Erstellt am 16. Februar 2016, 05:04

von Christian Eplinger und Elisabeth Leichtfried

Für Arztstelle in Gresten weiterhin kein Bewerber. Mit 31. März geht Wolfgang Kammerer in Pension. Die freie Arztstelle wurde schon fünf Mal ausgeschrieben, bislang ohne Erfolg.

Es wird immer schwieriger, offene Kassenarztstellen nachzubesetzen.  |  NOEN, Shutterstock

Am 31. März wird Wolfgang Kammerer zum letzten Mal seine Arztpraxis in Gresten öffnen. Denn mit 1. April geht der Allgemeinmediziner in den Ruhestand. Wie es dann mit der Praxis in der Friedhofgasse weitergehen wird, ist noch ungewiss.

Seit Anfang Oktober des vorigen Jahres ist die Stelle ausgeschrieben (die NÖN berichtete) – bereits zum fünften Mal. Bis jetzt gab es allerdings noch keine Bewerber. Bleiben diese auch im Februar noch aus, werden in der Praxis ab April vorerst keine Patienten mehr behandelt werden. Neben der Praxis von Kammerer gibt es in Gresten auch noch eine zweite allgemeinmedizinische Praxis: die von Doktor Syrus Nikou. Dennoch ist diese Arztstelle wirtschaftlich sicher eine sehr interessante, wie auch Bezirksärztesprecher Karl Brandstetter weiß.

„Es ist sicher eine arbeitsintensive Praxis, aber wirtschaftlich nach jenen in Wieselburg, Scheibbs und Purgstall bestimmt eine der interessantesten im Bezirk. Also daran dürfte es nicht scheitern, dass sich kein Nachfolger findet“, sagt Brandstetter und vermutet eher ein generelles Nachwuchs- und Bürokratieproblem für Landärzte. Denn für aktuell 15 offene Kassenstellen für Allgemeinmedizin in Niederösterreich gab es Anfang Februar nur fünf Bewerber. Für vier ausgeschriebene Facharztstellen interessierte sich nicht ein einziger Arzt.

15 offene Arztstellen in NÖ, nur fünf Bewerber

„Gresten ist ein typisches Beispiel für die derzeit besorgniserregende Situation bei den offenen Kassenarztstellen. Wir haben eine attraktive Stelle, aber keine Bewerber. Daher bedarf es rascher Maßnahmen, um den Beruf des Landarztes und des Arztes mit Kassenvertrag wieder interessant zu machen“, fordert der Präsident der NÖ Ärztekammer Christoph Reisner.

Er will von der Politik unter anderem eine Streichung der „limitierten Leistungen“. Limitierte Leistungen sind Leistungen, die ein Arzt – unabhängig von der Notwendigkeit der Behandlung oder Diagnostik – nur in einer beschränkten Anzahl abrechnen kann. „Ein Arzt soll behandeln können, ohne ständig nachrechnen zu müssen, ob seine Leistung noch bezahlt wird oder er schon kostenlos arbeitet“, fordert Reisner.

Eine Nichtnachbesetzung der Praxisstelle in Gresten hätte auch Folgen für die übrigen Ärzte im Sprengel Gresten-Gaming, wie Bezirksärztesprecher Brandstetter weiß. „Die Kammerer-Patienten würden sich aufteilen, dann kämen auf die übrigen drei Ärzte noch mehr Arbeit und auch ein intensiveres Wochenend-Dienstrad zu. Das ist für alle Seiten kein Vorteil“, weiß Brandstetter und hofft weiterhin noch auf einen Bewerber.

Erst im Vorjahr wurde die Praxisstelle in Puchenstuben ruhend gestellt, nachdem sich über ein Jahr lang kein Nachfolger für Doktor Norbert Frühmann gefunden hatte. „Nur Puchenstuben und Gresten kann man von der Attraktivität der Stelle nicht vergleichen“, weiß Brandstetter.