Erstellt am 20. Oktober 2015, 06:02

von Christian Eplinger

Hilfsbereitschaft ist ungebrochen. Rund 4.200 Stunden leisteten Einsatzorganisationen und Freiwillige bislang im Transitquartier.

anette Schallhas aus Bodensdorf half am vergangenen Samstagmorgen das erste Mal im Transitlager in Wieselburg -als eine von bisher rund 85 freiwilligen Mitarbeitern vom Team Österreich. »Ich wollte mir einerseits einfach selbst ein Bild machen und andererseits helfen. Und ich weiß, dass ich mich sicher noch weitere Male melden werde. Denn ich bin begeistert von dieser Dankbarkeit, die man von diesen Menschen erfährt. Zudem geht alles so ruhig zu. Beim Essen gibt es überhaupt kein Drängeln, alle sind ruhig und nett. Das habe ich so nicht erwartet«, gesteht Schallhas  |  NOEN, Christian Eplinger

Samstagmorgen im Flüchtlings-Transitlager Wieselburg. Die 26-jährige Janette Schallhas aus Bodensdorf steht bei der Essensausgabe. Sie ist eine von bislang rund 85 Mitglieder des Team Österreich, das im Transitquartier Wieselburg das Rote Kreuz unterstützt und bisher mehr als 1.000 freiwillige Stunden geleistet hat.

„Aus der Bevölkerung ist nach wie vor eine große Hilfsbereitschaft spürbar. Besonders erfreulich: Einige Firmen haben sich schon organisiert und die Mitarbeiter gemeinsam Team Österreich-Betreuungs-Schichten übernommen“, weiß Lukas Hürner, Pressesprecher des Roten Kreuz Scheibbs, das die Lagerleitung inne hat.

Seitens des Roten Kreuzes selbst kamen bisher 50 Sanitäter zum Einsatz, auch der jeweilige Einsatzleiter für Wieselburg wird vom Roten Kreuz gestellt. Insgesamt wurden bisher etwa 1.600 Stunden geleistet, zum größten Teil ehrenamtlich.

„Es kann schon mal 20 Telefonate benötigen“ 

„Hauptberuflich wird hauptsächlich die Organisation im Hintergrund abgewickelt“, erklärt Hürner. Die medizinische Versorgung wird neben den Rettungs- und Notfallsanitätern auch von verschiedenen Ärzten sichergestellt. Zwölf Mediziner haben sich bereits über 100 Stunden engagiert.

Bei der Caritas der Diözese St. Pölten, die die Spendensammlung und -verteilung in Wieselburg organisiert, ist man optimistisch, dass man auch in den nächsten Wochen noch genug Freiwillige findet. „Im Durchschnitt hat die Caritas täglich 13 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb im Einsatz, davon sind zehn Freiwillige.

Wir müssen zwar manchmal bis zu 20 Leute anrufen, bis wir das Team für einen Tag zusammen haben, aber das ist bedingt durch die berufliche und zeitlich Situation der Freiwilligen. 165 haben sich in den vergangenen Wochen bei der Caritas für eine Mitarbeit gemeldet, sehr viele über die Caritas Facebookseite. Mehr als 100 davon waren auch schon im Einsatz“, weiß Caritas-Pressesprecher Karl Lahmer.

Rund 1.000 Stunden haben diese Freiwilligen bei der Caritas in Wieselburg bisher geleistet. Dazu kommen noch rund 250 Stunden von hauptberuflichen Caritas Mitarbeitern vor Ort und weitere 300 Einsatzstunden, die Caritas Mitarbeiter hauptberuflich in diesem Zusammenhang mit Sachspendenlogistik, Organisation der Freiwilligen-Dienste über facebook, Homepage und Telefon und ähnliches geleistet haben.

Eine Besonderheit dabei ist Caritas-vor-Ort-Einsatzleiter Walter Reiterlehner. Der Scheibbser ist zwar eigentlich schon in Pension, hat sich aber in Wieselburg sofort als Freiwilliger bereit erklärt, die Leitung vor Ort zu übernehmen.

All dies sowie die ungebremst perfekte Zusammenarbeit mit Bundesheer – neben dem Feldküchenteam kommen täglich Soldaten der Kaserne Amstetten, um das Schlaflager innerhalb kürzester Zeit wieder auf Vordermann zu bringen – und der Messe Wieselburg, die die Reinigkungskräfte für WC- und Duschcontainer stellt, macht das Transitlager Wieselburg zu einem Vorzeigequartier.

Das bescheinigte auch eine Kommission vom Innenministerium, die sich am Freitag vor Ort von den Gegebenheiten überzeugte. Und dennoch spätestens Mitte November ist in Wieselburg Schluss, da sich die Hallen schon jetzt bei Nachttemperaturen von knapp über Null Grad nur mehr schwer heizen lassen.


Wussten Sie, ...

  • dass in den ersten drei Wochen bisher insgesamt 3.817 Flüchtlinge im Transitlager Wieselburg versorgt wurden und genächtigt haben? Davon 1.758 alleine in der vergangenen Woche.
  • dass von diesen 3.817 Flüchtlingen nur knapp 50 bisher offiziell um Asyl in Österreich angesucht haben?
  • dass das Transitlager Wieselburg seit Montag, 5. Oktober, jeden Tag Flüchtlinge beherbergt? Die meisten am Samstag, 10. Oktober (353), die wenigsten am Dienstag, 6. Oktober (108).
  • dass das Rote Kreuz, Caritas (samt Freiwillige) und Team Österreich bislang rund 4.200 Stunden im Transitlager Wieselburg geleistet haben? Rund drei Viertel dieser Stunden wurden freiwillig oder ehrenamtlich geleistet.
  • dass das Team der Bundesheer-Feldküche tagtäglich rund 60 bis 70 Kilogramm Nudeln für das Abendessen verkocht und dazu beim Frühstück um die zwölf Kilogramm Zucker pro Tag benötigt werden, da die Flüchtlinge ihren Kaffee und Tee für unsere Verhältnisse sehr sehr süß trinken?
  • dass die Firma Haubis aus Petzenkirchen sämtliches Brot und Gebäck für das Flüchtlings-Transitlager in Wieselburg bislang kostenlos gespendet hat? Immerhin bereits rund 18.000 Semmel.
  • dass in den ersten drei Wochen schon über 2.700 Kilogramm Bananen und 800 Kilogramm Äpfel im Transitlager Wieselburg ausgegeben wurden?
  • dass zum Heizen der beiden Messehallen täglich rund 2.000 Liter Dieselöl benötigt werden.