Erstellt am 29. Dezember 2015, 05:03

Die zehn wichtigsten Ereignisse im Jahr 2015. Von der Horrorbilanz auf den Straßen des Bezirks über die erfolgreiche Landesausstellung bis hin zum Flüchtlingstransitlager und dem Naturdenkmal Erlaufschlucht.

Mit diesem Ansturm auf die neue Hochkar 360 Grad Skytour hatten nicht einmal die kühnsten Optimisten gerechnet. Im Juni eröffnet, lockt der Rundwanderweg am Hochkar mit der spektakulären Hängebrücke und der Aussichtsplattform, von der man bei klarer Sicht mehr als hundert 2.000er-Berggipfel zu sehen bekommt, über 30.000 Besucher aufs Hochkar und wird damit zum absoluten Tourismusmagneten abseits der Landesausstellung  |  NOEN, Rene Jagersberger

Horrorbilanz: 15  Todesopfer auf den Straßen des Bezirks

Jeweils vier Todesopfer weisen die Unfallbilanzen 2013 und 2014 im Bezirk Scheibbs aus. Heuer gibt es diesbezüglich den absoluten Negativ-Rekord: 15 Todesopfer beklagt man im Jahr 2015 auf den Straßen des Bezirks. Gleich acht Menschen davon verlieren ihr Leben bei einem Unfall mit einem Triebwagen der Erlauftalbahn.

Der absolute Horrorunfall des Jahres ist dabei das Zugunglück vom 22. Mai in Purgstall mit fünf Todesopfern, davon drei Kindern. Besonders tragisch auch der Traktorunfall Anfang August in Lunz am See, bei dem ein 17-Jähriger mit dem Traktor ein einjähriges Kleinkind überfährt. Der bislang letzte tödliche Unfall im Jahr 2015 passiert am 11. November: Ein 24-jähriger Purgstaller fährt kurz nach Schauboden in den Tod.
 

Aus ungewöhnlich wird außergwöhnlich

Zwei Jahr hat die gesamte Region der NÖ Landesausstellung „ÖTSCHER:REICH – die Alpen und wir“ entgegengefiebert. Um die 600 Personen sind in der Region in dieses Vorhaben eingebunden. Heuer ist es soweit. Am 25. April eröffnet Landeshauptmann Erwin Pröll diese „ungewöhnliche Schau“ mit zwei Ausstellungsorten in Neubruck und Laubenbachmühle sowie dem Naturparkzentrum Wienerbruck und 15 „ÖTSCHER:REICH“-Stationen. 192 Ausstellungstage später zieht Pröll mehr als zufrieden Bilanz: „Ihr seid die gesattelten Pferde optimal geritten“.

280.648 Ausstellungsbesucher bringen eine zusätzliche Wertschöpfung von 30 Millionen Euro in die Region und sorgen für rund 40 Millionen Euro Gesamtumsatz. Und selbst wenn 70 Prozent der Besucher Tagesgäste sind, profitieren auch alle Beherberger. Denn die Nächtigungszahlen im „ÖTSCHER:REICH“ steigen dieses Jahr um rund 15 Prozent. Doch mit der Landesausstellung soll der Aufschwung in der Region noch lange nicht vorbei sein. 31 Gemeinden der Region aus vier Bezirken und zwei Bundesländern unterschreiben die „ÖTSCHER:REICH-Deklaration“, die die künftige Entwicklung und Zusammenarbeit dauerhaft sichern soll.
 

Das größte Flüchtlingstransitlager Niederösterreichs

Die Flüchtlingswelle erreicht im zweiten Halbjahr auch den Scheibbser Bezirk. Neben zahlreichen kleineren Flüchtlingsunterkünften in den Gemeinden wird vor allem das Transitlager in Wieselburg zum Sinnbild für gelebte Menschlichkeit und Unterstützung durch die Region.

14.226 Menschen werden im am Messegelände errichteten Transitlager Wieselburg von Rotem Kreuz, Caritas, Team Österreich und dem Bundesheer zwischen 29. September und 24. November betreut und finden zumindest für eine Nacht eine warme und trockene Bleibe, frische Kleidung, warmes Essen und medizinische Versorgung. Und bis auf Kleinigkeiten funktioniert alles reibungslos.
 

Das erste Puff im Bezirk

Im April will in Gresten im ehemaligen Gasthof Ybbsbach-Berger die erste Gogo-Bar eröffnen. Von Beginn an ist klar, dass in der Gogo-Bar aber mehr Dienste als nur das Tanzen angeboten werden sollen. Das sorgt für viele Diskussionen nicht nur im Kleinen Erlauftal.

Die Gemeinde Gresten schiebt den Betreibern aber einen Riegel vor und unterbindet aus behördlicher Sicht die Ausübung des horizontalen Gewerbes. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Betreiber kurzerhand statt eines Bordellbetriebes einen Verein anmelden. Die ARGE Verien „Freunde der Partynacht“ lädt zwar „Vereinsmitglieder“ zu der einen oder anderen „Partynacht“, aber gegen Ende des Jahres ist vorerst auch damit Schluss.
 

Erlaufschlucht Purgstall: Oben Kraftwerk, unten Naturdenkmal

Mit dem Projekt „Tourismuskonzept und Inwertsetzung Erlaufschlucht“ setzt die Gemeinde Purgstall ihr Highlight, das Naturdenkmal Erlaufschlucht, touristisch in Szene. Intensive Bewerbung, Ausbau von Wanderrouten, geführte Wanderungen und eine neu gestaltete Eingangszone bescheren der Erlaufschlucht im Hitzesommer 2015 einen noch nie da gewesenen Besucheransturm und machen sie vom Geheimtipp zu einem der ersten touristischen Ziele der Region.

Seit Dezember weisen jetzt auch noch das neue Beschilderungssystem und eine große LED-Werbefläche direkt gegenüber dem Sportplatz auf die Erlaufschlucht hin. Gleichzeitig müssen sich die Purgstaller von ihrem meistfotografierten Wahrzeichen verabschieden: Der Wasserfall bei der Marktbrücke fällt dem Umbau des dortigen Kraftwerks durch den neuen Betreiber, Hannes Taubinger, zum Opfer.

Ab August 2015 wird das Erlaufbett bis kurz vor der Grenze des Naturdenkmals zur Großbaustelle. Im Frühsommer 2016 soll das neue Kraftwerk Strom liefern – um ein Drittel mehr als die alte Variante. Angebot des Betreibers: Das Krafthaus im Flußbett direkt an der Staumauer könnte als Schaukraftwerk und Raum für Freiluft-Veranstaltungen genützt werden.
 

Große Umbrüche bleiben aus

Die Gemeinderatswahlen am 25. Jänner bringen in den 18 Gemeinden des Bezirks keine politischen Umbrüche. Weiterhin stehen 14 ÖVP-Bürgermeister, vier SPÖ-Bürgermeister gegenüber. Während in Gresten SPÖ-Bürgermeister Wolfgang Fahrnberger seinen ÖVP-Herausforderer Hannes Käfer auf Distanz hält, muss SPÖ-Bezirksparteiobfrau Renate Gruber als Gaminger Bürgermeisterin tief durchschnaufen.

Denn ÖVP und FPÖ rücken bis auf ein Mandat an die Bürgermeisterpartei, die vier Mandate verliert, heran. In Reinsberg feiert ÖVP-Bürgermeister Franz Faschingleitner einen Triumph über die Bürgerliste, die daraufhin ihre vier Mandate still legt. Auch die Angelobungen verlaufen ohne Überraschung. Die gibt es erst im Laufe des Jahres. Zunächst tritt im April nur drei Monate nach der Wahl Hannes Heindl (ÖVP) als Vizebürgermeister von Wieselburg-Land zurück.

Im Dezember erklärt Puchenstubens Bürgermeister Christian Kogler (SPÖ), der seit Juni als der „Flüchtlings-Experte“ unter den Bürgermeistern Niederöstereichs landauf und landab unterwegs ist, seinen Rücktritt. Petra Jani, seine erst im Jänner neu gewählte Vizebürgermeisterin, soll ihm Anfang des Jahres 2016 folgen.
 

Viel Neues in der Gastroszene

In der Gastronomie im Bezirk ist einiges in Bewegung. Die Familie Selner-Lang eröffnet – rechtzeitig vor Beginn der Landesausstellung – den renovierten Mostlandhof auf dem Kalkberg bei Purgstall. Mit Restaurant, Veranstaltungs- und Seminar- sowie Hotelbetrieb bereichert der Mostlandhof nicht nur das gastronomische Angebot der Region, sondern bringt auch die in der Region so dringend benötigten Gästebetten (36). Im Juli muss der Bezirk mit der überraschenden Schließung von Steakhaus und Hotel Steiner einen herben Schlag einstecken.

Seine Entscheidung begründet Josef Steiner mit Personalproblemen, gepaart mit mangelnder Rentabilität der beiden Betriebe. Fazit: ein beliebtes Restaurant und 80 Gästebetten weniger. Der August bringt einen Grund zur Freude: Das Gasthaus Kummer in Gresten eröffnet zur Feier seines 50-jährigen Bestehens ein einzigartiges, neues Gästehaus. Und im Dezember eröffnet Hannes Heindl in Wieselburg das rundum erneuerte Brauhaus.
 

Stabile Wirtschaft

Allen Unkenrufen zum Trotz, zeigen die heimischen Unternehmen einmal mehr, dass sie sich auch in schwierigen Zeiten behaupten können. Der Stahlflaschenproduzent Worthington Cylinders in Kienberg freut sich über volle Auftragsbücher, produziert wieder sieben Tage pro Woche und stellt 50 neue Mitarbeiter ein. Um insgesamt sieben Millionen Euro wird die Brauerei Wieselburg heuer aus- und umgebaut.

Alleine fünf Millionen Euro fließen dabei in die neue Flaschenabfüllanlage und die neue Verpackungs- und Etikettieranlage. Auch der größte Arbeitgeber der Region, Lichtsysteme-Spezialist ZKW, baut in Wieselburg ein neues Beschichtungswerk und Logistikzentrum und darf sich über einen neuen Rekordumsatz von 740 Millionen Euro in der Gruppe freuen. Die 2.400 Wieselburger Mitarbeiter erwirtschaften dabei einen Umsatz von 450 Millionen Euro.
 

Zwei Großbrände sorgen für enormen Schaden

Ein Defekt in der Aschenentsorgung löst in der Nacht von 11. auf 12. Jänner im Heizwerk der Fernwärmegenossenschaft Göstling einen Großbrand aus. Auch 120 Feuerwehrkameraden von fünf Wehren können nicht verhindern, dass das Heizwerk bis auf die Grundmauern abbrennt. Bis August dauern die Diskussionen mit der Versicherung, wer für den Schaden aufkommt.

Schließlich zahlt die Versicherung und die Genossenschaft errichtet ein neues Heizwerk, das Mitte Dezember nach nur 39 Tagen Bauzeit den Betrieb aufnimmt. Im Juli sorgt ein Brand eines Bauernhofes in Wang für einen Großeinsatz von zwölf Feuerwehren mit 156 Mitgliedern. 74 Tiere sterben im Feuer, auch das Wirtschaftsgebäude wird zur Gänze vernichtet und die fünfköpfige Familie muss für einige Zeit bei Verwandten schlafen.
 

Mit Schienen Bahnhof finanziert

Für einiges Aufsehen sorgen seit September Bagger, die die Schienen des still gelegten Streckenabschnittes der Erlauftalbahn zwischen Kienberg und Scheibbs entfernen. Die NÖ Lokalbahnen Anlagenverwaltungs GmbH hat die Strecke von der ÖBB übernommen und finanziert mit dem Abbau und Verkauf der Schienen, Schwellen und Weichen den gleichzeitigen Ankauf des gesamten Bahnhofsareals in Kienberg.

Der Ötscherland-Express soll in baldiger Zukunft damit vom Hauptgebäude des Bahnhofes abfahren. Apropos Ötscherland-Express. Für den ist das 25. Jubiläumsjahr äußerst turbulent. Erst seit 8. August befährt der Express die gesamte Bergstrecke von Kienberg bis Göstling. Davor ist aufgrund von fehlenden Bescheiden nur die Strecke Lunz bis Göstling befahrbar.
 


 

Zitate des Jahres

„So viel Lob bekommt man normalerweise erst, wenn man es nicht mehr hören kann.“
Wieselburgs Pfarrer Franz Dammerer anlässlich der Ehrungen bei seinem 70. Geburtstag im Jänner. Im August geht er in den Ruhestand und Josef Kowar folgt ihm.

„Fünf Jahre lang gibt es eine gute Zusammenarbeit im Gemeinderat. Kaum wird zum Wahlkampf aufgerufen, schaut die Geschichte ganz anders aus. Das ist das, was ich an der Politik einfach nicht mag.“
Christine Dünwald, die Scheibbser ÖVP-Bürgermeisterin bei der NÖN-Dikussion der Spitzenkandidaten vor den Gemeinderatswahlen.

„Wenn Sie das Falsche perfekt machen, dann machen Sie es nur perfekt falsch.“
Michael Baumgartner, deutscher Umweltforscher bei einem Vortrag am FH-Campus Wieselburg.

„Querulant hat mir einfach weniger gut gefallen.“
Paul Scharner, Ex-Fußballprofi aus Purgstall auf die Frage, wie es zu seinem Buchtitel „Postion Querdenker“ gekommen ist.

„Das mit der puren Leidenschaft in Schwarz, dem Leitspruch des neuen Wieselburger Schwarzbiers, ist hier in Wieselburg so eine Sache.“
Landesrätin Petra Bohuslav bei der Schwarzbier-Präsentation.



2015 nahmen wir Abschied von ...

Johannes Joe Willenpart, 61, Scheibbs, † im März 2015
Die Nachricht vom Tod von Johannes „Joe“ Willenpart verbreitet sich im März in der Bezirkshauptstadt wie ein Lauffeuer. Der Unternehmer und Besitzer einer großen Sammlung von Oldtimern und Formel-Sportwagen ist nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Willenpart gründete zu Beginn der 1980er-Jahre in Amerika seine Sicherheitsfirma, übernahm aber 1986 auch das Autohaus in der Eisenwurzenstraße, das sein Vater Franz 1955 gegründet hatte und das heute unter Willenpart & Sturmlehner GmbH firmiert.

Engelbert Erndl, 82, Oberndorf, † im Mai 2015
Oberndorf trauerte 2015 um ein „echtes Urgestein“. Engelbert Erndl, Landwirt mit Leib und Seele, stirbt im Mai im 83. Lebensjahr nach schwerer Krankheit und hinterlässt neben Ehefrau Anna, mit der er 63 Jahre lang verheiratet war, sieben Kinder, 15 Enkel und zwei Urenkel. Die große Leidenschaft zum Restaurieren von Oldtimer-Traktoren und landwirtschaftlichen Geräten prägte sein Leben. Das private „Erndl Museum“ mit über 30 Steyr-Oldtimer Traktoren ist weit über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt. 2007 erhielt er dafür die Ehrennadel der Marktgemeinde Oberndorf.

Elfriede Vogelauer, 70, Scheibbs, † im August 2015
36 Jahre lang wirkte Elfriede Vogelauer als Lehrerin, zuletzt seit 1999 als Direktorin der Volksschule Scheibbs. Im August gibt es große Anteilnahme, als zahlreiche ehemalige Schüler von der allseits sehr beliebten Volksschullehrerin Abschied nehmen müssen, die in ihrem 71. Lebensjahr einem Krebsleiden erlag. „Ich kann wirklich behaupten, Lehrerin aus Leidenschaft gewesen zu sein. Könnte man die Zeit zurückdrehen – ich würde wieder Lehrerin werden“, sagte Vogelauer bei ihrer Direktors-Verabschiedung 2003.

Hans Weichberger, 56, Wieselburg, † im Oktober 2015
Erst 56-jährig verliert Hans Weichberger im Oktober den Kampf gegen den Krebs. Ehefrau Ursula, Tochter Vanessa und die beiden Enkelkinder Alessa und Fabio waren zuletzt sein Ein und Alles. Daneben prägte der sportliche Unternehmer, der das Familienunternehmen Weichberger unter seiner Führung beachtlich vergrößert, das Vereinsleben im Bezirk – Fußball, Tennis und später Motorsport und Golf waren seine großen Leidenschaften.

Franjo Basta, 65, Scheibbs, † im Dezember 2015
Im Landesklinikkum Scheibbs trauert man im Dezember um den beliebten Oberarzt Franjo Basta. Der seit 1995 in der Geburten- und Frauenheilkunde Scheibbs beschäftigte Arzt wäre mit 30. Jänner 2016 in den Ruhestand gegangen.