann Luger.

Nach zehn Jahren „Abstinenz“ wird es in Steinakirchen nun wieder eine FPÖ-Kandidatur geben. Attila Boros, ein Wiener Musiker, der nach Steinakirchen gezogen ist, bildet gemeinsam mit Gerhard Bayerl eine „Doppelspitze“. „In Steinakirchen erhoffen wir uns zumindest ein Mandat“, meint FPÖ-Bezirksobfrau Karoline Deisl.


Aktueller Mandatsstand

ÖVP 17 (+ 2), SPÖ 4 (+ 0). Die Bürgerliste, die 2005 noch zwei Mandate erreicht hatte, kandidierte 2010 nicht mehr.