Erstellt am 17. August 2016, 05:00

von Karin Katona und Jutta Streimelweger

Der Regen schadete Ernte. Wegen Unwetter kam es zu Qualitätseinbußen bei der Getreideernte. Ausgeglichenes Wetter wäre gut.

Der Regen sorgte aufgrund des nassen Bodens auch zu einer schwierigeren Ernte mit dem Mähdrescher.  |  prudkov/Shutterstock.com

Als „gedämpft durchschnittlich“ bezeichnet Ernst Rechenmacher, Geschäftsführer des Lagerhauses Mostviertel Mitte, die Getreideernte 2016. Mit den Mengen sei man zufrieden, die Qualität des Getreides sei durch die feuchte Witterung nicht die beste: „Heuer gibt es daher viel Futter- und Mahlweizen, aber dafür wenig Qualitäts- und Premiumweizen.

Qualitätseinbußen und Preisdruck

Durch den vielen Regen hat das Hektolitergewicht extrem gelitten.“ Nicht nur die Qualitätseinbußen, auch der allgemeine Preisdruck für Getreide auf dem Weltmarkt mache den Landwirten zu schaffen, erklärt Rechenmacher: „In Australien, Nord- und Südamerika wird, anders als in Europa, für heuer eine Rekordernte prognostiziert. Dabei gibt es aber noch große Getreidereserven, und auch wir selbst haben noch Lagerbestände aus dem Vorjahr.“ Mit schlechten Getreide-, Fleisch- und Milchpreisen stünden die meisten Landwirte nun vor einem Dreifach-Dilemma, bedauert der Lagerhaus-Direktor.

„Wenn es zum Reifezeitpunkt regnet, muss mit der Ernte gewartet werden, was natürlich negative Folgen für die Qualität hat.“

Anton Krenn, Obmann der Bezirksbauernkammer Scheibbs

Qualitätseinbußen beim Winterweizen bestätigt auch Bezirksbauernkammer-Obmann Anton Krenn: „Die Qualität ist eher unterdurchschnittlich, die Ertragsmenge dafür überdurchschnittlich.“ Beim Raps gehe man in Scheibbs mit dem NÖ-Trend mit: Die Erträge lägen heuer etwas unter den Erwartungen. Beim Roggen komme es jetzt stark auf das Wetter an: „Wenn es zum Reifezeitpunkt regnet, muss mit der Ernte gewartet werden, was natürlich negative Folgen für die Qualität hat.“

"Heftige Schäden in Reinsberg, Gaming und Scheibbs"

Das Wetter ist sowieso ein wichtiger Faktor in der Landwirtschaft: „Wir brauchen beides – Regen und Sonne. Nur das eine oder das andere ist auch nicht gut. Eine ausgeglichene Wettersituation wäre ideal.“ Heuer bereitete vor allem Starkregen und Unwetter den Bauern die größten Sorgen: „Die heftigsten Schäden hatten wir da wohl in Reinsberg, Gaming und Scheibbs – da fielen bis zu 140 Liter Regen auf einen Quadratmeter.“ Vermurungen waren die Folge. „Aber das ist auch immer anders. Im letzten Jahr hatten wir zum Beispiel mit der Dürre zu kämpfen“, so der Bezirksbauernkammerobmann.

Ein hartes Geschäft war und ist die Weizenernte 2016 auch für die, die sie einbringen mussten und auch noch müssen aufgrund der Böden. „Die Fahrbedingungen für die Mähdrescher waren wegen der durchgehend feuchten Böden extrem schlecht“, schildert Rudolf Haslmayer vom Lohndrusch-Unternehmen Heindl Landtechnik in Plaika. Statt normaler Mähdrescher habe man oft nur Maschinen mit Raupenlaufwerk einsetzen können. „Das ist mühsam, weil man viel langsamer vorankommt.“