Erstellt am 14. September 2015, 12:18

von Christian Eplinger

Kleinere Früchte, aber gute Qualität. Den Most- und Saftproduzenten fehlt es nach dem heißen Sommer vor allem an einem: ausreichenden Mengen an Obst.

Am Freitag hat die Familie Adelsberger - Leopoldine, Philipp und Adolf (von links) - den ersten Saft in diesem Jahr abgefüllt. Am Tag davor wurde erstmals gepresst. »Vor allem Fallobst. Die Ernte beginnt bei uns erst so richtig ab kommender Woche«, erklärt Leopoldine Adelsberger. Foto: Eplinger  |  NOEN, Christian Eplinger
Schön langsam herrscht rege Betriebsamkeit in den Kellern der Most- und Saftproduzenten. So auch bei der Familie Adelsberger in Randegg.

„Wir haben diese Woche die ersten Chargen gepresst und am Freitag den ersten Saft abgefüllt. Vorerst eine Apfel-Birnenmischung, wobei wir dazu vor allem Fallobst genommen haben“, schildert Leopoldine Adelsberger. In den nächsten Wochen steht dann die „richtige“ Ernte am Programm.



Auch bei der Familie Frühwald in Reinsberg sind in der Vorwoche die ersten Maischen des Jahres gemacht worden. „Vorerst für den Schnaps. Ab nächster Woche geht das Pressen für die Säfte und Moste los“, erklärt August Frühwald.

Der Mostbaron am Hechaberg hat aber so wie alle Saft- und Mostproduzenten der Region einige Sorgenfalten im Gesicht.

„Für gute Qualität, zahlen wir auch
einen guten Preis. Äpfel und Birnen
haben einen Wert und Obstklauben
zahlt sich aus.“
Mostbaron August Frühwald

„Der heiße Sommer brachte uns beim Obst zwar tolle Qualität mit gewaltigen Zuckerwerten, aber die Früchte sind klein, die Menge und der Saftgehalt durch die trockenen Früchte gering. Deshalb sind auch alle Produzenten der Region auf der Suche nach Obst und kaufen Ware zu“, sagt August Frühwald.

Dabei zahlen die Qualitätsmost- und -saftproduzenten gut. Für eine Tonne sortenreine Bioware werden zwischen 150 und 220 Euro bezahlt – wenn die Qualität stimmt. Also fast das Drei- bis Vierfache, das Obstbauern bei genossenschaftlichen Abnehmern bekommen. „Das händische Obstklauben lohnt sich. Äpfel und Birnen haben einen Wert“, weiß Frühwald.

Dass die Ernteerträge nun schon das dritte Jahr hintereinander eher am unteren Mittel angesetzt werden, bereitet den Produzenten aber Kopfzerbrechen. „Wir brauchen wieder einmal bessere Jahre, sonst wird sich das über kurz oder lang auch auf den Preis auswirken“, befürchtet Mostbaron Engelbert Wieser aus Randegg

„Knospenansatz hat unter der Hitze stark gelitten“

Aber es könnte auch nächstes Jahr Probleme geben, vermutet Andreas Ennser, Geschäftsführer des Obstbauverbandes Mostviertel: „Ich rechne heuer bei Hochstammbäumen mit guter bis durchschnittlicher Ernte. Aber der Knospenansatz hat unter der Hitze stark gelitten, sodass die Bäume extrem unter Stress standen. Somit ist der Ertragsausblick auf die nächste Saison nicht gerade rosig“, betont Ennser.

Dennoch ist Ennser optimistisch, dass die heurigen Mengenerträge die Nachfrage der birnenverarbeitenden Betriebe decken können. Andreas Enner rechnet mit rund 8.000 Tonnen im gesamten Mostviertel.

Bestätigt wird Ennser auch von Anna Wurzenberger aus Oberndorf. „Wir sind eigentlich sehr zufrieden mit der bisherigen Ernte, die in den letzten Tagen bei uns angelaufen ist. Die Früchte sind zwar etwas kleiner und geben weniger Saft her, aber die Qualität stimmt – vor allem bei den späteren Sorten“, ist Wurzenberger überzeugt.

„Das Obst ist teilweise am Baum richtig verbrannt“

Geklaubt wird in Oberndorf übrigens nur mit der Hand! „Da sind wir schon alle ein paar Tage pro Woche im Einsatz. Danach wird gleich frisch gepresst“, schildert Wurzenberger.

Neben den Jahreserträgen gibt es aber noch ein ganz anderes Problem, das die Obstbauern beschäftigt. Die Birnbaum-Population kränkelt stark. Feuerbrand und viröser Birnenverfall sorgen für schwindende Rohstoffe. Die Trockenheit hat das ihrige dazu beigetragen, dass die Bäume noch anfälliger für Krankheiten sind. Das Obst weist auch immer wieder Brandflecken auf.

„Das Obst ist teilweise am Baum richtig verbrannt“, weiß Leopoldine Adelsberger. „Dazu kommt, dass uns jetzt genau die rund 50-jährigen Bäume fehlen, die den stärksten Ertrag hätten. Nur vor 50 Jahren hat keiner Obstbäume gepflanzt“, so die Biobäuerin aus Randegg.