Erstellt am 08. Oktober 2015, 04:52

von Karin Maria Heigl

„Trauer gehört zum Leben“. Blumen trösten, erinnern und geben Hoffnung. Das ist das Thema einer Ausstellung im Stift Melk. Florist Alexander Mlinek über die Bedeutung von Blumen bei der Trauerarbeit.

»Beim Abschied können Blumen trösten, Hoffnung geben und sie zeigen Wertschätzung wie kein anderes Symbol.«  |  NOEN

In wenigen Wochen feiern wir wieder Allerheiligen und Allerseelen. Viele Menschen schenken den Gräbern ihrer Lieben in dieser Zeit wieder besondere Aufmerksamkeit. Für Floristen gehört das Thema Trauer das ganze Jahr lang zum Berufsalltag. Was Blumen können und welche Bedeutung Trauerfloristik für ihn persönlich hat, darüber sprach der Wieselburger Florist Alexander Mlinek mit NÖN-Redakteurin Karin Maria Heigl.

NÖN: Kommendes Wochenende findet im Stift Melk eine große Ausstellung zum Thema Trauerfloristik statt. Wieso haben Sie die Landesinnung der Gärtner und Floristen unter Innungsmeister Thomas Kaltenböck bei diesem Projekt mit viel Einsatz unterstützt?

Mlinek: Weil der Tod in unserer Gesellschaft leider ein Tabuthema ist. Zudem droht die Trauerkultur an Stellenwert zu verlieren. Aber nach wie vor sind Blumen in diesen schweren Stunden ein sehr großer Trost. Trotz der häufigen Bitte um Spenden statt Blumen, gibt es eigentlich keine Bestattung, die ohne Blumen und Kränze auskommt. Ein Begräbnis ohne Kreuz, ohne Weihrauch oder ohne Blumen würden die meisten Menschen als kahl und trostlos empfinden.

Inwiefern hat sich die Trauerkultur verändert?

Mlinek: Die Trauerkultur ist im Umbruch – und zwar in verschiedenen Bereichen. Urnenbestattungen haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Immer öfter besteht der Wunsch der Angehörigen auf Blumenspenden zu verzichten und stattdessen für eine wohltätige Organisation zu spenden. Ein Begräbnis ohne Blumen wird es meiner Meinung nach trotzdem nie geben. Da würde etwas fehlen.

Warum sind Sie davon so überzeugt?

Mlinek: Blumen bedeuten immer Anerkennung und stellen bei einer Beerdigung den Wert einer verstorbenen Person dar. Ich habe das selbst erlebt, als mein Vater nach einer schweren Krankheit starb. Der Anblick der vielen Kränze bei seiner Beerdigung hat mich mit Ehrfurcht und Respekt erfüllt. Die Kränze sind ein sichtbares Zeichen dafür, welchen Stellenwert eine Person in der Gemeinschaft hatte und das kann ein sehr wertvoller Trost sein. Auch wenn manche Verstorbene nicht unbedingt Blumen bei ihrem Begräbnis haben wollen, ist die Blume meiner Ansicht nach ein unverzichtbares Symbol für die Verabschiedung. Blumen waren bei Sterbefällen schon seit jeher wichtig. Schon in der Steinzeit wurden bei Beerdigungen Ornamente aus Naturmaterialien gelegt. Eigentlich gab es in allen Epochen bei Bestattungen Blumen, diese sind schlechthin das Zeichen für besondere Anerkennung. Und wo Worte fehlen, können Blumen trösten – so wie ein Händedruck oder eine stille Umarmung.

Welche Rolle spielt für Sie Trauerarbeit an sich?

Mlinek: Auch wenn es vielen Menschen schwerfällt über Sterben und Tod zu sprechen: Ich bin mir sicher, dass man sich der Thematik stellen sollte. Spätestens dann wenn man mit dem Tod von nahen Verwandten konfrontiert ist, ist man gezwungen sich damit auseinanderzusetzen. In dieser schwersten Zeit sind Rituale eine große Stütze. Als Florist ist man regelmäßig mit Trauerarbeit konfrontiert. Für mich gehört das Thema Trauer einfach zum Leben dazu. So wie man geboren ist, so muss man auch sterben. Und die Blume ist etwas, das den Menschen wirklich durch das ganze Leben begleitet, von der Taufe über Geburtstage, Hochzeiten und viele Momente der Wertschätzung – in denen man Blumen schenkt.

Was sehen Sie als ihre wichtigste Aufgabe, wenn Trauerfamilien zu ihnen kommen?

Mlinek: Manche Menschen haben schon ganz konkrete Vorstellungen davon, welchen Blumenschmuck sie haben möchten. Manche Leute sind dabei überfordert, gerade auch bei überraschenden Todesfällen – und sind dann sehr dankbar dafür, wenn ein Florist sie berät und unterstützt. Das sehe ich als sehr wichtige Aufgabe. Für die meisten ist es wirklich eine schwierige Sache, die mit enormen Emotionen verbunden ist. Viele Leute brechen bei der Auswahl des letzten Grußes in Tränen aus. Die letzten Worte auf der Kranzschleife sind etwas ganz, ganz persönliches – und meiner Meinung nach ein wichtiger Schritt in der Trauerarbeit. Bis zum Begräbnis herrscht bei den Angehörigen absoluter Ausnahmezustand – und genau in der Zeit haben wir als Floristen mit den Betroffenen zu tun. Wir versuchen da natürlich, so einfühlsam wie möglich und so individuell wie möglich auf unsere Kunden einzugehen.

Verschiedene Blumen haben eine unterschiedliche Symbolik. Welcher Sorte kommt bei Trauerfloristik die größte Bedeutung zu?

Mlinek: Rosen sind generell die wichtigsten Blumen und ganz speziell die roten Rosen. Sie haben zweifellos die stärkste Aussagekraft als Symbol der Liebe und Verbundenheit. Außerdem haben viele Menschen gewisse Lieblingsblumen und darauf versucht man natürlich einzugehen, soweit die Jahreszeit es zulässt. Deshalb versuchen wir, die Lieblingsblumen der Verstorbenen immer zu erfragen. Die roten Rosen sind im Normalfall den engsten Angehörigen vorbehalten. Wenn jemand komplett unschlüssig ist, empfehlen wir meistens Blumen die zu den übrigen Arrangements passen.


Ausstellung 9. bis 11.10.

  • Trauerfloristik im Stift Melk, Ausstellung der Landesinnung der Gärtner und Floristen NÖs:
    Freitag, 9. Oktober, 16 bis 19 Uhr
    Samstag, 10. Oktober, 9 bis 19 Uhr
    Sonntag, 11. Oktober, 11 bis 17.30 Uhr

  • Im Rahmen der Ausstellung sind besondere Räumlichkeiten des Stiftes Melk geöffnet, die sonst nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind.

  • Eintritt frei!