Gresten

Erstellt am 23. Mai 2017, 05:01

von Elisabeth Leichtfried

Immer noch kein Arzt in Sicht .... Gresten braucht einen zweiten Hausarzt. Die aktuelle Ausschreibung – schon die 20. – blieb abermals ohne Ergebnis.

 |  APA (dpa)

Seit über eineinhalb Jahren läuft die Suche: Die Planstelle des niedergelassenen Arztes in Gresten war im Mai bereits zum 20. Mal ausgeschrieben – wieder ohne Erfolg, da sich keine Bewerber meldeten.

Mit April 2016 ging der ehemalige praktische Arzt Wolfgang Kammerer in Pension. Die Suche nach einem Nachfolger läuft schon ein halbes Jahr länger. Die nächste Ausschreibung der Ärztekammer beginnt am 10. Juni, die Bewerbungsfrist endet Ende Juni, gibt Martin Gassner, Leiter der NÖGKK bekannt. „Da weiß man dann vielleicht mehr“, gibt er sich optimistisch.

Für alle Formen ärztlicher Versorgung offen

„Die Stelle in Gresten wäre gar keine so kleine Stelle, die erfahrungsgemäß schwierig zu besetzen sind“, meint Birgit Jung von der Ärztekammer. Jung sieht den Grund für die erfolglose Suche darin, dass die Medizin immer weiblicher wird. Denn bei der Anzahl der Absolventen ist der Anteil der Frauen mittlerweile größer als der der Männer. Und die Frauen würden selbst keine Ordination übernehmen, so wie es die männlichen Kollegen machen und gemacht haben: „Früher wurden die Ordinationen von den Ärzten gemeinsam mit ihren Partnerinnen, die dort mitgearbeitet haben, wie kleine Familienbetriebe geführt. Der Mann einer Ärztin aber hat selber einen Beruf, könnte in der Ordination seiner Frau also nicht mithelfen.“

Vonseiten der NÖGKK und der Ärztekammer sei man grundsätzlich für alle Formen der ärztlichen Versorgung offen. Auch eine Gemeinschaftspraxis oder ein Ärztezentrum seien denkbar – aber auch dafür habe es in der Vergangenheit keine Anfragen gegeben, weiß Jung. „Auch dafür müssten sich unter den Ärzten erst einmal Interessenten finden“, sind sich Gassner und Jung einig. „Und wenn sich schon ein Arzt nicht finden lässt, wie sieht es erst mit mehreren aus?“, fragen sie sich unisono.

Gemeinden legen „roten Teppich“ aus

Dieser Meinung ist man auch in den Gemeinden Gresten, Gresten-Land und Reinsberg. „Junge Ärzte wollen keine Ordination am Land eröffnen“, sagt Bürgermeister Wolfgang Fahrnberger. Gemeinsam mit Bürgermeister Leopold Latschbacher und Bürgermeister Franz Faschingleitner verspricht er potenziellen Ärzten die volle Unterstützung seitens der Gemeinden. „Räumlichkeiten wären in verschiedensten Gebäuden vorhanden und können adaptiert werden. Auch der Neubau einer Ordination ist denkbar“, berichtet Fahrnberger. „Wir legen dem zukünftigen Arzt einen roten Teppich aus – in jeglicher Hinsicht.“