Erstellt am 19. Februar 2016, 00:14

von Karin Katona

Flüchtlinge in Purgstall: "Wir gehen aufeinander zu". In der Gemeinde Purgstall sind derzeit 19 Flüchtlinge untergebracht. Nach einem halben Jahr zieht das Team "Willkommen Mensch in Purgstall" jetzt Bilanz.

Deutschstunde bei Familie Alkalaf: Lehrerin Evamaria Butter mit Azra, Hoda und Walit Alkalaf. „Die zwei sind Musterschüler. Ich bin stolz auf sie “, freut sich die Lehrerin.  |  NOEN, Katona

Viele wichtige Hürden haben die 19 Flüchtlinge, die derzeit in Purgstall wohnen, seit ihrer Ankunft im Ort gemeinsam mit den Mitgliedern des Vereins „Willkommen Mensch in Purgstall“ in den vergangenen Monaten schon genommen. Alexandra und Mahfoud Mesmoudi – er ist gebürtiger Algerier und fungiert auch als Dolmetscher – haben unzählige Amts- und Arztwege begleitet, von der Führerschein-Anerkennung bis zum Mutter-Kind-Pass.

Während drei der Flüchtlingsfamilien schon Asylstatus haben, warten zwei Familien noch auf ihren Bescheid. „Die Verfahren dauern zu lang“, sagt Alexandra Mesmoudi. „Die Menschen leben in einem Zwischenzustand. Dass sie sich da oft haltlos fühlen, kann man verstehen.“ Dazu komme bei vielen die Ungewissheit über das Schicksal ihrer im Land verbliebenen Familienmitglieder: „Das ist neben dem eigenen Erlebten für die Betroffenen eine schwere Zusatzbelastung.“

Deutschlernen wichtigste Aufgabe

Die wichtigste Aufgabe im neuen Leben für die Flüchtlinge: Deutschlernen. Gemeinsam haben Mitglieder des Teams von „Willkommen Mensch in Purgstall“ ein Unterrichtskonzept erstellt, das auf die Bedürfnisse ihrer Schützlinge abgestimmt ist und mitunter aus aktuellem Anlass etwas angepasst wird. Ziel ist es, die Flüchtlinge auf die Deutschkurse des AMS vorzubereiten. „Unsere Schüler sagen uns, dass sie durch den privaten Unterricht in den Kursen viel besser mitkommen“, freut sich Erika Teichmann, eine der Lehrerinnen.

Eine Herausforderung ist die Arbeit mit Kindern fast ohne Deutschkenntnisse für die Schulen. Die Kinder sind so gut wie möglich in den Schulunterricht integriert und erhalten begleitend Deutschunterricht. „Unsere Kinder haben ihre neuen Mitschüler gut aufgenommen und kommen ihnen mit großer Hilfsbereitschaft entgegen“, weiß Direktorin Manuela Gutlederer von der Volksschule Purgstall.

Für die Schulen bedeute das vor allem eines: flexibel sein zu müssen. „Man muss sich auf jedes Kind einstellen: Kann es schon ein bisschen Deutsch oder Englisch? Wie ist der Bildungshintergrund überhaupt? Und es ist oft schwierig, wenn Kinder kurzfristig her- oder wieder wegkommen, gerade, wenn man das Gefühl hat, dass sie sich ein bisschen eingelebt haben.“

„Großes Problem ist die Berufsausbildung“

Peter Haslwanter, ebenfalls Mitglied des Vereins „Willkommen Mensch in Purgstall“ spricht ein großes Problem der Flüchtlinge an: „Eine Berufsausbildung, wie wir sie kennen, haben die wenigsten. Viele haben sich das Leben bei uns leichter vorgestellt und werden jetzt von der Realität eingeholt. Es besteht die Gefahr, dass die Menschen in der Hoffnung auf Arbeit in die Städte abwandern und dort Slums entstehen.“

Der Verein setzt sich daher dafür ein, die Asylanten und Asylwerber so gut wie möglich ins Gemeinschaftsleben zu integrieren. „Regelmäßige Außenkontakte verhindern, dass Frustration und Lethargie aufkommen, weil einfach alles zu viel wird. Manche tun sich schwer mit unseren Werten, wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Pflichtbewusstsein. Aber das ist im Werden“, erklärt Peter Haslwanter. „Wir bewegen uns aufeinander zu.“

Um den Kreis der Unterstützer auszuweiten, wird es bald einen Infoabend für Gemeinde und Vereine geben, beim Pfarrfest werden die Flüchtlinge eingeladen, Spezialitäten aus ihren Ländern zu kochen. „Es ist wichtig, dass wir diesen Menschen in unserem kleinen Bereich das Gefühl geben, als wertvolle Menschen wahrgenommen zu werden und etwas zur Gemeinschaft beitragen zu können“, hebt Deutschlehrerin Erika Teichmann hervor. „Es geht darum, positive Begegnungen zu ermöglichen.“