Erstellt am 30. September 2015, 10:08

von Christian Eplinger

Bye, bye and good luck!. Am Mittwoch um kurz nach 9 Uhr verließen die 349 Flüchtlinge, die am Vorabend ins Wieselburger Transitlager bei der Messe angekommen waren, Wieselburg mit Bussen wieder Richtung deutscher Grenze – und alles lief so gesittet ab, wie bei der Ankunft!

 |  NOEN, Christian Eplinger
Der erste Tag und die erste Nacht liegt hinter den Einsatzkräften und freiwilligen Helfern im Transitlager Wieselburg.

Am Mittwoch um kurz nach 9 Uhr sind die vollbesetzten sechs Busse mit allen Flüchtlingen Richtung von Wieselburg aus Richtung deutscher Grenze abgefahren – vor dem Einsteigen wurden noch jede Menge Hände geschüttelt, gedankt und danach einmal mehr freundliches Lächeln und Winken aus dem Fenster – wie ihre Reise weitergeht, ist für viele offen.

Die Flüchtlinge zeigten sich aber dankbar für die Unterstützung und Hilfsbereitschaft, die ihnen in Wieselburg widerfahren ist.



Auch sonst fällt die Bilanz über Tag und Nacht eins überaus positiv aus. „Alles ist völlig reibungslos abgelaufen. Es gab keinerlei Zwischenfälle“, schildert Bezirkspolizeikommandant-Stellvertreter Leopold Pitzl gegenüber der NÖN.

Und auch Rot Kreuz-Bezirkskommandant Franz Aspalter, der die Leitung des Transitlagers inne hat, ist zufrieden. „Bis auf kleinere Erfahrungswerte, die uns beim ersten Mal einfach gefehlt haben, sind wir sehr zufrieden. Die Flüchtlinge haben sich allesamt sehr zivilisiert verhalten und keinerlei Probleme gemacht.“
 
Inzwischen laufen die Reinigungsarbeiten durch die Mitarbeiter des Roten Kreuzes, der Messe, der Caritas, den Freiwilligen von Team Österreich und den Soldaten des Bundesheeres auf Hochtouren. „Ab mittags steht unser Lager wieder bereit. Wir erwarten, dass heute abend erneut Flüchtlinge kommen. Näheres wissen wir aber noch nicht“, sagt Aspalter.

Inzwischen ist auch das Sachspendenlager immer besser gefüllt. Es kommen regelmäßig Privatpersonen zur Caritas-Sammelstelle bei der AWÖ im Gewerbepark Haag.
 
Für die nächsten Tage sind weiterhin freiwillige Helfer, Dolmetscher und Sachspenden erbeten. Die Koordination läuft über das Rote Kreuz und die Caritas der Diözese St. Pölten. Alle aktuellen Infos über die benötigten Spenden gibt’s auf der Caritas-Homepage oder auf Facebook ( www.facebook.com/CaritasStPoelten oder www.caritas-stpoelten.at/aktuell/aktuelle-spendenaufrufe/fluechtlinge/ )
 
Freiwillige, die bei der Flüchtlingsbetreuung oder Spendenübernahme und -verteilung in Wieselburg mithelfen wollen, sollen sich entweder bei der Rot-Kreuz-Hotline unter 059144/68088 melden oder der Caritas-Hotline ein SMS oder eine WhatsApp-Nachricht an 0676/83844334 mit Namen, Wohnort und möglichen Einsatzzeiten schicken. Die Caritas verständigt die Helfer, wenn sie benötigt werden.


NÖN.at hatte am Dienstagabend berichtet:

„Thank you“, ein Lächeln und viele Fragen

349 Flüchtlinge verbringen die Nacht von Dienstag auf Mittwoch in Wieselburg.

x  |  NOEN, Christian Eplinger


Am Dienstag kurz nach 17.30 Uhr sind die ersten sechs Busse aus Nickelsdorf mit insgesamt 349 Flüchtlingen im Transitlager Wieselburg angekommen. Eine bunt gemischte Menge – Männer, Familien und viele Kinder aus Syrien, Irak, Iran und Afghanistan.



Alles verlief reibungslos und sehr gesittet. Die Flüchtlinge sind dankbar für die Hilfe, das warme Essen, einen Becher Tee, Obst oder frische Kleidung. Aber sie haben auch viele Fragen – Antworten darauf können nicht immer gegeben werden.


 
Doch blicken wir chronologisch auf den Tag zurück. Am Vormittag wurden 310 Feldbetten von Mitarbeitern des Roten Kreuzes Scheibbs, das das Lager betreibt, und der Messe Wieselburg aufgestellt.

Unterstützung kam von 50 Bundesheersoldaten aus der Kaserne Amstetten. Auch jede Menge Verteilstecker wurden ausgelegt, damit die Flüchtlinge über Nacht ihre Handys aufladen können - für viele die einzige Verbindungsmöglichkeit zu ihren Verwandten oder Familien.

Am Nachmittag kamen Vizeleutnant Hans Furtlehner mit seinem Team von der Stabskompanie des Pionierbataillons Melk samt entsprechender Lebensmittel. Nudeln, Tomatensauce, Semmeln sowie jede Menge Zucker, Tee, Kaffee, Butter und Marmelade fürs Frühstück. Sie sorgen für die Verpflegung der Flüchtlinge vor Ort.
 
Danach hieß es warten. „Wir wissen nicht genau, wann sie kommen, aber rund 300 sind für heute angekündigt“, berichtete Bezirkskommandant Franz Aspalter, der die Lagerleitung inne hat. In der Zwischenzeit organisierte die Caritas der Diözese St. Pölten unter der Leitung von Walter Reiterlehner aus Scheibbs die Entgegennahme der Sachspenden in der Halle des AWÖ (Abfallwirtschaft Ötscherland) im Gewerbepark Haag sowie anschließend auch die Verteilung der Spenden direkt vor Ort in der Messehalle.

Der erste Run auf das WC

 Knapp nach 17.30 Uhr war es dann soweit. Sechs Busse fuhren vor der Messehalle vor. Franz Aspalter und die beiden Dolmetscher Amal Schubert aus Perwarth und Fardin Rouzbahani aus Kienberg  - eine Ägypterin, die seit 25 Jahren in Österreich lebt und ein gebürtiger Iraner, seit 33 Jahren in Österreich und bei der Firma Worthington Cylinders beschäftigt – gingen von Bus zu Bus, um die Flüchtlinge über das weitere Prozedere zu informieren.

Es ging von Beginn weg sehr gesittet zu, alle wurden gezählt und mit Bändern gekennzeichnet. „Damit wissen wir, wann wer gekommen ist und haben auch die Möglichkeit die Anzahl zu überprüfen“, erklärt Robert Feichtegger vom Roten Kreuz. Einzig, viele hatten nach der langen Busfahrt ein dringendes menschliches Bedürfnis. Aber zum Glück waren die mobilen WC-Anlagen gleich beim Eingangsbereich, sodass auch hier alles glatt ging.
 
Auch danach lief alles weitere in sehr geordneten Bahnen ab. Von der Essensausgabe – bei der die Melker Bundesheersoldaten von Freiwilligen von der Tafel Österreich und dem Roten Kreuz unterstützt werden - bis hin zu den Schlafplätzen, die noch kurzfristig aufgestockt werden mussten. Doch auch das war kein Problem. Hauptmann Stefan Weber vom Jägerbataillon Amstetten beorderte kurzfristig Soldaten nach, die sofort mit dem Aufbau der fehlenden Feldbetten begannen.

Überhaupt muss man sagen, dass das Zusammenspiel der Einsatzkräfte sehr gut klappt, auch wenn man mit der Erfahrung des ersten Tages sicher noch das eine oder andere verbessern kann. So etwa die Obstausgabe – denn vor allem Bananen sind bei den Flüchtlingen sehr gefragt.

Kindernahrung und mehr Dolmetscher

 „Wir haben auch gesehen, dass wir breihafte Baby- und Kindernahrung benötigen, da sehr viele sehr kleine Kinder heute dabei waren. Auch noch mehr Dolmetscher wären wunderbar, weil aufgrund der sprachlichen Barriere ist es oft sehr schwierig, auch wenn einige sehr gut Englisch können. Insgesamt gibt es sicher einiges noch zu verbessern, aber im Großen und Ganzen können wir mit dem ersten Tag sehr zufrieden sein“, bilanzierte Franz Aspalter, der schon gespannt dem Mittwoch entgegenfiebert: „Wir hoffen, dass wir rechtzeitig informiert werden, wann die Busse für die Weiterfahrt kommen, damit wir auch den Aufbruch halbwegs koordinieren können“, sagt Aspalter.
 
Damit es nicht so ergeht, wie einem 16-jährigen Syrier, der in Wieselburg verzweifelt seine Eltern suchte. Die waren in Nickelsdorf in einen anderen Bus wie er gestiegen. Wohin der gefahren ist, wusste am Dienstagabend in Wieselburg niemand.
 
Aber auch viele andere Flüchtlinge hatten viele Fragen, die von den Verantwortlichen vor Ort nicht beantwortet werden konnten. „Wir wollen nach Norwegen. Können wir das irgendwie steuern?“, fragte ein 25-jähriger Iraker, der mit seinem älteren Bruder auf der Flucht ist.

„Warum haben wir hier überhaupt gehalten und sind nicht weitergefahren. Wir sind dankbar für die Hilfe, aber wir wollen nach Deutschland“, fragte eine 27-jährige Irakerin, die mit ihrer Familie und ihren zwei kleinen Söhnen seit 15 Tagen unterwegs ist, und deren Ehemann, ein ehemaliger Soldat, laut ihren Aussagen der Tod in ihrer Heimat droht. Ein dankbares Lächeln für die Hilfe vor Ort und ein „Thank you“ für die Helfer hat sie dennoch auf den Lippen.
 
„Ich kann diese Fragen nicht beantworten. Ich bin nur der Quartiergeber für heute Nacht. Wie es dann weitergeht, weiß ich nicht“, konnte Franz Aspalter nicht helfen. Und auch jenen Flüchtlingen nicht, die in Österreich einen Asylantrag stellen wollen – auch davon gab es einige. „Die müssen sich bei der Polizei melden, dann werden sie in ein Flüchtlingslager gebracht und können dort einen Asylantrag stellen. Aber eigentlich sollten die gar nicht zu uns hierher kommen“, weiß Aspalter.

Idealer Platz für das Transitquartier

Die erste Nacht sollte jedenfalls ruhig verlaufen. Die Angst einiger Wieselburger, dass die Flüchtlinge „Wieselburg überschwemmen werden“, war am Dienstag unbegründet. Dennoch versuchten die anwesenden Bürgermeister Günther Leichtfried und Karl Gerstl genauso wie Messe-Geschäftsführer Werner Roher, ein paar Anrainer, die vor Ort waren und ihre Ängste äußerten, zu beruhigen.

Eines zeigte sich nämlich schon am ersten Tag. Das Messe-Freigelände und die beiden Hallen 12 und 13, wo die Flüchtlinge untergebracht sind, eigenen sich für das Not-Transitlager hervorragend. Nur ganz vereinzelt gingen kleine Gruppen gleich nach der Ankunft in die Stadt, um sich noch wo Zigaretten zu kaufen. Als dann feststand, dass ein Trafikant mit Zigaretten ins Quartier herkommen würde, war auch dieser Wunsch passe und man wartete geduldig auf die Tschik.

Sachspenden, freiwillige Helfer und Dolmetscher

Für die nächsten Tage sind weiterhin freiwillige Helfer, Dolmetscher und Sachspenden erbeten. Die Koordination läuft über das Rote Kreuz und die Caritas der Diözese St. Pölten. Alle aktuellen Infos über die benötigten Spenden gibt’s auf der Caritas-Homepage oder auf Facebook ( www.facebook.com/CaritasStPoelten oder www.caritas-stpoelten.at/aktuell/aktuelle-spendenaufrufe/fluechtlinge/ )
 
Freiwillige, die bei der Flüchtlingsbetreuung oder Spendenübernahme und -verteilung in Wieselburg mithelfen wollen, sollen sich entweder bei der Rot-Kreuz-Hotline unter 059144/68088 melden oder der Caritas-Hotline ein SMS oder eine WhatsApp-Nachricht an 0676/83844334 mit Namen, Wohnort und möglichen Einsatzzeiten schicken. Die Caritas verständigt die Helfer, wenn sie benötigt werden.