Erstellt am 08. Dezember 2015, 05:03

von Christian Eplinger

Christian Kogler sagt Politik ade. Fast 16 Jahre war Christian Kogler Bürgermeister derkleinsten Bezirksgemeinde. Mit Jahresende tritt er ab. Petra Jani folgt.

Seit dem Jahr 2000 ist Christian Kogler Bürgermeister der Naturpark-Gemeinde Puchenstuben und hat dieser auch touristisch wieder neues Leben eingehaucht. »Der Tourismus ist unsere große Chance, auch wenn wir uns als Planetendorf und Langlaufzentrum noch klarer positionieren müssen. Dazu brauchen wir aber, so wie in den letzten Jahren, auch weiterhin die Hilfe des Landes«, sagt Kogler, der mit Jahresende als Bürgermeister abtreten wird.  |  NOEN, Christian Eplinger

Mit Jahresende wird die Ära Christian Kogler in Puchenstuben zu Ende gehen. „Ich werde am kommenden Freitag bei der Gemeinderatssitzung offiziell meinen Rücktritt mit 31.  Dezember verkünden“, verrät Christian Kogler im NÖN-Gespräch am Sonntag. „Die Zeit ist reif, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Ich habe noch rund zehn Jahre bis zu meiner Pension und will mich in dieser Zeit voll meinem neuen Job widmen.

Daher habe ich mich zu diesem Schritt entschieden. Außerdem tut eine gewisse Veränderung auch einer Gemeinde durchaus gut. Denn dann sind wieder neue motivierte Kräfte an der Arbeit“, sagt der 56-jährige gelernte Techniker, der seit 1. August bei der Firma SLC Europe tätig ist und mit 1. Jänner die Geschäftsführung der SLC Asylcare GesmbH übernehmen wird.

Das Asylthema hat Christian Kogler in den letzten Monaten zu einem der bekanntesten und meist eingeladenen Bürgermeister von Niederösterreich gemacht. Denn spätestens seit seinem ZIB2-Interview am 24. Juni ist er zu einem der gefragtesten Gesprächspartner in Sachen Asylpolitik und Flüchtlingswesen geworden.

ZIB2-Interview hat Koglers Leben verändert

„Ja, dieses Interview hat viel in meinem Leben verändert und mich letztendlich auch zu meinem neuen Job hingeführt“, weiß Kogler. Die Firma SLC ist eigentlich eine Immobilienfirma, die sich aber in den letzten Monaten verstärkt der Asylbetreuung gewidmet hat. Derzeit betreut SLC mehr als 2.000 Asylwerber in über 100 Quartieren in Niederösterreich. In ein paar Monaten werden es wohl bereits 3.000 Asylwerber sein. Gleichzeitig ist die Mitarbeiteranzahl auf über 100 Vollbeschäftigte angewachsen.

„Natürlich haben mir einige vorgeworfen, ich wäre vom Gutmenschen – ein für mich übrigens positiver Begriff – zu einem Mann geworden, der mit den Flüchtlingen Geschäfte macht. Aber meine Grundeinstellung ist immer noch dieselbe. Ich will helfen und das kann ich in meiner neuen Funktion noch viel besser als früher, auch wenn natürlich der wirtschaftliche Faktor auch wichtig sein muss. Aber erst heute ist mir eine Familienzusammenführung gelungen“, erzählt Kogler.

„Eine engagierte und geeignete Nachfolgerin“

Dass sich sein neuer Job mit dem des Bürgermeisteramtes in einer kleinen Gemeinde kaum verträgt, habe sich in den letzten Wochen gezeigt. „Ich bin fast sieben Tage die Woche unterwegs, oft auch bei Abendveranstaltungen. Daneben lässt sich eine Gemeinde nicht vernünftig führen“, gesteht Kogler und freut sich, mit Petra Jani eine engagierte und gute Nachfolgerin gefunden zu haben.

Jani ist seit 2010 im Gemeinderat und seit heuer Vizebürgermeisterin. Die 43-jährige zweifache Mutter arbeitet als Büroangestellte im Hallerhof in Puchen-stuben. „Petra wird sich der Wahl stellen, genießt die volle Unterstützung unserer Fraktion und ich bin überzeugt, dass sie diese Aufgabe auch sehr gut machen wird“, sagt Christian Kogler. Als Vizebürgermeister soll Ewald Aigner ein „Comeback“ feiern. Er war schon von 2000 bis 2015 unter Kogler Vize.

Kogler selbst wird sich übrigens völlig aus der Politik zurückziehen. „Nach einem Vierteljahrhundert ist dieser Schritt notwendig“, glaubt Kogler, dessen politische Karriere 1990 als SPÖ-Gemeinderat in der einwohnermäßig kleinsten Gemeinde des Bezirks begann. Im Jahr 2000 drehte er als Spitzenkandidat der Liste SPÖ-LUP das schwarze Puchenstuben um und wurde der erste rote Bürgermeister der 317-Einwohner-Gemeinde.

Bei den Wahlen im heurigen Jänner des Jahres verteidigte er seine klare Mehrheit von neun zu vier Mandaten und wurde zum vierten Mal als Ortschef angelobt. Zuvor hatte er sich lange Zeit genommen, ehe er sich für eine neuerliche Kandidatur bereit erklärt hatte. „Ja, ich war da schon etwas zögerlich, weil ich nicht genau wusste, wo meine berufliche Reise hingehen wird“, gesteht Kogler heute.

Innerhalb der Bezirks-SPÖ galt Kogler lange Zeit als große Nachfolgehoffnung hinter Günther Leichtfried. Im Vorfeld der Landtagswahlen 2008 kam es aber innerparteilich zum Bruch, als Sepp Leitner Christian Kogler vorgezogen wurde.

Scharfer Kritiker und  gute Freunde

Kogler blieb der Sozialdemokratie dennoch treu, auch wenn er danach immer wieder als scharfer Kritiker auftrat. „Es ist wie bei einer Ehe, da ist auch nicht immer alles eitel Wonne. Es gibt Entscheidungen, die sind zu akzeptieren. Dennoch habe ich nie an einen Parteiaustritt gedacht, da die Grundwerte der Sozialdemokratie immer noch die Meinen sind.

Und sachliche Kritik muss in jeder Organisation erlaubt sein – ja, ist meiner Meinung nach sogar notwendig“, betont Kogler, der auch bekannt war für sein gutes Verhältnis zur ÖVP – egal ob auf Gemeinde-, Bezirks- oder Landesebene. „Ich bin mit Erwin Pröll, Anton Erber oder Helmut Emsenhuber immer gut ausgekommen. Helmut war schon vor meiner Zeit als Bürgermeister mein Freund und ich bin froh, dass ich jetzt nach 16 Jahren sagen kann, dass er noch immer mein Freund ist.“