Erstellt am 22. Januar 2016, 10:16

von Christian Eplinger

Hödl schließt: "Baustelle war Todesstoß". Eine 78-jährige Familien- und Firmentradition ist mit Ende des Monates Geschichte. Marion Hödl wird ihr Textilfachgeschäft in der Marizazellerstraße schließen.

1938 eröffnete Robert Prankl senior, der Großvater von Marion Hödl, in der Mariazellerstraße sein Textilgeschäft samt Schneiderei. Mit Monatsende schließt dieses 78-jährige Traditionsunternehmen für immer. Bis dahin läuft noch ein großer Totalabverkauf.  |  NOEN, Eplinger

1938 hat Robert Prankl senior die Schneiderei samt Textilhandel in der Mariazellerstraße eröffnet. Der Großvater der heutigen Besitzerin, Marion Hödl führte das Geschäft bis 1959, mit einer vierjährigen Auszeit während der Kriegsjahre.

Als er bereits im Alter von 51 Jahren starb, führte die Mutter das Geschäft ein Jahr lang als Witwenbetrieb weiter, bis der Sohn Robert Prankl das Geschäft übernehmen konnte.

Im September 1994 übergab Robert Prankl das Textilgeschäft schließlich an seine Tochter Marion Hödl. „Es war immer ein gutgehendes Geschäft, aber natürlich haben uns in den letzten Jahren die Konkurrenz durch die großen Textilketten und vor allem der Online-Handel zugesetzt“, schildert die 53-jährige Marion Hödl im NÖN-Gespräch.

„Umsatzeinbußen waren seit Baustelle enorm“

Den Ausschlag für die Entscheidung, das Geschäft nun engdültig zu schließen, gab laut Marion Hödl aber die Marktwehrbaustelle. „Wir haben zwar etliche Gespräche mit Gemeinde und Betreibern geführt. Doch unsere Wünsche blieben ungehört. Seit die Baustelle begonnen hat, haben wir einen deutlichen Geschäftsrückgang zu verzeichnen. Und im November und Dezember – eigentlich zwei starke Umsatzmonate – war es ganz extrem. Da gab es Tage mit nur zwei Kundschaften. So kann man nicht überleben“, erklärt Hödl, die ihr Geschäft mit Ende Jänner schließen wird.

Sie überlegt zwar noch, (vereinzelt) tageweise zu öffnen, um den Lagerbestand restlos abzuverkaufen, aber das ist noch nicht sicher. „Das kommt darauf an, wie sich die Baustelle weiterentwickelt, denn angeblich ist neuerlich eine völlige Straßensperre geplant“, sagt eine verärgerte Marion Hödl, für die mit der Schließung ein Stück Familiengeschichte ein Ende findet.