Blindenmarkt

Erstellt am 11. Oktober 2016, 05:00

von Christian Eplinger und Leopold Kogler

Ein bunter Operettenabend in Blindenmarkt. Herbsttage Blindenmarkt sind im 27. Jahr in einer neuen Ära angelangt. Bunte und flotte „Boccaccio“-Inszenierung begeisterte zur Eröffnung der neuen Ybbsfeldhalle.

Boccaccio (rechts, Alexander Kaimbacher) hat sich Hals über Kopf in Fiametta (links, Milena Arsovska) verliebt. Um zu ihr zu gelangen, gilt es aber zunächst Ziehmutter Peronella (2. von rechts, Gabriele Schuchter) abzulenken.  |  Lukas Beck

„Kein bisschen müde“ seien die Herbsttage Blindenmarkt auch in ihrem 27. Jahr. Das versicherte Michael Garschall, Intendant und Begründer des Mostviertler Operettenfestivals, anlässlich der „Boccaccio“-Premiere am Freitagabend in der bei dieser Gelegenheit eröffneten Ybbsfeldhalle.

Großzügiger Zuschauerraum, Orchestergraben, Foyer, Parkplätze: Alles neu in Blindenmarkt. Arik Brauers „Sie hab’n a Haus baut“ erklingt zwischendurch in passend adaptierter Textfassung als Einlage. „Es ist wahrlich was G’scheites geworden“, meinte Landeshauptmann-Stellvertreterin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Der neue Saal sei ein „Leuchtturmprojekt der Region“.

Glänzen in Blindenmarkt auf, unter und hinter der Bühne, von links: Bernhard Wallner (Orchester), Luise Theuretzbacher (Garderobe) und Karl Becker (Chor).  |  Daniela Führer

Die Herbsttage sind in einer neuen Ära angekommen. Gleich geblieben ist aber die einzigartige Leidenschaft für das Operettenspiel und das Zusammenwirken von Profis und Laien. Man spürt, dass alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Ganz im Gegensatz zu den Florentiner Bürgern im Stück, die von den Novellen des Dichters Giovanni Boccaccio entzweit werden. Während die Frauen ungeduldig den neuesten erotischen Dichtungen Boccaccios entgegenfiebern, haben die Männer nur ein Ziel vor Augen: Den verruchten Dichter fangen und einsperren.

Das ist der Stoff, aus dem die erfolgreichste Operette Franz von Suppés gestrickt ist. Nicht gerade gespickt mit bekannten Melodien und dennoch durfte sich Michael Garschall freuen, dass die diesjährige Produktion (16 Vorstellungen, jeweils 520 Sitzplätze) bereits am Premierenabend zu 97 Prozent ausgelastet war: „Unser Ziel ist es, unentdeckte Operettenschätze zu heben. Bei uns gibt es kein Event, keine Show, aber Musiktheater mit viel Herz. Das belohnt unser treues Publikum.“

Die turbulente Handlung von „Boccaccio“ in der bewährten Regie von Isabella Gregor ist komödiantisch angelegt und die großartige Darstellerriege versprüht zündendes Temperament. Insgesamt ein Operettenspaß in einem außergewöhnlich farbig angelegten Bühnenbild.

Solisten glänzen, Ensemble begeistert

In der Titelrolle begeistert Alexander Kaimbacher mit einer faszinierenden Stimme und setzt die Figur „Boccaccio“ fast popstarmäßig in Szene. Die junge Mazedonierin Milena Arsovska ist als Boccaccios geliebte Fiametta eine stimmliche Entdeckung. Anton Graner überzeugt als Pietro, Prinz von Palermo, Daniel Serafin als Barbier Scalza sowie Marcus Ganser als trinkfester Lotteringhi.

Mit wunderbarer Innigkeit und eine Portion Erotik glänzen Anete Liepina als Beatrice und Kerstin Eder als Isabella. Überzeugend sind einmal mehr auch die Blindenmarkter Urgesteine Willi Narowetz, Heinz Müller und Christiane Bruckner. Souverän und sehr präsent präsentieren sich der Chor der Herbsttage und das Kammerorchester Ybbsfeld, mit Energie und Feingefühl dirigiert von Kurt Dlouhy.

Im Chor und im Orchester wirken übrigens zum heuer bereits zweiten Mal zwei Wolfpassinger mit: Wolfpassings Vizebürgermeister Karl Becker singt und spielt auf der Bühne, Bernhard Wallner (Geige) spielt im Orchestergraben. Und hinter der Bühne ist die Pfarre Steinakirchen ein weiteres Mal vertreten: Luise Theuretzbacher ist zum dritten Mal Mitglied des Herbsttage Garderobe- und Schneiderei-Teams.

2017 strömt Berliner Luft nach Blindenmarkt, wenn „Frau Luna“ von Paul Lincke mit Katrin Fuchs und Andreas Sauerzapf auf dem Spielplan steht.