Erstellt am 09. April 2016, 05:04

von Christian Eplinger

Der Notarztwagen ist Geschichte. Seit dieser Woche ist auch im Scheibbser Bezirk das Notarzteinsatzfahrzeug im Einsatz. Der Notarztwagen hat ausgedient.

Das neue Notarzteinsatzfahrzeug (NEF, links) löst seit Montag dieser Woche bei Notfällen im Bezirk den Notarztwagen (NAW) ab. Im Bild, von links: Notärztin Martina Simhofer, Stefan Stängl, Andrea Ramsauer und Lukas Längauer sind positiv auf das neue System eingestellt.  |  NOEN, Lukas Huerner

Eine höhere Flexibilität und schnellere Einsatzbereitschaft des Notarztes für einen weiteren Einsatz. Das sind die beiden Hauptargumente, die für das neue Notarzteinsatzsystem sprechen. Seit dem Vorjahr bis Ende dieses Jahres werden beim Roten Kreuz in ganz Niederösterreich die Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) die bisherigen Notarztwägen (NAW) ersetzen. Das ist eine Vorgabe des Landes, das für das Notarztwesen zuständig ist. In Scheibbs war es diesen Montag soweit. Der NEF hatte seinen ersten Einsatztag im Bezirk. Das NAW-Fahrzeug wurde vom Dienstbetrieb abgemeldet.

„Das neue System ist für Rettungssanitäter eine 
Herausforderung, weil ihre Mitarbeit
direkt am Einsatzort viel mehr gefragt ist.“
Lukas Hürner

Der größte Unterschied zwischen den beiden Systemen ist das Grundfahrzeug. Beim NEF handelt es sich um einen VW Passat, der mit einem Notarzt und einem Notfallsanitäter besetzt ist. Das NEF ist der „Zubringer“ des Notarztes und ist mit allen notwendigen medizinischen Geräten wie EKG, Defibrillator, Beatmungsgerät, Spritzenpumpe und vielem mehr ausgestattet. Parallel wird von der Rettungsleitstelle ein Rettungstransportwagen alarmiert.

Nach der Versorgung durch die Sanitäter und den Notarzt entscheidet der Mediziner, ob er den Transport des Patienten begleitet oder nicht. Wenn der Arzt nicht mehr erforderlich ist, übernehmen die Teams des Rettungswagens den Patienten und transportieren in das geeignete Zielkrankenhaus. „Der Notarzt steht somit für mögliche Folgeeinsätze sofort wieder zur Verfügung“, ist Stefan Stängl, RK-Bezirksstellenverantwortlicher für den Notarztdienst, von der höheren Flexibilität des NEF-Systems überzeugt.

Keine merkbaren Veränderungen für Patienten

Für den Patienten selbst bringt der Umstieg keine merkbaren Veränderungen mit sich. „Es werden nach wie vor das schnellsteintreffende Rettungsmittel und der schnellsteintreffende Notarzt alarmiert. Schon bisher ist bei uns im Bezirk meist auch ein Rettungstransportwagen bei einem Einsatz vor Ort gewesen, weil er aufgrund der geografischen Distanzen schneller an der Einsatzstelle war als der Notarzt“, erklärt Stängl.

Am Unfallort selbst ändert sich vor allem für die RTW-Besatzung einiges. Sie sind in die notärztliche Vor-Ort-Versorgung viel stärker eingebunden als bisher. Denn war der NAW bislang neben dem Notarzt noch mit weiteren zwei bis drei Notfallsanitätern besetzt, so kommen jetzt fix nur mehr ein Notarzt und ein Notfallsanitäter im NEF zum Einsatzort. Das RTW-Team ist damit von Anfang an bis zum Schluss der Übergabe des Patienten an ein Krankenhaus voll involviert.

RK-Ausbildungsleiter Lukas Hürner war daher in den letzten Wochen und Monaten vor allem auch mit den zahlreichen Schulungen für das neue System stark beschäftigt. Insgesamt acht Monate dauerte die Schulungsphase für alle Rettungs- und Notfallsanitäter. Die 15 ehren- und sechs hauptamtlichen Notfallsanitäter haben auch ein sechsstündiges Fahrsicherheitstraining beim ÖAMTC am Wachauring in Melk absolviert.

Hürner: "System ist sicherlich flexibler"

„Das war wichtig, weil es doch grundlegende Unterschiede im Fahrverhalten zwischen dem NAW und 240 PS starken, aber auch fast zwei Tonnen schweren NEF mit Automatikschaltung gibt. Durch das Gewicht lässt er sich auch nicht so einfach mit einem normalen Pkw vergleichen“, weiß Hürner.

„25 Jahre lang wurde bei uns im Bezirk der Notarztwagen bei einem Notfall alarmiert. Davon nehmen wir jetzt Abschied. Das ist die erschwerende emotionale Komponente bei dieser Umstellung. Ansonsten ist das System sicherlich flexibler und hat sich auch international durchgesetzt“, sagt Hürner.

Übrigens: Dass das Notarzt-System in Scheibbs jetzt getauscht wird, passiert nicht ganz zufällig. „Unser NAW ist sechseinhalb Jahre alt und hat 170.000 Kilometer hinter sich. Heuer wäre daher ohnehin ein Fahrzeugtausch nötig gewesen“, weiß Stängl.